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Zweite Chance für den Jugendraum

 Haben die Verantwortung übernommen und bringen den Schöndorfer Jugendraum ab sofort wieder auf Vordermann: Tobias Schermer und Melissa Edlinger. TV-Foto: Anja Fait
Haben die Verantwortung übernommen und bringen den Schöndorfer Jugendraum ab sofort wieder auf Vordermann: Tobias Schermer und Melissa Edlinger. TV-Foto: Anja Fait
Schöndorf. Nach einem halben Jahr Pause ist der Schöndorfer Jugendraum seit Mitte Januar wieder geöffnet - bislang allerdings nur probeweise. Damit Schmutz, Randale und wilde Zerstörungseskapaden ab sofort der Vergangenheit angehören, hat die Gemeinde den Neustart an Bedingungen geknüpft. Anja Fait

Schöndorf. Zerstörte Fenster, ein verdrecktes Treppenhaus, Graffiti an den Wänden und mutwillig aus der Decke gerissene Bewegungsmelder: Solche Probleme gab es immer wieder im Schöndorfer Jugendraum. "Aber es wollte nie jemand gewesen sein", sagt Ortsbürgermeister Matthias Wick. "Irgendwann war dann einfach Schluss, wir haben den Raum zugemacht."
Das war etwa vor einem halben Jahr. Mittlerweile ist der mit Sofas, Tisch und Theke ausgestattete Raum im Bürgerhaus wieder geöffnet. Die Gemeinde gibt der Jugend eine zweite Chance. Bedingung ist aber, dass die Regeln, die in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer aufgestellt wurden (siehe Extra), diesmal befolgt werden.
Melissa Edlinger (17) und Tobias Schermer (20) wollen künftig als Teamleiter für die Gäste des Jugendraums Verantwortung übernehmen. An einer ersten, von der Gemeinde finanzierten Betreuerschulung haben sie bereits teilgenommen. Zusätzlich haben sich erwachsene Gemeindevertreter bereiterklärt, künftig einzuspringen, wenn es brenzlig wird. Dazu VG-Jugendpflegerin Julia Eiter: "Die Selbstverwaltung der Jugendlichen ist kein Allheilmittel und hat Grenzen. Wenn man sie will, müssen die Jugendlichen dabei begleitet und Schritt für Schritt an die Verantwortung herangeführt werden."
Melissa und Tobias sind mit den neuen Regeln einverstanden und finden sie sogar gut: "Wer schon draußen vor der Türe anfängt, Stress zu machen, den lassen wir erst gar nicht rein", sagt Melissa. "Und falls es doch ausartet, dann rufen wir die Erwachsenen. Ich find\'s gut, dass sie für uns da sind."
Zunächst übernehmen der Ortschef, Pauline Braun und Thorsten Bogdanski diesen Job: "Die Jugend liegt mir am Herzen, da bleibe ich gerne zu Hause, falls ich mal helfen muss", sagt Braun.
Gibt es Veranstaltungen im Bürgerhaus oder in der Mehrzweckhalle, bleibt der Jugendraum allerdings vorerst zu. Wick: "Wir haben Bedenken, dass etwa an Fastnacht ein so großer Ansturm auf den Raum herrschen könnte, dass die jungen Leute nicht mehr Herr der Lage sind." Bogdanski ergänzt: "Wir haben schon Vertrauen, aber auch Angst, dass ihnen wieder alles aus den Händen gleitet."
Melissa und Tobias sind zuversichtlich, dass jetzt alles besser wird. Theke und Tisch haben sie frisch gestrichen. Bleibt die Hoffnung, dass demnächst wieder mehr, "auch jüngere Leute den Raum nutzen und dass die Öffnungszeiten weiter ausgedehnt werden". Außerdem wünschen sie sich einen Billardtisch oder Kicker, "damit man hier auch wieder was machen kann".
Über die künftige Nutzung des Jugendraums sprechen Eltern, Jugendliche und Unterstützer der Schöndorfer Jugendarbeit am Freitag, 1. Februar, um 20 Uhr im Jugendraum.

Extra

In Zusammenarbeit mit der Jugendpflege der Verbandsgemeinde Ruwer sind folgende Regeln aufgestellt worden: Es gilt das Jugendschutzgesetz. Diejenigen, die sich bereiterklären, die Verantwortung zu übernehmen, müssen sich zu Jugendbetreuern schulen lassen (Erwerb der Jugendleiterkarte Juleica). Der Raum im örtlichen Bürgerhaus wird zunächst nur probehalber und nur freitags und samstags zwischen 19 und 22 Uhr geöffnet. Dazu muss der Schlüssel vorher bei einem erwachsenen Betreuer (Matthias Wick, Pauline Braun, Thorsten Bogdanski) abgeholt werden, der den Raum nach einem Kontrollgang um 22 Uhr auch wieder schließt. Der Raum steht Jugendlichen ab 14 Jahren offen. Finden Veranstaltungen im Bürgerhaus oder in der Mehrzweckhalle statt, bleibt der Raum geschlossen. Rauchen und hochprozentiger Alkohol sind absolut tabu, auch für über 18-Jährige. Sonntags müssen die Jugendlichen aufräumen und putzen. anf