Zwei Posten, ein Kandidat

Heute in einer Woche wählen die Grünen einen neuen Kreisvorstand. Noch mangelt es an Kandidaten für die zwei Vorstandssprecher-Posten. Der "Alt-Grüne" Rainer Marz knüpft seine Kandidatur an die Zusage, dass die Stadtratsfraktion sich für die Kommunalwahl 2009 einen festen Koalitionspartner sucht - nicht nur SPD und FDP, sondern auch die CDU kämen in Frage.

Trier. "Über sieben Brücken musst du gehen" und "I will survive" ("Ich werde überleben") schallte es bei der Mitgliederversammlung der Bündnis 90/Grünen im Februar aus den Lautsprechern. Damals ging es darum, erste Pfosten für den Kommunalwahlkampf 2009 einzuschlagen. Vier Monate später wirken die Lied-Titel wie Omen für die Personal-Turbulenzen, in die die Grünen gerutscht sind: Im April kündigte Vorstandssprecher Michael Rahe an, Trier aus beruflichen Gründen kurzfristig zu verlassen. Vorige Woche teilte Claudia Brinkmann, ebenfalls Vorstandssprecherin, ihren Vorstandskollegen per E-Mail mit, in der nächsten Woche nicht mehr für ihr Amt kandidieren zu wollen. Grund: Zeitmangel wegen beruflicher Belastung. Auch Schatzmeister Sebastian Wispel steht aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung.Laut Satzung dürfen die beiden Sprecher-Posten im neunköpfigen Kreis-Vorstand nicht von zwei Männern besetzt werden. Mindestens eine Kandidatin muss bis zur Wahl am nächsten Dienstag gefunden werden. "Das dürfte nicht so einfach werden", bestätigt Grünen-Geschäftsführer Ewald Adams. Eine weibliche Bewerbung liege noch nicht vor, und Corinna Rüffer, Vorstandssprecherin von 1999 bis 2005, hat bereits abgelehnt. "Ich bin privat und durch die Stadtratsarbeit zu sehr eingebunden", sagte sie am Montag dem TV.Zwei männliche Interessenten

Dem Vernehmen nach hatten mehrere Grüne auf eine erneute Bewerbung Rüffers gehofft. Von männlicher Seite gibt es zumindest zwei Interessenten: Der bisherige Beisitzer Sascha Gottschalk hat sich um das Sprecher-Amt beworben, immerhin ist der 29-Jährige seit 2006 Sprecher im Grünen-Ortsverband Konz. Und auch ein "Alt-Grüner" hat seine mögliche Kandidatur angekündigt: Rainer Marz, bis 2004 Grünen-Mitglied im Mainzer Landtag, kann sich vorstellen, wieder stärker in die Kommunalpolitik einzusteigen. Seine Bedingung: "Die grüne Stadtratsfraktion muss Bereitschaft zeigen, sich im Rat einen festen Koalitionspartner für die nächste Wahlperiode zu suchen", sagt Marz, der selbst von 1989 bis 2001 Mitglied im Trierer Stadtrat war. Tabus dürfe es dabei nicht geben: "Auch eine Koalition mit der CDU sollte überdacht werden, damit für grüne Ziele endlich Mehrheiten gefunden werden können." Lasse sich die Grünen-Basis nicht auf diese Neu-Konzeptionierung der Arbeit im Stadtrat ein, mache es für ihn keinen Sinn, für den Kreis-Vorstand - und später die Stadtratsliste - zu kandidieren. Potenzielle Vorstands-Kandidatin könnte auch Sabina Quijano aus Kanzem (VG Konz) sein: Quijano war am 1. Juni bei den Wahlen um das Bürgermeister-Amt in der Verbandsgemeinde Konz angetreten und hatte dabei sechs Prozent - statt der angepeilten acht - geholt. "Ich kann eine Kandidatur für den Vorstandssprecher-Posten noch nicht zu- aber auch noch nicht absagen", sagte Quijano am Montag dem TV. "Frei bleiben wird der Posten jedoch sicherlich nicht!" Bei gleich zwei Treffen der Grünen dürfte die Kandidaten- und Koalitionsfrage am späteren Montagabend Thema gewesen sein: Die Grünen aus dem Kreisgebiet hatten sich zum Gespräch im kleinen Kreis verabredet. Die Stadtratsfraktion traf sich mit dem kommunalen Arbeitskreis im Frankenturm. Meinung Die grüne K&K-Frage Als Querdenker und Gegenlenker begreifen sich die Grünen gern im Stadtrat, feste Koalitionszusagen zur Mehrheitsbeschaffung wären ein Kurswechsel um 180 Grad. Dem Vernehmen nach haben die Grünen denn auch noch gar nicht ernsthaft diskutiert, ob mit anderen Fraktionen verbindliche und langfristige Absprachen getroffen werden könnten. Doch bei allem Idealismus wäre dieser Pragmatismus vielleicht gar nicht so abwegig - nicht nur, um auch mal Mehrheiten für die eigenen politischen Ziele zu finden. Sondern auch, weil Rainer Marz zur zentralen Figur bei der Kommunalwahl 2009 werden könnte. Denn auch da mangelt es den Grünen zurzeit an Personal. Die Grünen sollten sich der Koalitions- und Kandidatenfrage ernsthaft stellen - viel Zeit bleibt ihnen nicht. c.wolff@volksfreund.de