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Zwischen heiligen Schriften und den Kulturen

Zwischen heiligen Schriften und den Kulturen

Festliches Finale im bundesweiten Schulwettbewerb "Trialog der Kulturen" in der Bad Homburger Schlosskirche. Neun Schulen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind für ihre vorbildlichen interreligiösen und interkulturellen Projekte ausgezeichnet worden. Eine davon ist die Schweicher Levana-Schule. Sie bekommt für einen dritten Platz 4500 Euro.

Schweich. "Es knisterte vor Spannung bis zum Schluss", erzählt Elvira Düpre, die das fächerübergreifende Schulprojekt der Levana-Schule zu Christentum, Islam und Judentum gemeinsam mit den Pädagogen Liane Schön und Thomas Pätz mehr als ein ein Jahr lang organisiert hat.
"Immer, wenn ein Preisträgerfilm an der großen Leinwand in der Bad Homburger Schlosskirche startete, hielten sich die Schüler an den Händen, ballten die Fäuste und rissen erwartungsfroh die Augen auf", erzählt sie. Immer in der Erwartung, die nächsten zu sein, die auf dem Treppechen stehen.
Stück für Stück habe Albrecht Graf von Kalnein, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main GmbH und Mitglied der Jury, das Geheimnis um die Platzierungen gelüftet. Als klar gewesen sei, dass die Schweicher Levana-Schule einen dritten Platz belegt hat, hätte es kein Halten mehr gegeben.
Elias hört seiner Lehrerin im Gespräch mit dem TV gut zu und ergänzt: "Oh, das war so fantastisch!" Die vielfältigen Aktivitäten sowie das ganzheitliche erlebnisorientierte pädagogische Konzept der Schule überzeugte die Jury. Mit ganz unterschiedlichen Stärken und Handicaps hätten sich die acht Jungs der Mittelstufenklasse auf den Weg gemacht, die Feste und Feiern in Judentum, Christentum und Islam mit allen Sinnen kennenzulernen.
So ist in der Schulküche für alle eine islamische Fastensuppe gekocht worden, auf dem Schulhof wurde eine Laubhütte nachgebaut, um das jüdische Laubhüttenfest zu feiern. Damit die acht Schüler auch erfahren konnten, wie bestimmte rituelle Kleidung aussieht und sich anfühlt, haben sie auch Tefillin, Kippa und Tallit angelegt, ein anderes Mal sind sie in die Kleider geschlüpft, die Muslime auf der Pilgerfahrt nach Mekka tragen. "Doch auch die Kopfarbeit ist nicht zu kurz gekommen: Die Schüler lernten fleißig, woher die Namen der Religionen kommen, welche wichtigen Daten es gibt, wie die Namen für Gott lauten, welche heiligen Schriften es gibt, wie die Gotteshäuser aussehen und was die Geistlichen in den drei Religionen für Aufgaben haben", lobten die Jurymitglieder die Schüler.
Und für die Schweicher Lehrer steht fest, dass das interreligiöse Projekt ins Schulprogramm aufgenommen wird. Elvira Dupré: "Das wird nachhallen. Wir haben uns nicht nur die Materialien angeschafft, sondern vor allem die Erfahrung gewonnen, wie wir ein solches anspruchsvolles und komplexes Thema mit unseren Schülern angehen können." sbn
Extra

Seit Mitte der 90er Jahre setzt sich die Herbert-Quandt-Stiftung im Trialog der Kulturen für eine bessere Verständigung zwischen Juden, Christen und Muslimen ein. Seit 2005 schreibt die Stiftung jährlich einen Schulwettbewerb zu dem Thema aus. In diesem Jahr gab es folgende Preisträger in Rheinland-Pfalz: erster Preis (9000 Euro): Gymnasium Traben-Trarbach mit dem Projekt "Kulturgeflecht -immer schön auf dem Teppich bleiben."; zweiter Preis: (6500 Euro): Kaiserslautern, Berufsbildende Schule II Wirtschaft und Soziales (Berufsfachschule, Berufliches Gymnasium). Projekt "Kenn ich dich? Kaiserslauterer Kulturvielfalt - miteinander, ohneeinander, gegeneinander"; dritter Preis (4500 Euro): Levana-Schule, Schweich (Schule mit Schwerpunkt ganzheitliche Entwicklung) mit dem Projekt "Meine, deine, unsere Welt - wie gestalten wir die Zukunft?". sbn