Zwei Wochen lang eingeschneit

Zwei Wochen lang eingeschneit

Da die 300 Meter lange Straße zu ihrem Haus nicht vom Schnee geräumt wurde, kamen knapp zwei Wochen lang weder Post noch Müllabfuhr oder Pflegedienst zu Elfriede (86) und Max (93) Schäffner durch. Nach einer Anfrage des TV reagierte die Stadt und schickte gestern ein Räumfahrzeug.

Seit 48 Jahren wohnt das Ehepaar Schäffner unterhalb der Wohnsiedlung "Auf der Bausch" bei Trier-Ehrang idyllisch mitten im Wald. Die Idylle leidet allerdings unter den Schneemassen, die die einzige Zufahrt zu ihrem Haus, eine asphaltierte ansteigende Anliegerstraße, unter sich begraben haben.

"Seit dem 17. Dezember haben wir keine Post bekommen", sagt das Ehepaar. Auch die Müllabfuhr blieb weg. Genauso wie der Sozialdienst, der Max Schäffner normalerweise täglich versorgt und pflegt. Jeden Tag, manchmal mehrmals, habe sie im Rathaus angerufen und darum gebeten, dass die Straßenreinigung die Zufahrt zu ihrem Haus räumen möge, berichtet Elfriede Schäffner: "Passiert ist nichts."

Zwar habe die Straßenreinigung an Heiligabend den Layweg, also die Zufahrtsstraße zur höher gelegenen Bausch-Siedlung, bei starkem Schneefall geräumt. Aber mit der Folge, dass sich anschließend ein Schneewall vor ihrer Zufahrtsstraße auftürmte und von Sohn Friedrich beseitigt werden musste. Er fürchtet, dass man seinen Eltern in einer Notsituation nicht schnell genug helfen kann. Denn diese trat bereits ein.

Wegen ernster gesundheitlicher Probleme betätigte das schwerbehinderte Ehepaar am zweiten Weihnachtstag seinen privaten Notruf. Ein Arzt sei schließlich zu Fuß zu ihnen gekommen. "Wie soll hier ein Krankenwagen durchkommen?", fragt sich Friedrich Schäffner. Private Anlieger hätten eine Räumpflicht, aber die Stadt komme ihrer eigenen Verantwortung nicht nach, ärgert sich auch Max Schäffner. Stadt-Pressesprecher Ralf Frühauf weist die Vorwürfe zurück. Die Straße, in der Schäffners wohnen, liege nicht im städtischen Räumplan. Zudem sei sie zu eng für Streufahrzeuge. In "akuten Notfällen" könne die Stadt eine Kolonne heraus- schicken, die mit Schippen den Schnee beseitige. Das Ehepaar Schäffner wundert sich, schließlich habe in den 48 Jahren die Stadt immer ihre Zufahrt geräumt. Gestern reagierte die Stadt "aufgrund der besonderen Umstände" des Ehepaars, erklärt Frühauf.

Zudem habe sich die Lage insgesamt etwas entspannt, so dass die Stadt Kapazitäten frei hatte. Der Fahrer eines kleinen Räumfahrzeugs legte den Weg zum Haus des Ehepaars auf Autobreite frei.

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EXTRA

TV-Zustellung: Auch die Zusteller des Trierischen Volksfreunds kamen wegen der Schneemassen nicht mehr zum abgelegenen Haus Auf der Bausch 1 durch. "Wir werden allgemein permament damit konfrontiert, dass zur Zeit der Zustellung viele Straßen noch nicht geräumt und gestreut sind", sagt Stefan Nußbaum, Leiter Zustellung. "Nachts sind die Wege zudem wegen der Dunkelheit noch gefährlicher." Daher gebe es leider viele Unfälle. Das Ehepaar Schäffner bekam die fehlenden Ausgaben gestern alle nachgeliefert. (cus)