Zwischen Himmel und Erde

TRIER. Sie singt in allen Tonlagen, sprüht vor Energie. Sie bewegt sich überzeugend zwischen kindlicher Naivität, ansteckender Fröhlichkeit und lebenserfahrenem Vamp: Die Sängerin Pe Werner gastierte in der Tufa.

"Dichtungen aller Art" bot Pe Werner, eine "musikalische Lesung". Ein Feuerwerk von Pointen und Gesangseinlagen ging auf die Zuhörer im großen Saal der Tuchfabrik nieder. Diese quittierten es mit Lachen und viel Applaus, als sie etwa Karel Gott, Marcel Reich-Ranicki oder die Teenie-Gruppe Tokio-Hotel nachahmte. Pe Werner gelang es auf Anhieb, ihr Publikum mitzureißen. Humorvoll skizzierte die Heidelbergerin Stationen ihres Lebens - ob Dichtung oder Autobiografie, blieb dem Urteil des Publikums überlassen. "Schon in der Fruchtblase hab' ich mich entschieden, nett zu sein", verkündete sie. Publikum macht die "Background-Schlampe"

Vom blassen Konfirmationskind und Papas Liebling avancierte sie dann doch noch zur jugendlichen Discotänzerin, bevor sie glücklich im Hafen der Ehe landete. Der ideale Mann - ihr Seelen-Klon, ein Frauenflüsterer? "Todlangweilig", musste Pe Werner feststellen. Peter Grabinger begleitete sie nicht nur virtuos am Flügel, sondern zeigte auch seine schauspielerischen Qualitäten: Etwa, wenn beide das Publikum aufforderten, die "Backgroundschlampe" zu machen und den entsprechenden Schritt mit Hüftschwung vorführten. "Wir sind schon eine ganze Weile miteinander unterwegs", berichtete Pe Werner. "Wir machen so lange weiter, bis wir ‚Dinner for One' spielen können. Zusammen sind wir schon weit über neunzig!" Ob Älterwerden, ob Scheidung, Pe Werner nahm das ganze mit Humor und sorgte so für zahlreiche Lacher im Publikum. Auch vereinzelt auftretende Probleme mit der Technik brachten sie nicht aus der Ruhe: "Ich mein', das ist eine alte Tuchfabrik, keine Stromfabrik", kommentierte sie trocken. Mit ihrer markanten, klangvollen Stimme sang sie vom Wolkenreiten und dem Himmels-Flamingo, vom beschaulich-heiteren Sonntagnachmittag im Park und von Lady Whisky unterm Säufer-Mond. Die Zuhörer erfuhren einiges über den Alltag einer Sängerin: "Stadtneurotiker oder Pfadfinder, 15 Quickies (3-Minuten-Radio-Interviews) sind schon drin, keine Müdigkeit vorschützen!" Da wird die Mini-Bar schnell zum Seelentröster, und Doktor Schlaf lässt auf sich warten. Schließlich bekannte die Künstlerin: "Ich bin ein Schoko-Junkie." Dies alles gekonnt wort- und stimmgewaltig, so dass ein begeistertes Publikum Pe Werner erst nach mehreren Zugaben entließ.