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Zusammen liest man weniger allein

Zusammen liest man weniger allein

Heute startet ein Kinderbuchautor in Koblenz einen Weltrekordversuch: Er will vor mehr Menschen vorlesen als irgendjemand vor ihm. Dazu gehört auch ein interaktiver Teil, bei dem die Schüler einzelne Zeilen vorlesen. Etwa 50 Schüler vom Trierer Friedrich-Spee-Gymnasium werden dabei sein. Der Trierische Volksfreund hat sie bei ihrer Vorbereitung im "Leseclub" der Schule in Trier-Ehrang besucht.

Trier-Ehrang. Auf dem Weg zum Gleichklang muss erst einmal der Kanon bezwungen werden. "Oh Leute, das ist doch nix", sagt Malte Blümke (63) und schaut dabei freundlich in die Runde. Etwas mehr als zwei Dutzend Kinder sitzen in der Bibliothek des Friedrich-Spee-Gymnasiums um ihn herum. Jeweils zu zweit schauen sie auf den Zettel mit dem Text. Blümke leitet den "Leseclub" an der Schule. An diesem Tag probt er mit seinen Schülern den Ernstfall. "Nehmt besser ihr Euch mal in acht, ihr habt Euch doch schon nass gemacht!", so geht ein Teil des Textes, den sie gemeinsam aufsagen müssen.
Worum es genau geht, wie der Zusammenhang ist - noch streng geheim. Die Schüler haben nur einzelne Ausschnitte wie diesen. Beim zweiten Anlauf klappt es besser. Kein Kanon mehr.
Ernstfall Guinness-Buch


Der Ernstfall, das ist der Lese-Weltrekord, den der Kinderbuchautor Stefan Gemmel heute in Koblenz aufstellen will. Vor möglichst vielen Kindern liest Gemmel eine Geschichte, die er eigens für diesen Anlass geschrieben hat. Erwartet werden etwa 10 000 Kinder; der alte Weltrekord lag deutlich niedriger bei etwa 4000 Zuhörern. Nach dem halbstündigen Vorlesen, das der Veranstaltung auf der Festung Ehrenbreitstein einen Eintrag ins berühmte Guinness-Buch der Rekorde einbringen soll, gibt es noch eine interaktive Lesung - der Autor im Wechsel mit den Kindern, die in zwei Gruppen verschiedene Passagen im Gleichklang lesen sollen.
Die Schüler vom Spee-Gymnasium gehören zur roten Gruppe. Deutschlehrer Blümke mahnt scherzhaft: "Wir wollen uns doch nicht vor den Blauen blamieren!" Also wird geübt, für diesen großen Tag.
"Es ist sehr interessant, bei der Lesung dabei zu sein", sagt Julius Thielen (11). Er geht in die sechste Klasse und ist schon seit dem vergangenen Schuljahr beim "Leseclub" dabei. "Ich wollte immer schon mal bei einem Weltrekordversuch dabei sein", sagt Tom de Backer (12). "Mir macht Lesen großen Spaß, und in so einer großen Gruppe ist das bestimmt eine witzige Sache."
Vom Spee-Gymnasium fahren insgesamt 54 Kinder mit nach Koblenz. Sie alle besuchen entweder den "Leseclub" oder die Arbeitsgemeinschaft "Bibliothek und Medien". Noch ist nicht viel über den Inhalt der Geschichte bekannt, die der Autor für den Weltrekordversuch geschrieben hat. "Es soll wohl um die Festung gehen und im Mittelalter spielen, als da noch eine Burg stand", sagt Gregor Scholzen (13).
Betreuer Blümke gefällt an dem Rekordversuch vor allem das "Gemeinschaftserlebnis", wie er es nennt: Morgens fahren die Schüler mit einem gemieteten Bus nach Koblenz, nehmen die zur Bundesgartenschau neu errichtete Seilbahn hoch zur Festung und verbringen dann dort den Tag. Am Rande der Rekordversuchs-Lesung gibt es noch einige weitere Lesungen und Aktionen für die Kinder. "Sie erleben dort Literatur live, das kann nur motivieren", ist sich Blümke sicher.