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Zwei Trierer Projekte haben beim Jugend Engagement-Wettbewerb 2020/21 gewonnen

Nachhaltige Projekte ausgezeichnet : Kunst gegen Luftverschmutzung?

Zwei Trierer Projekte haben bei einem Landes-Jugend-Wettbewerb gewonnen. Wir stellen die teils ungewöhnlichen Ideen vor.

Ideen für eine gelingende Zukunft sind gefragt beim rheinland-pfälzischen Wettbewerb „Sich einmischen  – Was bewegen“ (siehe Info). Im Kreis Trier-Saarburg wurden zwei Projekte ausgewählt und mit 500 Euro ausgezeichnet: das Projekt „Bunte Luft – Mit Kunst gegen Luftverschmutzung” von Beatrice Donath und Adrian Schneider von der Lokalen Agenda 21 Trier (ein gemeinnütziger Verein mit dem Schwerpunkt „ökologisches und sozial gerechtes Leben“) und das Projekt „Creme und Holz – gartenfrisch und selbstgemacht. Ringelblumensalbe und Schlüsselanhänger aus dem Klostergarten für Stadtteil und Schule“ der Trierer Medard-Schule (Förderschwerpunkt: Lernen und Sprache).

Mit Kunst gegen Luftverschmutzung? Wie kommt man denn auf die Idee? Ausgangspunkt für das Projekt war laut Lokale-Agenda-21-Mitarbeiter Adrian Schneider der Lockdown im Frühjahr 2020. Durch Home-Office habe er mehr Freizeit gehabt und sich intensiver mit den Themen Luftqualität und Klimawandelanpassung auseinandergesetzt. Über das Thema Fassadenbegrünung seien ihm „eher zufällig die sogenannten photokatalytischen Farben über den Weg gelaufen“ – also Wandfarben, die durch ihre spezielle chemische Zusammensetzung unter Einstrahlung von Sonnenlicht Luftschadstoffe wie etwa Stickoxide aus Autoabgasen binden und unschädlich machen. „Diese Farben halten sich damit nicht nur quasi selbst sauber und beständig, sondern sie machen auch die sie umgebende Luft zu einem messbaren Ausmaß besser.“

Als Schneider seiner Partnerin der Lokalen Agenda, der hauptberuflichen Illustratorin Beatrice Donath, von der Idee erzählte, war kurz darauf die Projektidee geboren: „Wandbilder im öffentlichen Raum der Stadt, die nicht nur das Stadtbild verschönern, sondern auch auf das Thema Luftverschmutzung aufmerksam machen“. Auch die Lokale Agenda 21 konnte er schnell für das Projekt gewinnen, so dass bald darauf die Projektskizze beim Jugend Engagement-Wettbewerb RLP eingereicht wurde – mit Erfolg.

Das Preisgeld wollen Donath und Schneider in den benötigten Farbvorrat investieren, damit die Projekt-Umsetzung im Sommer beginnen kann. Im Zuge des Projekts sollen Flächen im Stadtgebiet gefunden und mit solchen Farben gestaltet werden – und zwar in Form von Kunst im öffentlichen Raum, die Ästhetik und Bildungsinhalte zusammenbringt.

Für die Gestaltung der Wandbilder wollen die Initiatoren lokale Künstler und damit die angeschlagene Kulturszene mit ins Boot holen. „Wer sich tatkräftig einbringen möchte, darf sich jederzeit bei uns melden“, fordert Schneider auf. Denn das Projekt soll Kultur, Bürgerbeteiligung und Engagement für besseres Stadtklima und höhere Luftqualität in Trier verbinden. Das Konzept hat die von Ministerpräsidentin Malu Dreyer berufene Jury überzeugt.

Das ebenfalls ausgezeichnete Projekt der Trierer Medard-Schule „Creme und Holz – gartenfrisch und selbstgemacht. Ringelblumensalbe und Schlüsselanhänger aus dem Klostergarten für Stadtteil und Schule“ erklärt sich fast von selbst. Aber wie kam es zu der Idee?

Die Klassen sieben bis neun der Medard-Schule treffen sich unter Aufsicht von Lehrerin Sonja Rignault einmal in der Woche im Garten des Klosters der St. Matthias Abtei, um praktischen Outdoor-Tätigkeiten wie Gartenarbeit und Naturkunde nachzugehen – als Ausgleich für den sonst eher statischen Schulunterricht. Diese Kooperation mit der St. Matthias Abtei besteht seit 20 Jahren. Gemeinsam mit Bruder Matthias entstand das Projekt als Ergänzung des Lernstoffes, als man auf den Flyer des Jugend-Engagement-Wettbewerbs aufmerksam wurde.

 Schüler der Trierer Medardschule fertigen kreative Schlüsselanhänger aus überschüssigen Ästen von Bäumen des Stadtteils an.
Schüler der Trierer Medardschule fertigen kreative Schlüsselanhänger aus überschüssigen Ästen von Bäumen des Stadtteils an. Foto: Sonja Rignault
 Beatrice Donath und Adrian Schneider sind die Köpfe hinter dem Projekt „Bunte Luft – Mit Kunst gegen Luftverschmutzung“ (linkes Bild).    Lehrerin Sonja Rignault (rechts oben) betreut das ebenfalls ausgezeichnete Projekt der Trierer Medard-Schule.  Die Schüler fertigen kreative Schlüsselanhänger an (unten rechts) und stellen aus selbst gepflanzten Ringelblumen Calendula-Creme her.
Beatrice Donath und Adrian Schneider sind die Köpfe hinter dem Projekt „Bunte Luft – Mit Kunst gegen Luftverschmutzung“ (linkes Bild). Lehrerin Sonja Rignault (rechts oben) betreut das ebenfalls ausgezeichnete Projekt der Trierer Medard-Schule. Die Schüler fertigen kreative Schlüsselanhänger an (unten rechts) und stellen aus selbst gepflanzten Ringelblumen Calendula-Creme her. Foto: Sonja Rignault/Privat

„Nach kurzen Überlegungen haben wir uns darauf geeinigt, Ringelblumen zu pflanzen und nach einem alten Rezept daraus eine Calendula-Creme herzustellen, die innerhalb der Gemeinde verkauft und verschenkt werden soll“, erklärt Rignault. Außerdem wollen die Schüler aus Holzscheiben von überschüssigen Ästen aus dem Stadtteil kreative Schlüsselringe fertigen. Die Scheiben durchbohren sie mit Löchern und fädeln sie mit Schnüren zu einem Schlüsselring. Abschließend verzieren die jungen Künstler das Holz mit eingebrannten Mustern und Schlagworten, die ihnen persönlich wichtig sind sowie Werte des Wettbewerbs aufgreifen wie „Respekt, Vielfalt, Engagement, Natur schützen, sich einmischen oder was bewegen.“ Die Salbe und Schlüsselanhänger wollen die Schüler nach mehreren übers Jahr verteilten Arbeitsschritten – wie Ernte und Holzverarbeitung – im Herbst verkaufen. Auch dieses Konzept hat die Jury überzeugt. Von den 500 Euro Preisgeld will die Schule Materialien und Werkzeuge bezahlen.