Zwei rechts, zwei links

Trier . Die 21-jährige Studentin Juliane Lessing hat Anfang des Jahres zum ersten mal einen Schal gestrickt. Ein echtes Erfolgserlebnis, findet sie.

"Ich wollte ein Kleidungsstück in den Farben der finnischen Flagge haben" , erzählt Juliane Lessing. "Da schlug mir meine Mutter vor, einen Schal zu stricken, weil das am einfachsten sei." Stolz betrachtet die 21-Jährige ihr Werk. Mit der Arbeit an dem rund 2,20 Meter langen Schal hatte sie zwar schon 2003 begonnen, zwischendurch allerdings eine Schaffenspause von zwei Jahren eingelegt. "Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich gestrickt habe. Vorher habe ich nur mal gehäkelt. Aber meine Mutter und Oma stricken beide", berichtet sie. Ihre Mutter brachte ihr diese Handarbeit dann auch bei. Spaß habe es schon gemacht, sagt Juliane Lessing, auch wenn das Arbeiten mit der Wolle eher eine Konzentrationssache sei. "Deshalb habe ich vor allem gestrickt, um fertig zu werden", sagt die Psychologiestudentin lachend. Ein gekaufter Schal wäre natürlich schon allein wegen des Aufwandes um einiges preiswerter gewesen, aber der in den finnischen Nationalfarben gehaltene Selbstgestrickte "ist vor allem ideell wertvoll". Ihr nächstes Ziel ist nun ein eigenhändig gefertigter Pullover. Rückblickend war das Stricken des ersten eigenen Schals für die 21-Jährige ein Erfolgserlebnis, weil sie etwas selber hergestellt und viel Arbeit hinein gesteckt hat. "Und es ist eben ein Unikat", freut sie sich. Ähnlich dachten wohl auch die alten Griechen, denn auf antiken Vasen tragen Amazonen strumpfartige Hosen, die auf eine Stricktechnik schließen lassen. Allerdings wird vermutet, dass das Stricken über die Jahrhunderte an Bedeutung verlor. Erst ab dem 14. und 15. Jahrhundert nehmen die Funde gestrickter Kleidung wieder zu. Der Schal hingegen kam erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Mode. Der wertvollste Schal war aus der feinen Wolle der Kaschmirziege handgewebt und ist auch heute noch sehr beliebt. Zuerst wurde er als großes Umhängetuch, meist aus Seide oder Wolle, getragen. Als sich aber der Mantel als Überbekleidung durchsetzte, wurde der Schal kleiner und ist seitdem eher ein Accessoire.Zufrieden mit dem Prachtstück

Juliane Lessing ist mit ihrem Prachtstück sehr zufrieden, auch wenn es nicht aus Kaschmir oder 12,5 Kilometer lang ist. Diese überdimensionale Länge erreichte der längste Fußballschal der Welt, der im Juni dieses Jahres in Unna entrollt wurde. Er zeigt die Flaggen aller 32 Teilnehmer-Staaten an der Fußball-WM und wurde von 1000 fleißigen Helfern aus Deutschland und ganz Europa gestrickt. Aber wer soll den anziehen? Das erste Mal: Neue Erfahrungen zu machen, bedeutet Aufregung und Abenteuer, Spannung und Emotion. Der TV stellt in einer Serie Menschen vor, die sich auf unbekanntes Terrain gewagt haben und erzählt, wie es ihnen dabei erging.

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