Bildung : Zwei HGT-Standorte in Trier? – Nein, danke!

Das Humboldt-Gymnasium Trier (HGT) sieht einem unruhigen Jahr 2019 entgegen: Lehrer, Eltern und Schüler wehren sich gegen Pläne, die Oberstufe dauerhaft im ehemaligen Realschulbau an der Kaiserstraße unterzubringen.

Im Herbst wollte der Ortsbeirat Trier-Mitte-Gartenfeld per Grundsatzbeschluss dieser Lösung zustimmen und sie als Empfehlung an Verwaltung und politische Gremien weiterreichen. Doch der Beschluss fiel in der Herbstsitzung aus, nachdem HGT-Vertreter in der Beiratssitzung dringend um Aufschub und erneute Prüfung gebeten hatten (der TV berichtete). Das Thema wurde vertagt und wird im neuen Jahr erneut auf Verwaltung, Gremien und HGT zukommen.

„Wir geben den Kampf noch nicht verloren“, erklärt Schulleiter Ralph Borschel im Gespräch mit dem TV. Besondere Hoffnung setzte man im HGT auf Bestrebungen des Mutterhauses, das ehemalige Robert-Schumann-Anwesen für eigene Ausbildungszwecke zu erwerben. Auch die Klinik leide am alten Standort inzwischen unter Platzmangel. Borschel: „Seit 2015 konnten wir genug Erfahrung mit der ausgegliederten Oberstufe sammeln.“ Der Schulleiter klagt über Unterrichtsausfälle und Zusatzbelastungen. Rund 400 Meter Distanz liege zwischen den Schulen. Dazu kämen noch die Wege in den Gebäuden. Borschel: „Wenn ich von unserem Chemieraum rüber zur Kaiserstraße laufe, komme ich auf gut zehn Minuten.“

Verspätungen und damit Unterrichtsausfälle seien die Folge. Es gebe erhebliche Probleme bei der Stundenplangestaltung. Wegen der ständigen Wechsel in den großen Pausen klagten die Schüler und Kollegen zudem über den Pausenausfall, und eine Lehrertrennung in Ober- und Unterstufe sei nicht möglich. Als weitere Probleme werden genannt: Die Schulbibliothek im Stammgebäude wird wegen der Standortentfernung schon heute viel weniger von Oberstufenschülern frequentiert. Das bewährte Konzept der Streitschlichtung werde schon heute ausgehöhlt, weil Klassenpaten und Mediatoren (Oberstufe) sich zur meisten Zeit nicht am Ort des Geschehens befänden. Ähnliches gelte für Besuche von Oberstufenschülern im Schulsekretariat und für die Arbeit der Schulpsychologin, die nicht den Älteren nicht mehr in den Pausen aufgesucht werden könne.

Aus Sicht des HGT wäre ein Erweiterungsbau am Augustinerhof, bei dem ein Teil des bestehenden Schulhofs einbezogen würde, die optimale Lösung. Die ADD rät jedoch wegen der Genehmigungsfähigkeit davon ab.

Die heute schon zu kleine Schulhoffläche würde weiter reduziert, der gesetzliche Mindestraum pro Schüler eingeschränkt. Auch aus archäologischer und denkmalpflegerischer Sicht spreche vieles gegen diese Variante. Schulleiter Borschel hält dagegen: „Die Fünf-Quadratmeter-Norm ist aber eine Kann-Regelung für komplette Schulneubauten.“

Durch einen Anbau würde die heute 3300 Quadratmeter umfassende Schulhoffläche in der günstigsten Variante um rund 220 Quadratmeter verringert. Der erforderliche Mindestplatzbedarf pro Schüler betrage fünf Quadratmeter, was bei aktuell 930 Schülern insgesamt 4650 Quadratmeter ausmache. Borschel: „So gesehen wäre der Schulhof heute schon zu klein.“