zurückgeblättert Gerlinghäuser am Pferdemarkt weichen Neubau Bäume in Heiligkreuz bleiben stehen

Zurückgeblättert : Nicht immer weicht Natur den Häusern

Widerstand gegen Bauprojekte ist keine Erfindung der 2010er Jahre. Und manchmal hat dieser Widerstand zuvor ungeahnte Projekte zur Folge.

Bis in die 1970er Jahre zurück reicht die Idee, die Stadt Trier noch autogerechter zu machen und den Verkehr vierspurig auf der sogenannten Westtrasse zwischen Nikolaus-Koch-Platz, Walramsneustraße, Bruchhausenstraße und Alleenring laufen zu lassen. Dem standen zwei Dinge entgegen. Die sogenannten Gerlinghäuser am Pferdemarkt und die Bürgerinitiative „Nein zur Westtrasse durch die Innenstadt“.
Im April 1994 steht dann fest, dass die aus den 1920er Jahren stammenden Gebäude abgerissen werden. Umgerechnet rund 15 Millionen Euro will damals der Trierer Investor Rudolf M. Lederer (Rule-Regiebau) in einen Neubaukomplex investieren. Das ist dann auch geschehen. Nach dem Ende der Bauarbeiten ist die vorher schmale Walramsneustraße zwar breiter. Sie ist jedoch weiterhin eine Einbahnstraße Richtung Nikolaus-Koch-Platz. Und bei einem sehr hohen Moselhochwasser ein ziemlich nasser Ort. Denn das Gelände des Pferdemarkts gilt als tiefster Punkt der Altstadt.
Nicht die Angst vor einer Straße, sondern die Angst vor neuen Häusern bewegte Mitte der 1990er Jahre Menschen in den Trierer Stadtteilen Heiligkreuz und Olewig. Denn die Zukunft des rund 7,2 Hektar großen Geländes der früheren Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt (SLVA) war zu jener Zeit offen. Anwohner fürchteten, das dort stadtnah neue Häuser entstehen. Das Land Rheinland-Pfalz hatte die SLVA Ende 1993 aufgelöst. Im April verpachtete das Mainzer Landwirtschaftsministerium dann die Flächen mit den dort zahlreich stehenden Obstbäumen an einen Schweicher Landwirt. Nach drei Jahren sollte der Stadt Trier ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden. „Die Stadtverwaltung will diese Zeit nutzen, um eine Konzeption für die zukünftige Nutzung der drei Parzellen zu erstellen“, heißt es im damaligen Bericht.
25 Jahre nach der Verpachtung der Flächen stehen die Bäume immer noch auf dem Gelände. Seit vielen Jahren kümmert sich der Bürgerverein Heiligkreuz um das Gelände. Bürger können eine Baumpatenschaft abschließen und erhalten gegen einen niedrigen finanziellen Beitrag das Recht, die alten Obstbäume zu pflegen und abzuernten. Für den 21. September hat der Verein wieder eine mobile Saftpresse bestellt, damit das Obst vom alten SLVA-Gelände gepresst werden kann. Harald Jansen

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