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Engagement
Ein bisschen Frieden ist nicht genug: Trierer Verein feiert Jubiläum

 Für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte, gegen Atomkraft: Unter anderem Markus Pflüger (Friedensarbeiter, Vierter von links), Thomas Zuche (Gründungsmitglied, Zweiter von rechts), Margot Liebel (Weltladen, links) und Christina Brase (Weltladen und Vorstand, Dritte von links) zeigen, was den Mitgliedern der AG Frieden wichtig ist.
Für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte, gegen Atomkraft: Unter anderem Markus Pflüger (Friedensarbeiter, Vierter von links), Thomas Zuche (Gründungsmitglied, Zweiter von rechts), Margot Liebel (Weltladen, links) und Christina Brase (Weltladen und Vorstand, Dritte von links) zeigen, was den Mitgliedern der AG Frieden wichtig ist. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Trierer Arbeitsgemeinschaft feiert in diesem Jahr Jubiläum. Nicht jeder freute sich über das Engagement für Menschenrechte und Abrüstung – was dem Verein schon eine tote Ratte in der Post und eine Stasi-Akte bescherte.
Rebecca Schaal

Es ist das Jahr 1979. Margaret Thatcher wird Premierministerin in Großbritannien. Der Hamburger SV gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft. FDP-Politiker Christian Lindner erblickt das Licht der Welt. Ein Mann namens Klaus Jensen gründet mit Gleichgesinnten in Trier die Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF).

40 Jahre später: Klaus Jensen hat eine Amtszeit als Oberbürgermeister Triers hinter sich (2007 bis 2015) und ist heute Honorarkonsul Luxemburgs in Trier. „Damals war er als erster Mitarbeiter für einen Hungerlohn angestellt“, erinnert sich Thomas Zuche – ebenfalls Gründungsmitglied der AGF. An den Zielen der 260 Mitglieder hat sich weniger geändert: Sie engagieren sich unter anderem noch immer für Abrüstung, Menschenrechte und Gerechtigkeit. „Denn Frieden ist mehr als kein Krieg“, resümiert Zuche.

Die Vergangenheit Wenn Zuche sich an die vergangenen vier Jahrzehnte erinnert, fallen ihm positive wie negative Erlebnisse ein. „1981 sind wir mit zehn 50er-Bussen aus Trier nach Bonn zu einer Großdemo gegen Nachrüstung gefahren – das war beeindruckend.“ Doch Zuche hat sich mit seinem Engagement nicht nur Freunde gemacht. Als Carl-Ludwig Wagner (früherer Trierer Oberbürgermeister und rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, CDU) als einer der ersten deutschen Politiker nach dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989 in Peking nach China reiste, kritisierte Zuche das in einem Leserbrief im Trierischen Volksfreund. Einige Tage später erhielt er ein Päckchen, anonym adressiert an „Genosse Zuche“. Der Inhalt: eine tote Ratte.

Die Städtepartnerschaft Triers mit Weimar gestaltete die AG Frieden 1988 aktiv mit – was die Freundschaft zwischen Ost und West jedoch fast gefährdet hätte. Denn nach dem offiziellen Programm trafen sich AGF-Mitglieder in Weimar mit DDR-Bürgerrechtlern und Angehörigen der Friedensbewegung.

Die Folge: eine 200-seitige Stasi-Akte über die Trierer Friedensorganisation. Und ein erboster Weimarer Bürgermeister, der beim Abschlussessen wetterte: „Da haben sich Trierer mit Elementen aus der Stadt Weimar getroffen.“ Zuche: „Das Essen war dann ziemlich schnell beendet.“ Die Städtepartnerschaft zum Glück nicht.

Die Gegenwart Markus Pflüger ist seit 19 Jahren hauptamtlicher Mitarbeiter der AGF. Er betont die Wichtigkeit des Weltladens für den Verein: „Er ist das Schaufenster der AGF, hier haben wir die Öffentlichkeit direkt im Laden.“ Im Erdgeschoss des Hauses in der Trierer Pfützenstraße verkaufen ehrenamtliche Mitarbeiter fair gehandelte Produkte - zum Beispiel Wein, Kaffee, Schokolade, Schmuck, Taschen oder Dekoartikel. Darunter sind Produkte bekannterer Hersteller, aber auch viele von kleinen Produzenten, die durch den Verkauf unterstützt werden.

Nicht nur die AG Frieden hat ihre Heimat in der Pfützenstraße gefunden, sondern auch der BUND, Greenpeace, Amnesty International und das Anti-Atom-Netz. „Sie tragen zur Miete bei, sonst könnten wir das Haus gar nicht bezahlen“, sagt Pflüger. Die AGF finanziert sich vor allem durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, zudem gibt es Zuschüsse für einzelne Projekte und Kooperationen.

Schulen greifen immer wieder auf Angebote der AGF zurück – seien es Rundgänge zu Trier in der NS-Zeit, Vorträge zum Thema Flucht und Asyl oder Trainings für Zivilcourage. „Lokale Bezüge zu globalen Themen herstellen“ (Zuche) lautet dabei das Credo. Denn: „Die Geschichte des Nationalsozialmus, die viele mit Berlin, Dachau oder Buchenwald verbinden, wird sehr konkret, wenn man den Menschen in Trier zeigt, in welchem Haus Juden eingepfercht waren. Oder mit ihnen an Orte geht, wo vor kurzem noch Einschusslöcher von Straßenkämpfen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu finden waren“, erläutert Zuche.

Die Zukunft Die AG Frieden freut sich über weitere Mitglieder und Unterstützer. Auch die etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weltladens können weitere helfende Hände gebrauchen. Das Jubiläum zum 40. Geburtstag wird in diesem Jahr mit mehreren Veranstaltungen gefeiert. Am Samstag, 16. März, gibt es ab 19 Uhr ein Hausfest im Friedens- und Umweltzentrum (Pfützenstraße 1). Interessierte haben dann die Möglichkeit, die Angebote, das Haus und die Menschen, die sich in der AGF engagieren, kennenzulernen.

Kurioses und Erschütterndes rund um die vergangenen 40 Jahre der AG Frieden in Trier gibt es bei einem Stadtrundgang zu entdecken. Termin: Freitag, 29. März. Treffpunkt um 17 Uhr ist das Haus Fetzenreich in der Sichelstraße 36 – die Gründungsstätte der AGF. Im Herbst sollen weitere Veranstaltungen zum Jubiläum folgen.