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Zwischen Leidenschaft, Krieg und Partys

Zwischen Leidenschaft, Krieg und Partys

Das Gasthaus Crames hat vor allem eins: eine stürmische Geschichte. Doch auch nach 100 Jahren werden hier noch Gläser gefüllt und Menschen bekocht. Inhaber Winfried Dahm ist mittlerweile stolz auf den Erfolg des Crames, der nicht zuletzt den Ideen des jetzigen Pächters zu verdanken ist.

Trier. Etwas Neues ausprobieren und das Hobby endlich zum Beruf machen - das war das Ziel von Winfried Dahm, als er 2008 zusammen mit seiner Frau Sabine (38) das Gasthaus Crames in Trier-Biewer übernommen hat. Jetzt wird das Lokal 100 Jahre alt. "Ich glaube, hier wurde sehr viel Herzblut reingesteckt, damit es die Zeit überdauern konnte", sagt der 42-jährige Dahm, der die Küche betreut, während sich seine Frau um den Service kümmert.
Als Robert Crames 1914 seinem Bruder in Berlin eine Postkarte mit der frohen Botschaft schickte, er werde nun ein Gasthaus eröffnen, hätte er wahrscheinlich nicht gedacht, dass dort auch noch 100 Jahre später Speisen und Getränke über die Theke gehen. Dabei hätte es auch ganz anders kommen können.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Crames, wie es die Gäste gerne nennen, durch Panzer zerstört. Die Nachkommen des Gründers machten sich nach Kriegsende an den Wiederaufbau und betrieben die Gaststätte bis in die 1970er Jahre.
Anschließend hatte das Crames immer wechselnde Pächter und wurde schließlich 2008 von Dahm rundum erneuert. "Ich identifiziere mich mit dem Haus und wollte die Gaststätte weiterführen", sagt der gebürtige Trie rer.
Um dem hohen Konkurrenzdruck und den neuen Anforderungen an die Gastronomie gerecht zu werden, entwickelte Dahm ein abwechslungsreiches Konzept für das Crames: "Es reicht nicht mehr, bloß Getränke und kleine Snacks anzubieten - die Leute wollen etwas erleben." Nach einem modernen und behindertengerechten Umbau des Gasthauses startete Dahm mit einer kleinen Speisekarte und entwickelte sie immer weiter. Heute bietet er unter anderem Flammkuchen, Steaks und Flieten an. "Ehrliche Stammgäste helfen mir dabei, ständig neue Gerichte zu testen", sagt er.
Auch abseits des Essens macht Dahm auf sich aufmerksam. "Wir hatten hier schon eine Beach-Party mit Sand im Raum oder im Oktober eine Halloween-Feier." Zum 100. Geburtstag wurde das Gasthaus im März außerdem ein Wochenende von bunten Lichtern bestrahlt.
Ehrgeizige Ziele


Freizeit bleibt bei all dem allerdings für Dahm und seine Frau fast aus. "Wir haben nahezu eine Sieben-Tage-Woche, aber es gibt nichts Schöneres als die Zufriedenheit der Gäste. Dann steht man jeden Morgen auf und macht weiter", erklärt Dahm seine Motivation.
Die Menschen aus Biewer und der Region scheinen es ihm zu danken. "Ich bin regelmäßig hier, das Crames ist mein zweiter Wohnsitz", sagt Oliver Erb (43). "Wir gehen alle paar Tage zum Crames, und ich schätze die familienfreundliche Atmosphäre", sagt auch Martina Stadler (49). Was die Zukunft des Gasthauses angeht, so hat Dahm auch schon eine Idee: "Ich stehe dafür, ein bisschen bekloppt zu sein, wir machen auch noch die nächsten 100 voll."