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Zurückgelassenes Kleinkind, Party-Schlägereien und täuschend echt aussehende Waffen - das turbulente Wochenende der Polizei in Trier

Kriminalität : Zurückgelassenes Kleinkind, Party-Schlägereien und täuschend echt aussehende Waffen - das turbulente Wochenende der Polizei in Trier

Die Polizeiinspektion Trier hatte am Wochenende gleich mehrere außergewöhnliche Einsätze im Stadtgebiet. Besonders krass ist ein Fall einer möglichen Kindeswohlgefährdung in Trier-Nord.

Sonntagabend. Einem Zeugen fällt auf einem Parkplatz im Trierer Norden gegen 19.30 Uhr ein Auto auf, in dem ein Kleinkind mit einem Handy spielt. So schildert die Polizei am Montag den Vorfall. Beamte seien angerückt und die erste Vermutung bestätigt sich: Die Erziehungsberechtigten zocken in der nahegelegenen Spielhalle. „Die ersten Ermittlungen ergaben, dass die Eltern womöglich bis zu fünfmal wöchentlich für jeweils sechs bis sieben Stunden ihren dreijährigen Sprössling im Auto zurücklassen, um an den Automaten zu spielen“, schildert die Polizei diesen krassen Fall einer möglichen Kindeswohlgefährdung. Auf die Eltern komme nun nicht nur durch ein Strafverfahren wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu. Auch das Jugendamt sei eingeschaltet.

Auf Anfrage bei der Trierer Stadtverwaltung erklärt Pressesprecher Michael Schmitz, dass der aktuelle Fall dem Amt nicht bekannt sei, weil die Familie vermutlich nicht aus Trier stamme. Allerdings habe das Ordnungsamt 2019 einen gleichgelagerten Fall registriert. Eine Mutter habe ihr Kind im Fahrzeug gelassen, während sie sich in einer nahegelegenen Spielothek dem Glücksspiel hingegeben habe. „In solchen Fällen werden seitens der Ordnungsbehörde an Ort und Stelle die erforderlichen Sofortmaßnahmen zum Schutz des Kindes getroffen“, sagt Schmitz. Der Fahrzeughalter, Fahre oder eine andere Person mit Autoschlüssel werde ermittelt. Dann werde der Wagen geöffnet und die Polizei verständigt. „In jedem Fall wird das Jugendamt über solche Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt“, sagt Schmitz. Das Jugendamt nehme bei Vorliegen von Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung – zum Beispiel in Form der Aufsichtspflichtverletzung wie im aktuellen Fall – Gefährdungseinschätzung im Team mit mehreren Mitarbeitenden des Jugendamtes vor, wie es im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben sei. Unter anderem gehe es darum, wie die Eltern im Falle einer festgestellten Gefährdung oder drohenden Gefährdung befähigt werden können, ihrer elterlichen Verantwortung künftig wieder nachzukommen. Gegebenenfalls würden Hilfen angeboten. „Drohen gehört nicht zum Repertoire des Jugendamtes“, sagt Schmitz. „Allerdings: Sind Eltern trotz Unterstützung nicht bereit oder nicht in der Lage eine Gefährdung abzuwenden, können Maßnahmen auch gegen den Willen der Eltern initiiert werden unter Beteiligung des Familiengerichts.“

 Eine Stelle, wo Kinder und Eltern Unterstützung bekommen können, ist der Kinderschutzbund Trier. Geschäftsführerin Corinna Engelmann sagt: „Wir bieten vom Kinderschutzbund aus Beratungen für Eltern an und begleiten – je nach Alter – auch betroffene Kinder.“ Der Kinderschutzbund biete ihnen Gelegenheit, „in einem geschützten Raum über ihre Erlebnisse zu Erfahrungen zu sprechen und sie bei der Verarbeitung zu unterstützen“. Manchmal überbrücke der Kinderschutzbund auch die Zeiträume bis die Kinder und Jugendlichen therapeutisch angebunden werden können. Für „spielsüchtige“ Erwachsene biete die Suchtberatungsstelle „Die Tür“ unterstützende Angebote an.

