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Zwei siebenarmige Leuchter aus der Pauluskirche sind an die jüdische Kultusgemeinde Trier übergeben worden.

Glaube : Zeichen gegen Judenhass und für Versöhnung

Zwei siebenarmige Leuchter aus der Pauluskirche sind an die jüdische Kultusgemeinde Trier übergeben worden.

„Mensch, wo bist du? – Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ lautete das Leitwort der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit. Zum Abschluss fand am Sonntag  in der Trierer  Synagoge eine jüdisch-christliche Gemeinschaftsfeier statt, in deren Mittelpunkt die feierliche Übergabe der siebenarmigen Leuchter aus der profanierten Pauluskirche in Trier an die jüdische Kultusgemeinde stand.
Das Ziel aller Veranstaltungen und somit auch der gemeinsamen Feier in der Synagoge sei es, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern, die im Laufe ihrer Geschichte Tiefen und Höhen erlebt hätten und doch so eng  miteinander verbunden seien: Jeanna Bakal, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Trier, erinnerte in ihrer Ansprache an die Stolpersteine für Juden in Trier und betonte gleichzeitig die große Hilfsbereitschaft und den Einsatz vieler Menschen, die sich nicht versteckt hätten bei der Frage „Mensch, wo bist du?“. Immer wieder passiere es, dass Antisemitismus aufflamme. „Aber es gibt die Menschen, die ihr Gesicht, ihren Mut und ihr Statement dagegensetzen.“ Und so sei die Übergabe der Menorot (Mehrzahl von Menora) aus der Pauluskirche an die jüdische Kultusgemeinde ein deutliches Zeichen von Hilfe und Freundschaft.
Bevor Thomas Schiffler, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Pfarrei Liebfrauen, zu der die im November 2017 profanierte (entweihte) Pauluskirche gehört, die Schenkungsurkunde verlas, schilderte Peter Bamler, Vorstandsmitglied der Trierer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Geschichte der Leuchter. Diese waren 1908 „zur feierlichen Ausschmückung“ der neu erbauten Pauluskirche gestiftet worden und zierten den Kirchenraum bis zu dessen Renovierung im Jahr 1967. Einer der siebenarmigen Leuchter wurde danach in einen Seitenraum gestellt, der andere verschwand. Erst Jahre später tauchte er auf der Marienburg auf und konnte dank einer Stiftungsinschrift zugeordnet und zurückgegeben werden.
Im Zuge der Profanierung der Kirche habe der Verwaltungsrat überlegt, wie mit den Menorot zu verfahren sei. „Insgeheim habe ich mir immer gewünscht, dass sie in der Synagoge ihren Platz finden“, gestand Peter Bamler. Umso erfreuter sei er, dass die Leuchter jetzt, „111 Jahre nach ihrer Stiftung an die Pauluskirche, eine neue Heimat an ihrem geistlichen Ursprung gefunden haben und zur Ehre des Herrn und zur Freude der Gemeinde den Eingangsbereich der Synagoge schmücken“.
Deutlich sprachen sich Ignatius Maaß, Abt von St. Matthias, Ulrich Dann, ehemaliger Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Trier und Vorstandsmitglied der Trierer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, sowie Vorstandsmitglied Thomas Kupczik gegen jegliche Form von Antisemitismus aus.

Weitere Informationen zur Trierer Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit  unter  
www.gcjz-trier.de