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Trier: Viele Nebenkläger im Prozess gegen mutmaßlichen Amokfahrer

Kriminalität : Trierer Amokfahrerprozess: Wie die Opferinteressen besonders zur Geltung kommen

In der schon bald beginnenden Hauptverhandlung werden einige Anwälte vor allem damit beschäftigt sein, Opfern und Angehörigen ein besonderes Gehör zu verschaffen.

Für den in zweieinhalb Wochen beginnende Mordprozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer von Trier sind bislang 14 Nebenkläger zugelassen. Dabei handele es sich um Angehörige getöteter Personen, aber auch um selbst verletzte Opfer, sagte ein Sprecher des Landgerichts unserer Zeitung.

Bei der Amokfahrt am 1. Dezember durch die Trierer Fußgängerzone waren fünf Menschen getötet worden, darunter ein 45-jähriger Mann und seine neun Wochen alte Tochter. Dutzende weitere Passanten wurden teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter, ein 51-jähriger Mann aus dem Trierer Stadtteil Zewen,  wurde kurz nach der Tat in der Nähe der Porta Nigra festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der bevorstehende Prozess, für den bereits 26 Verhandlungstage terminiert sind, stößt auf großes mediales Interesse. Über 60 Journalisten haben für das Verfahren eine Akkreditierung beantragt. Im Sitzungssaal selbst sind aber nur 13 Plätze für Medienvertreter reserviert.

Die Staatsanwaltschaft hat den Tatverdächtigen wegen mehrfachen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. Der Täter sei wahllos und gezielt auf Passanten zugefahren und habe „möglichst viele Menschen töten oder zumindest verletzen“ wollen, heißt es in der 79-seitigen Anklageschrift.

Einige der bei dem Gewaltverbrechen schwer Verletzten sowie Angehörige der Getöteten werden den Prozess als Nebenkläger verfolgen. Damit können sie in der Verhandlung Beweisanträge und Fragen stellen, Erklärungen abgeben, am Ende plädieren und außerdem ein Urteil später mit der Revision anfechten. „Die Nebenklage dient unter anderem dazu, den Opfern im Prozess eine aktive Rolle zu ermöglichen und besonderes Gehör zu verschaffen“,  sagt der Trierer Strafrechtsprofessors Till Zimmermann.

Zudem könne die Nebenklage den Fokus auf bestimmte Aspekte richten, die der Staatsanwaltschaft aus juristischen Gründen nicht so wichtig seien, für die Opfer und Hinterbliebenen dagegen schon, sagte Zimmermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Aus seiner Sicht sei die Nebenklage daher eine sinnvolle Einrichtung, um bei der Aufarbeitung von Straftaten auch die Interessen der Opfer und Hinterbliebenen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Der Trierer Jurist Otmar Schaffarczyk ist einer der Opferanwälte, die in dem bis Ende Januar nächsten Jahres terminierten Amokfahrer-Prozess genau darauf achten will. Im Interview mit unserer Zeitung sagte Schaffarczyk, die Hauptverhandlung werde nicht nur für seinen Mandanten „sicherlich ein ganz, ganz schwerer Gang werden“.  Der 59-jährige Anwalt vertritt in dem am 19. August beginnenden Prozess Angehörige einer bei der Amokfahrt  getöteten Frau.

 Ähnlich argumentiert auch Andreas Ammer, der einen bei der Amokfahrt schwer verletzten Mann vertritt. „Wir wollen deutlich machen, was diese Tat auch für die Familie und das gesamte Umfeld bedeutet“, sagte Ammer unserer Zeitung. Das Leben der gesamten Familie sei seit dem 1. Dezember in schrecklicher Weise geprägt, alle Familienmitglieder seien tief traumatisiert.