Dem Kind, das laut TV-Informationen aus dem Gebiet des Kreises Trier-Saarburg stammt, wurde durch die Tat möglicherweise gleich doppelt geschadet. Nicht nur dass es alleine ohne Aufsicht im Auto sitzen musste, ist problematisch. Laut Experten sollten Kleinkinder Handys bestenfalls gar nicht und keinesfalls länger als 30 Minuten pro Tag nutzen. Denn ausufernde Handynutzung kann zu Konzentrationsstörungen, Sprachentwicklungsstörungen oder Hyperaktivität führen.

180 Einsätze
Für die Polizei war der Einsatz mit dem Kind auf dem Parkplatz einer von insgesamt 180 am Wochenende in der Stadt Trier. Auf Nachfrage des TV erklärt Polizeisprecher Karl-Peter Jochem, dass dies der Einsatzdichte eines durchschnittlichen Wochenendes in Trier entspreche. Allerdings gab es anders als an den meisten Wochenenden weitere außergewöhnliche Einsätze. 

Verdächtige mit „Waffen“
Am Freitag meldete eine Zeugin gegen 17.30 Uhr, dass zwei Jugendliche mit einer Handfeuerwaffe in das Mitarbeiterparkhaus des Brüderkrankenhauses gegangen seien. Die Polizei habe die taktischen Maßnahmen ergriffen, die bei solch einem Fall notwendig seien, heißt es in der Meldung. Dann hätten die Polizisten die Jugendlichen im Parkhaus angetroffen  – allerdings ohne scharfe Waffen. In ihren Rucksäcken hätten die beiden aber mehrere täuschend echt aussehende Softair-Pistolen dabei gehabt. Von diesen gehe zwar keine besondere Gefährlichkeit aus, aber sie erweckten zumindest den Anschein scharfer Schusswaffen, erklärt die Polizei. Mit dem Einverständnis der  Erziehungsberechtigten seien die Spielzeugwaffen vernichtet worden.

Obwohl niemand bedroht wurde, weist die Polizei in diesem Zusammenhang darauf hin, dass solche Waffen erworben und besessen werden dürfen. Das Zeigen in der Öffentlichkeit unterliege jedoch strikten Regeln. „Bei einem selbst verschuldeten Polizeieinsatz, bei dem die Beamten im Zweifelsfall auch von einer scharfen Schusswaffe ausgehen müssen, bringen Betroffene sich nicht nur selbst in erhebliche Gefahr, sondern müssen auch mit hohen Kosten für den Einsatz rechnen“, erklären die Ermittler.

Verkehrsunfall unter Alkoholeinwirkung Ein stark betrunkener 20-jähriger Autofahrer hat sich laut Polizei gegen 6.30 Uhr am Samstagmorgen am Ende der Sackgasse in der Friedrich-Wilhelm-Straße verfranzt. Beim Versuch, sein Fahrzeug wieder in die entgegengesetzte Richtung zu manövrieren, habe er auf einer 100 Meter langen Strecke insgesamt neun weitere Fahrzeuge beschädigt, die zu beiden Seiten der Fahrbahn geparkt standen. Ein Zeuge habe das Geschehen von seinem Fenster aus beobachtet und den Fahrer selbst zum Anhalten bewegen können, heißt es bei der Polizei. So seien weitere Schäden verhindert worden. Der Führerschein des jungen Mannes sei sofort beschlagnahmt worden.

Körperverletzungen nach Privatfeiern Zu tumultartigen Szenen kam es am frühen Sonntagmorgen gegen 4 Uhr bei einer Party in Trier-Euren. In einer „Event-Lokalität“, wie die Polizei es ausdrückt, hätten zwei verschiedene Gesellschaften gefeiert. Bei der Abreise sei es zu einer größeren Schlägerei zwischen mehreren Teilnehmern der beiden Feiern gekommen. Die mutmaßlichen Hauptbeteiligten der einen Partei seien zurück auf ihre Feier geflüchtet. Dort hätten sie die Zugänge verriegelt und sich verborgen gehalten. Nur weil die Staatsanwaltschaft die Türöffnung angeordnet habe, sei es der Polizei möglich gewesen, die Tatverdächtigen aus einer Gruppe von etwa 40 Personen ausfindig zu machen und entsprechende Strafverfahren einzuleiten.

Die Polizei bittet etwaige Zeugen dieser Vorgänge, sich bei der Polizei Trier unter Telefon 0651/9779-3200 zu melden.