Zwei Dänen frönen dem Weinbau

Zwei Dänen frönen dem Weinbau

International geht es auf der Weinlage Pölicher Held zu: Ein dänisches Ehepaar baut dort eigenen Riesling in der Steillage an. Die Nachbarfläche gehört einem Londoner Rechtsanwalt, der dort für den Eigenbedarf anbauen lässt.

Pölich/Thörnich. Wenn Dänen sich landwirtschaftlich betätigen, dann in aller Regel auf dem Sektor Milchwirtschaft oder Schweinezucht. Auch das Fischereigewerbe ist den Nachbarn im Norden vertraut. So gar nicht in dieses Schema passt das dänische Ehepaar Jörgen und Lene Bybjerg, das seit 2005 im Weindorf Thörnich lebt. Die beiden 63-Jährigen lieben die Mosellandschaft und betreiben Rieslinganbau auf der Gemarkung Pölich - und dies in einer Steillage.

750 Quadratmeter Anbaufläche in der Lage "Pölicher Held" nennen sie ihr Eigen. Die Rebstöcke im Hang sind rund 40 Jahre alt, doch die Pfähle fast neu. Das Paar hat sie selbst gesetzt. Ihren ersten Jahrgang lasen sie 2009. Ausgebaut wurde der Wein vom Nachbarn und Winzermeister Harald Rauen, in dessen Keller die Bybjergs auch eine "eigene Ecke" haben.

"Wir machen in unserem Weinberg fast alles per Hand. Und zur Lese laden wir unsere Familie und Freunde ein, das ist richtig gesellig", erklärt Bybjerg. Nur die Spritzarbeiten mit der Maschine übernehme der Nachbar. Auch nehme die Fläche an der Hubschrauberspritzung teil. 750 Flaschen (0,7-Liter-Normflasche) war die Ausbeute des ersten Jahres. "Ich bevorzuge trockene oder halbtrockene Weine", sagt der Hobbywinzer, und entsprechend schmeckt sein Produkt. Die Lage hat einen internationalen Ruf - die Nachbarfläche des Bybjerg-Wingerts gehört einem Londoner Rechtsanwalt. Er legt dort nicht selbst Hand an, sondern lässt bewirtschaften - um dann im Vereinigten Königreich seinen eigenen Mosel präsentieren zu können.

Nach Deutschland gekommen waren die Bybjergs 1999, als Jörgen in Stuttgart bei einem US-Konzern eine Stelle als General-Manager antrat. Heimisch sei sie im Schwabenland jedoch nicht geworden, klagt Lene, die mit der schwäbischen Mentalität ihre Probleme hatte.

Keine Probleme gab es hingegen mit der moselländischen Lebensart. Eine Urlaubsreise hatte die Familie vor 20 Jahren erstmals an die Mosel geführt. Leute, Landschaft und der Wein hinterließen einen tiefen Eindruck. So tief, dass die Bybjergs 2005 sich in Thörnich ein Haus bauten und Jörg in seinen letzten Berufsjahren zum Wochenendpendler zwischen Stuttgart und Thörnich wurde. Die Kinder waren damals schon aus dem Haus: Die Tochter arbeitet in Kopenhagen, der Sohn in Singapur. Bybjerg: "Als ich mich zur Ruhe setzte, waren die Kinder besorgt um mich. ,Was geschieht mit Vater, wenn er nichts mehr zu tun hat?', fragten die. Da kam uns die Idee mit dem Weinberg." "Heute denken wir schon wie Winzer", sagt sie und beschreibt die Gefühle zwischen Bangen und Hoffen, wenn etwa ein Hagelunwetter droht. Lene: "Bisher haben wir immer Glück gehabt."