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Literatur
Die Lektürehefte müssen nicht nur gelb sein

Helena Steffes hat den Umschlag für die Jubiläumsausgabe von Lessings „Nathan der Weise“ gestaltet; der Entwurf für das Plakat im Hintergrund stammt ebenfalls von ihr. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Helena Steffes hat den Umschlag für die Jubiläumsausgabe von Lessings „Nathan der Weise“ gestaltet; der Entwurf für das Plakat im Hintergrund stammt ebenfalls von ihr. TV-Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: Brigitte Bettscheider (bb) ("TV-Upload Bettscheider"
Gerolstein/Birgel. Helena Steffes’ Entwurf ziert das Cover einer Reclam-Ausgabe von "Nathan der Weise". Das hat der 17-Jährigen jede Menge Ehre eingebracht. Von Brigitte Bettscheider

Gerolstein/Birgel (bb) Überragend: Das ist mein erster Eindruck bei der Begegnung mit Helena Steffes. Die 17-Jährige aus Birgel ist in der zwölften Klasse des St. Matthias-Gymnasiums (SMG). Und: Sie ist 1,90 Meter groß. Handballerin? Nein, früher hat sie mal Fußball gespielt.
Inzwischen hat sie das Spielen in die Musik verlegt, ist Posaunistin im Musikverein Birgel. Überragend ist Helena Steffes aber auch in künstlerischer Hinsicht. Das stellen allein an Wänden auf dem Weg zum Kunstraum, wo ich sie mit ihrer Kunstlehrerin Jacqueline Beauducel treffe, zwei Werke unter Beweis. Das eine ist die Arbeit, mit der Helena im vorigen Jahr Bundessiegerin beim Internationalen Wettbewerb "Jugend creativ" der Volksbanken wurde. Das andere ist das Plakat, das sie für das aktuelle Musical des SMG - "Das Gespenst von Canterville" - gestaltete; wobei sie selbst als "Frankensteins Monster" eine viel beachtete Hauptrolle spielte. An der kürzlich im Gerolsteiner Rathaus gezeigten Kunstausstellung des SMG zu Martin Luther war Helena Steffes mit einer Gruppenarbeit beteiligt.
Nun hat sie eine Ausschreibung zum 150. Jubiläum von "Reclams Universal-Bibliothek" gewonnen - mit dem Entwurf des Covers für Lessings "Nathan der Weise". Auf der Vorderseite ist der reiche Jerusalemer Jude Nathan mit Sultan Saladin vor einer orientalischen Kulisse abgebildet.
Für die Rückseite hat Helena ein Schachspiel gemalt, dessen Figuren Symbole der drei Weltreligionen tragen und damit auf die "Ringparabel" als ein zentrales Element des Dramas von 1779 hinweisen. "Ein kluger Schachzug", sagt ihre Lehrerin Jacqueline Beauducel - "denn damit hat Helena das Wesentliche künstlerisch auf den Punkt gebracht."
Die Pädagogin war es auch, die auf die Frage eines Kollegen, wer für die Teilnahme am Reclam-Wettbewerb infrage komme, Helena Steffes ins Spiel brachte. Aus fünf möglichen Werken habe sie "Nathan der Weise" ausgewählt, da sie die Ringparabel bereits aus dem Religionsunterricht gekannt habe, erinnert diese sich.
Auf der Frankfurter Buchmesse war die limitierte Jubiläumsausgabe mit dem von Helena Steffes gestalteten Cover vorgestellt worden - und ist nun auf dem Buchmarkt zu haben. Neben der Ehre der Veröffentlichung des mit Holzstift gemalten Bildes inklusive namentlicher Nennung erhielt die 17-Jährige 100 Exemplare der Ausgabe sowie 100 Euro und ein Paket mit Titeln aus dem Reclam-Verlag.
Seit Kindergartenzeiten sei das Malen eine ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen, erzählt Helena Steffes. Am SMG werde sie besonders von den Kunstlehrern David Albrecht und Jacqueline Beauducel gefördert. Mit Blick auf ihre berufliche Orientierung meint sie: "Kunst und Chemie fürs Lehramt - das kann ich mir gut vorstellen."