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Stadtentwicklung
62 Millionen Euro für Bau und Sanierung: In Trier tut sich etwas

Protest auf dem Augustinerhof: Griseldis Lichdi sorgt mit ihrer Trompete für Aufmerksamkeit für die Demonstration gegen eine Bebauung im Bereich Brubacher Hof.
Protest auf dem Augustinerhof: Griseldis Lichdi sorgt mit ihrer Trompete für Aufmerksamkeit für die Demonstration gegen eine Bebauung im Bereich Brubacher Hof. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Das Baudezernat legt erstmals Sachstandsberichte zu Projekten der Gebäudewirtschaft und im Straßenbau vor. Der Flächennutzungsplan ist trotz Protesten auf der Zielgeraden. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Trompetenklänge und Protestrufe. Wenn sich Menschen aus Mariahof und Heiligkreuz mit Plakaten auf dem Augustinerhof versammeln, ist es ein sicheres Zeichen dafür, dass im Rathaus über den Flächennutzungsplan diskutiert wird. So war es auch am Mittwochabend, als der für Umwelt, Planung, Bauen und Verkehr zuständige Dezernatsausschuss IV tagte.

Doch nicht nur die Vorbereitung für den Abschluss dieses langjährigen Planungsverfahrens stand auf der Tagesordnung. Erstmals legten die Fachleute des Dezernates die vom Stadtrat geforderten Tertialberichte zu aktuellen Baumaßnahmen vor. Treffen alle aktuellen Prognosen zu, werden am Ende des Jahres von der Stadt Trier 62 Millionen Euro für Straßen- und Hochbauprojekte ausgegeben. Es geht um Neubau, Sanierung, Bauunterhaltung und viele kleinere Sondermaßnahmen.

Wichtige_aktuelle_Bauprojekte_Trier
Wichtige_aktuelle_Bauprojekte_Trier FOTO: TV / Lambrecht, Jana

FLÄCHENNUTZUNGSPLAN 2030 Die letzte Entscheidung über den Entwurf für den Flächennutzungsplan 2030 soll der Trierer Stadtrat am 19. Juni treffen. Davor müssen sich noch einmal alle Ortsbeiräte mit den Stellungnahmen befassen, die bei der dritten öffentlichen Auslegung eingegangen sind. „Dabei waren lediglich Anmerkungen zu den elf geänderten Teilbereichen möglich“, erläuterte Stefan Leist vom Stadtplanungsamt, der die Eckdaten des komplexen Rahmenplans noch einmal präsentierte. Insgesamt sollen 2700 Hektar des Stadtgebiets als Siedlungsfläche ausgewiesen werden. „Das sind sogar 40 Hektar weniger als in dem derzeit gültigen und über 20 Jahre alten Plan.“

Nicht erneut zur Diskussion stand die geplante Ausweisung einer 30 Hektar großen Fläche bei Mariahof. Im Zusammenhang mit der Planung einer für die Nahversorgung des Stadtteils wichtigen Fläche vor dem Hofgut sind einige der 19 Stellungnahmen dennoch von der Ablehnung eines Neubaugebiets geprägt. Baudezernent Andreas Ludwig verdeutlichte noch einmal, dass die Verabschiedung des Flächennutzungsplans kein Baubeschluss sei. „Dazu benötigen wir einen Bebauungsplan und die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, über die wir erst nach den Sommerferien entscheiden.“

GEBÄUDEWIRTSCHAFT Die geplante Fläche für den Neubau der Kita Pfalzel nahe der Tennisplätze im Nordosten des Stadtteils ist ein weiteres Projekt, zu dem im Rahmen der öffentlichen Auslegung ausführliche kritische Stellungnahmen eingingen. Der fast fünf Millionen Euro teure Neubau ist auch eines der Großprojekte, die in dem erstmals vorgelegten Controllingbericht für die Gebäudewirtschaft Trier aufgelistet sind. Sofern alle Maßnahmen wie geplant realisiert werden können, addieren sich die Investitionssummen in diesem Jahr auf insgesamt 62 Millionen Euro. „Das wäre ein Rekordumsatz, den es so noch nie gegeben hat“, so Baudezernent Andreas Ludwig.

Die vom Stadtrat geforderten regelmäßigen Berichte sollen einen besseren Überblick auf die Realisierungsquote der beschlossenen Baumaßnahmen ermöglichen. Teuerste Baustelle – die wichtigsten Projekte haben wir in der Tabelle übersichtlich dargestellt – ist mit fast zehn Millionen Euro die Integrierte Gesamt­schule Wolfsberg. Sollten wie geplant im Oktober die Arbeiten am Mäusheckerweg beginnen, wird die neue Mehrzweckhalle dort der Schule diesen Rang ablaufen.

STRASSENBAU 20 Millionen Euro umfasst das Gesamtbudget 2018 der Stadt Trier für den Straßenbau. Auch dafür hat das Tiefbauamt einen Statusbericht erstellt, in dem nach dem Ampelsystem der Stand der Maßnahme angezeigt wird. Auf Rot stehen demnach drei der insgesamt 21 Projekte, mit deren Realisierung in diesem Jahr begonnen werden sollte: So soll die Fahrbahnerneuerung der Quinter Straße ebenso auf spätere Jahre verschoben werden wie Straßenarbeiten im Bereich Kaserne Feuvrier. Dort, im Bereich zwischen Jugendherberge und Nordbad, baut ein Investor ein neues Wohn- und Gewerbegebiet, kommt aber nicht so zügig voran wie ursprünglich geplant.

Klar ist seit Mittwochabend auch, dass die Anwohner der Luxemburger Straße in Trier-West noch mindestens zwei weitere Jahre den Lärm wegen des maroden Kopfsteinpflasters ertragen müssen. „Die Umgestaltung des Römerbrückenkopfs muss fertig sein, wenn der neue Bahnhaltepunkt in Betrieb geht“, argumentierte Baudezernent Andreas Ludwig. Mit einer gleichzeitigen Baustelle in der Luxemburger Straße würden wir uns jede Planung und Abstimmung kaputt machen.“

KLAUSURTAGUNG Über die aktuelle Planung hinaus warten in Trier weitere Großprojekte auf die Realisierung. In welcher Reihenfolge zum Beispiel mit Südtangente (Aulbrücke), Wasserwegdurchbruch oder Umfahrung Kürenz in den kommenden zehn Jahren begonnen werden kann, soll demnächst Thema einer Klausurtagung sein. Es ist auch für die Teilnehmer der Demonstration vor dem Rathaus ein wichtiger Termin. Denn davon wird auch abhängen, wann ein Neubaugebiet Brubacher Hof realisiert werden könnte.