Zwei weitere Schafe des Künstlers Janzarik von Trierer Petrisberg geklaut

Diebstahl : Vandalismus an Kunst-Installation auf dem Petrisberg

Unbekannte haben weitere Schafe einer Kunstinstallation auf dem Petrisberg in Trier zerstört und gestohlen.

Früher, bevor sich der Petrisberg mit der Landesgartenschau 2004 zum urbanen Stadtviertel entwickelte, zogen dort Wanderschäfer mit riesigen Herden über die Wiesen. Mittlerweile ist das Gebiet eng bebaut und besiedelt. Statt grasender Schafe gibt es Hunderte Häuser und Wohnungen, Supermärkte, Praxen, Büros und täglich Tausende Autos.

Mit seinen sechs „Schafen auf Stelzen“ wollte der Künstler Daniel Janzarik aus Traunstein in Oberbayern an die Zeit vor der Urbanisierung des Hügels erinnern. Anfang Oktober wurden die pinken Kunststoffschafe samt der luftigen, meterhohen Eisengestelle in der Nähe des Turm Luxemburg installiert. Der Verein Kunstdünger hatte das Kunstwerk bei dem jungen Bildhauer in Auftrag gegeben.

Nur zwei Wochen später rissen Unbekannte über Nacht eines der Schafe von seiner Verankerung, und zwar mit solch brachialer Gewalt, dass die Beine des Kunststoffkörpers an den Metallstreben hängen blieben.

Am Nachmittag des 31. Oktobers, ein Donnerstag, bemerken die Mitglieder des Vereins Kunstdünger den zweiten Raub: Diesmal nahmen die Unbekannten das Schaf, das direkt am Fuß des kleinen Hügels etwas abseits der anderen stand, mit. Und am vergangenen Wochenende folgte Diebstahl Nummer drei: Die Täter rissen ein drittes Schaf von seinem Gestell und beschädigten ein weiteres Schäfchen stark. „Meine Frau und ich haben in der Nacht das Gegröle von Jugendlichen gehört“, sagt Ernst Hauer, Vorsitzender des Vereins Kunstdünger. „Aber gucken gegangen sind wir dann doch nicht.“

Die luftige Installation – eins von sechs Kunstwerken, die der Verein bislang bereits auf dem Petrisberg realisiert hat – ist zerstört. „Wir überlegen, die übrigen Schafe abzubauen, dem Künstler den Auftrag zu geben, die gestohlenen Schafe nochmal zu fertigen, und im Frühjahr dann alles wieder zusammen aufzustellen“, sagt Hauer.

Dem gelernten Maschinenbauer merkt man seine Leidenschaft für die Sache an, der kleine Verein bringt für sein Anliegen großes Engagement auf. „Es geht uns darum, die großen toten Flächen hier oben mit zeitgenössischer Kunst zu beleben“, sagt Hauer. Dafür akquiriert der Verein öffentliche Zuschüsse und private Spenden.

Warum Unbekannte das Kunstwerk zerstört haben – etwa, um sich die Schafe zu Hause selbst hinzustellen, sie zu verkaufen, weil sie sich an der Installation gestört haben oder aus purer Lust am Vandalismus – könne man nicht genau sagen. „Für mich handelt es sich jedenfalls um einen Kunstraub“, sagt der Unternehmer.

Nach der Anzeige des Vereins ermittelt die Polizei. Das erste gestohlene Schaf war einige Tage später am Wasserband auf dem Petrisberg wiedergefunden worden. Die Polizei hat es beschlagnahmt zur Beweisaufnahme. Der Verein Kunstdünger hat die Belohnung, die er auf Hinweise, die zur Ergreifung der oder des Täters führen, mittlerweile von 200 Euro auf 500 Euro erhöht.

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