Zurück in die Schule

TRIER. (cofi) Bei einem von der Nikolaus-Koch-Stiftung ausgelobten Ideenwettbewerb zur Motivation schulverdrossener Kinder und Jugendlicher erreichten die Gesellschaft für Psychologische und Soziale Dienste sowie der Palais den ersten und zweiten Platz. Nun kooperieren die Vereine mit ihren Projekten.

"Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass die Preisträger ihre Projekte auch umsetzen", sagt der Stiftungsvorsitzende Manfred Bitter. "Wir wollen nicht nur Konzeptionen auszeichnen, sie sollen auch realisiert werden." Außerdem setzte die Stiftung beim Ideenwettbewerb darauf, dass sich die Bewerber austauschen, sich Multiplikatoren finden, Synergieeffekte entstehen. So ist es kein Zufallsprodukt, dass die ersten beiden Preisträger des Ideenwettbewerbs sich in ihrem gemeinsamen Kampf zusammengetan haben, Ursachen für das Schuleschwänzen zu finden und für die vom Unterricht fernbleibenden Kindern Strategien für die Rückkehr auf die Schulbank zu erarbeiten. "Die beiden Projekte bearbeiten andere Schwerpunkte, aber arbeiten Hand in Hand", so Reinhold Spitzley vom Palais e. V. Das Projekt "Aufsuchendes Krisenmanagement bei Schulverweigerung (AKM-S)" der Gesellschaft für Psychologische und Soziale Dienste (GPSD) sucht die Ursachen für das Problem an den Wurzeln im sozialen Umfeld des Schülers zu ergründen. Bislang gab es keine vergleichbaren Ansätze. "Wir betrachten Schulverweigerung als Symptom einer Krise", sagt Diplom-Psychologe Jürgen Birster (GPSD). Familien sollen in die Lösung des Problems einbezogen werden. Durch die Förderung der Nikolaus-Koch-Stiftung werde es möglich, noch nicht standardisierte Verfahren zu erproben. Die Kinder- und Jugendhilfe Palais e.V. hingegen unterhält ein bereits seit 2001 erprobtes Projekt, das sich der Betroffenen selbst annimmt. Beim prämierten Ansatz von "RidZ" (Reintegration in die Zukunft) geht es darum, Schulschwänzer durch außerschulische Angebote wieder an Schule und Unterricht heranzuführen und ihnen so Perspektiven für ihr künftiges Leben aufzuzeigen. "Das ist keine Kuschelpädagogik", so Spitzley. Die Rückführungsquote in die Schule liege bei 75 Prozent."Das ist keine Kuschelpädagogik"

Rund 431 000 Euro investierte die Nikolaus-Koch-Stiftung in Preisgelder und Anschubfinanzierung für die vernetzte Arbeit der Initiativen. Obwohl ein Antrag bei der Aktion Mensch noch nicht positiv entschieden wurde, haben die Initiatoren bereits die Arbeit aufgenommen. Die Projekte richten sich nicht nur an Hauptschulen. Auch an Gymnasien und Realschulen müsse interveniert werden, so Birster. Durch die Kooperation biete sich die Möglichkeit, die Ergebnisse landesweit festzuhalten und auch auf Kindergärten und Schulen zuzuschneiden. "Die Unterstützung, die wir bieten, muss als Chance gesehen werden, nicht als Stigma", appelliert Spitzley an Eltern, ohne Scham Hilfen anzunehmen.

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