Zwischen Verzweiflung, Sucht und Wahnsinn

Zwischen Verzweiflung, Sucht und Wahnsinn

Eine bizarre, alptraumhafte Vision hat die studentische Truppe Neues Theater Trier aus "Alice im Wunderland", dem berühmten Kinderbuch von Lewis Carroll, gemacht. Im kleinen Saal finden zwei weitere Aufführungen von "Alice im Anderland" statt.

Trier. Lange dunkle Haare, unschuldige blaue Augen, das mädchenhafte Kleid mit den Puffärmeln - Alice im Wunderland erkennt man auf Anhieb. Doch aus der berühmten Kinderbuchheldin ist eine zutiefst verzweifelte junge Frau geworden. Ihre Eltern hat sie durch einen Brand verloren; ganz zusammengekrümmt hockt sie in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie. Zwei Psychiater bemühen sich um sie - einer voller Zynismus, einer voller Mitleid. Doch Alice lebt erst im Wunderland - oder Anderland wieder auf, durch die provokante Grinsekatze, das vor Angst bibbernde Kaninchen, den ausgeflippten Hutmacher mit seinen Kriegstraumata. Alle Wunderlandbewohner leben ihren eigenen Wahnsinn, ob die mörderische Herzogin oder die größenwahnsinnige Herzkönigin. Herausforderung für Schauspieler"Alice im Anderland" heißt das knapp dreistündige Stück, das im kleinen Saal der Tufa vor 70 Zuschauern Premiere hatte. "Der Alice-Stoff sagt mir einfach sehr zu", sagt David Ullrich, Regisseur des Neuen Theaters Trier, "die ganzen Bilder und surrealen Szenerien - es steckt so viel Fantasie darin." Der düstere Kontext von Autor Stefan Altherr habe die Truppe vor eine große Herausforderung gestellt. "Wir haben das Stück selbst interpretiert, die letzte Szene etwas umgeschrieben und Musik und Lichteffekte hinzugefügt." Die intensiven Proben der vergangenen Wochen verlangten den studentischen Schauspielern sehr viel ab. So erwarten auch Alice-Darstellerin Sabine Lippert noch mehrere Klausuren. "Es war ein ziemlicher Stress", gesteht sie. Die Rolle der Alice habe sie auf Anhieb fasziniert. "Auf der einen Seite ist sie verzweifelt und schwach, fast hysterisch, aber andererseits auch stark und aggressiv: Sie hört nicht auf, für sich selbst zu kämpfen. Es ist eine Rolle, bei der man sämtliche Facetten ausspielen kann.""Das Stück ist richtig klasse", findet Besucherin Linde Andersen. "Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, regelrecht plakativ - eine große Leistung der Darsteller. Ich hab\'s wirklich genossen!" DQWeitere Vorstellungen am 28. und 29. Juni jeweils um 20 Uhr. Eintritt: 6/8 Euro, Karten: neuestheatertrier@gmx.de.