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Gastronomie
Neues aus der Trierer Gastro-Szene: Bayerische Gastlichkeit auf Saarländisch

„Wir leben bayerische Gastlichkeit“: Der Saarländer Alexander Zercher (Dritter von links)  ist der neue Pächter des Paulaner Wirtshauses am Zurlaubener Ufer. Außerdem au dem Foto:  Ehefrau Natascha Zercher und ein Teil des Service-Teams.
„Wir leben bayerische Gastlichkeit“: Der Saarländer Alexander Zercher (Dritter von links)  ist der neue Pächter des Paulaner Wirtshauses am Zurlaubener Ufer. Außerdem au dem Foto:  Ehefrau Natascha Zercher und ein Teil des Service-Teams. FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund
Trier-Nord. In Beckingen ist Alexander Zercher eine große Nummer in der Gastronomie. Nun übernimmt er das Trierer Paulaner Wirtshaus. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Diese Personalie ist eine echte Überraschung: Nicht einer der hoch gehandelten „üblichen Verdächtigen“ der Trierer Gastro-Szene übernimmt das Paulaner Wirtshaus am Zurlaubener Ufer. Alexander Zercher hat das Rennen gemacht. In seiner Heimatgemeinde Beckingen (Kreis Merzig-Wadern) ist der 58-Jährige längst eine feste Größe: „In Trier will ich das auch werden“, sagt er.

Aber der Reihe nach. Zercher, geboren in Saarlouis, habe, wie er sagt, von seinem  irischen Großvater „eine gehörige Portion Pioniergeist und Abenteuerlust abbekommen“. Stimmt wohl. Denn das, was er jetzt anpackt, hatte er vor einigen Monaten noch nicht auf dem Schirm. Sein Stammbetrieb, die (nach Opa benannte) Connor-Ranch, läuft blendend und zieht Restaurantgäste aus weitem Umkreis an, auch aus Trier. „Ja, Trier“, sinniert Zercher; „Diese Stadt und ihre Geschichte faszinieren mich seit meiner Jugend.“

Deshalb habe er das Paulaner-Wirtshaus am Zurlaubener Ufer – mit 270 Plätzen drinnen und fast 300 auf den Terrassen eines der größten Lokale Triers – übernommen, „obwohl ich eigentlich daheim genug zu tun habe.“ Daheim, das wird nun erst mal Trier sein, „denn wenn ich was mache, dann mache ich es richtig. Halbe Sachen gibt’s bei mir nicht.“

Die Paulaner Brauerei und Theo Thonet (65), der das ihm gehörende historische Haus Zulaubener Ufer 77 (vorher: Pfeffermühle) 2013 in ein bayerisches Wirtshaus verwandelte, waren sich offenbar sehr schnell einig: „Zercher wird der neue Pächter.“

Vorgänger Karl Schmelzer (69) hatte sich mit Thonet überworfen und war zudem Ende 2017 in die Insolvenz gegangen. Seit Ende Februar ist er raus sowohl aus dem Paulaner als auch aus dem Restaurant Bagatelle nebenan, das er seit 1990 betrieben hat – in einem Haus, das ebenfalls Thonet  gehört. Schmelzer hatte stets die Dauerbaustelle am Moseldamm für zurückgehende Gäste- und Umsatzzahlen verantwortlich gemacht. Auf TV-Anfrage erklärte  er am Montag: „Ich möchte mich nicht mehr äußern.“

Hausbesitzer Thonet blickt nach vorn: „Ich bin sicher: Das Paulaner Wirtshaus wird jetzt durchstarten. Alexander Zercher ist der richtige Mann am richtigen Ort. Ich habe mir mehrmals seine Connor-Ranch angeschaut und muss sagen: hervorragend, sehr professionell und dennoch herzlich.“

Kann jemand, der amerikanischen Gastro-Stil beherrscht, auch  dem bayerischen Gastfreundlichkeits-Anspruch eines Paulaner Wirtshauses gerecht werden? „Klar“, antwortet Zercher, „Wie Theo Thonet bin ich sehr bayern-affin. Mein Team und ich leben bayerische Gastlichkeit.“

Seit dem Wochenende ist das Paulaner Wirtshaus nach vorangegangener Innenrenovierung wieder geöffnet, aber noch ohne großes Tam-Tam. Aktionen wie „Ochs am Spieß“ und Oktoberfest mit Live-Blasmusik seien aber fest geplant. Erst gehe es mal darum, das 18-köpfige Service- und Küchenteam und die Abläufe einzuspielen: „Ab Ostern sind wir bei 100 Prozent.“

Zercher will sich in die Gemeinschaft der Zurlaubener  Wirte einreihen und Mitglied der City-Initiative Trier werden, um „gemeinsam etwas zu bewegen“. Zurlauben kann’s brauchen, denn  von den acht Gaststätten stehen immer noch zwei leer: Wie es mit Gigio’s Bistro (Ex-Schwarzbierhaus) weitergeht, ist noch unklar. Für die Bagatelle kündigt Besitzer Theo Thonet an, „nichts übers Knie zu brechen“. Es gebe „eine Menge interessanter Bewerber“, aber auch keine Eile: „Schau’n mer mal!“