| 20:41 Uhr

Als die Stadt in Schutt und Asche gelegen hat

Erst kam der Krieg, dann ein Neubau: Das Fundstück aus dem TV-Archiv ist vermutlich kurz nach 1945 entstanden. Fotos (2): TV-Archiv
Erst kam der Krieg, dann ein Neubau: Das Fundstück aus dem TV-Archiv ist vermutlich kurz nach 1945 entstanden. Fotos (2): TV-Archiv FOTO: (h_st )
Trier. Wo heute ein neues Bürogebäude entsteht, ist bis Anfang der 1970er Jahre im Bereich Kuhnenstraße/Graugasse Schrott umgeschlagen worden. Das haben wieder viele TV-Leser richtig erkannt. In dieser Woche wird die Suche etwas schwerer. Harald Jansen

Trier. Franz Betz aus Trier muss es wissen. Denn es war sein Großvater, der den auf dem Fundbild aus dem TV-Archiv abgebildeten Schrotthandel betrieben hat. "Der befand sich dort bis circa 1972 und wurde dann später teilweise mit der Turnhalle des Angela-Merici-Gymnasiums bebaut." In der Hinterhofhalle des hellen Hauses mit überglastem Balkon habe sich die Schlosserei Wieczorek befunden. Im Anbau an sein Geburtshaus auf der linken Seite des Fotos sei die Schreinerei des Möbelhauses Müllenbach gewesen. Betz: "Bliebe noch zu erwähnen das auf dem Platz, wo die Kabeltrommeln liegen, der bekannte Trierer Linze Paul die ersten Fußballschritte mit seinem Vater gestartet hat."
Nicht Lebens- sondern Lernort war das angrenzende Betriebsgebäude der Stadtwerke. Dort absolvierte ab 1963 Franz-Josef Weber (Trier) seine Lehre. Er sagt: "Ich habe bei dem Schrotthandel Wintrich einiges erlebt. Es war ein Geben und Nehmen zwischen den Firmen." Später sei das Gelände von den Stadtwerken als Parkplatz und als Lagerfläche genutzt worden. Walter Hermen (Pölich) hat während seiner Lehrzeit bei den Stadtwerken in den 1960er-Jahren "aus dem Fenster der Elektrowerkstatt genau diesen Blick auf den Schrottlagerplatz in der Kuhnenstraße." Der Schrottplatz sei für seine Kollegen und ihn eine echte Fundgrube gewesen. "Vor allem, wenn Elektroschrott vom US-Militär angeliefert wurde, konnten wir - in Sichtweite der Kaiserthermen - zwar keine römischen, aber für uns wertvolle und funktionsfähige elektrische Schätze (Motoren, Schalter, Relais) bergen."
Martin Graf (Trier) hat aus seiner damaligen Wohnung in der Weberbach den Blick auf den Schrotthandel gehabt. "1962 habe ich dort beim Schrotthändler Wintrich mein erstes Auto für 300 Mark erstanden." Es habe sich um einen Opel Olympia Baujahr 1953 gehandelt. "Mit diesem Wagen haben wir vier Jahren noch manch' schöne Fahrt sogar bis ins Ausland unternommen."
Auf eine Verbindung zum Suchbild aus dem Oktober 1964 mit der Gerberei an der Spitzmühle weist Jörg Busch hin. "Da ich damals fast täglich zum Schwimmen ins nahe Hallenbad ging, habe ich die Graugasse oft gesehen und hin und wieder beim dortigen Schrotthändler das Taschengeld mit alten Metallteilen aufgebessert. Da waren 50 Pfennige schon kleiner Wohlstand und es reichte nach dem Schwimmen zum Einkauf von etwas Wurst und einem Brötchen in der Neustraße bei Herresthal."
Busch sagt, dass im Hintergrund des Bilds (siehe Foto unten) einerseits der Turm der Herz-Jesu-Kirche zu sehen ist. Ebenfalls sichtbar ist der seiner Meinung nach Mitte der 60er Jahre gesprengte Turm der Lederfabrik Pies. An eher ungewöhnlicher Stelle finden sich Informationen zur Fabrik. Und zwar im Bildband "Lang lebe der Trierer Hauptfriedhof" aus dem SMO-Verlag. Dort heißt es unter anderem, dass die ursprünglich aus Minheim an der Mosel stammende Familie Pies nach 1850 den Betrieb auf 4600 Quadratmetern Fläche an der Saarstraße erweiterte. Heute wird das Gelände teils als Parkplatz des Hotels Deutscher Hof genutzt. Auf dem Gelände finden aktuell Grabungsarbeiten statt, bei denen auch Reste des Gerbereibetriebs gefunden worden sind.
Unter anderem ebenfalls richtig mit der Antwort haben gelegen Wolfgang Briesch (Trier), Christian Greif (Aach), Abigail Schroer, Josef Lentes, Jürgen Schlich, Doris Botterweck, Siegfried Thiel, Kunibert Charles, Heribert Hanck (Trier), Hubert Roller (Vierherrenborn), Hermann Steffens (Trier) und Manfred Herber.
Das neue Suchbild: In dieser Woche kann allenfalls der Kirchturm bei der Lokalisierung helfen. Denn das Fundstück aus dem TV-Archiv zeigt wieder einmal eine Straße, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Warum? Und wo ist die Aufnahme entstanden? Melden Sie sich per E-Mail an
echo@volksfreund.de Diskutieren Sie mit im Internetnetzwerk Facebook unter facebook.com/volksfreundtrier Oder schreiben Sie uns: Lokalredaktion Trierischer Volksfreund, Postfach 3770, 54227 Trier. Die Auflösung gibt es wieder am Donnerstag, 8. Dezember.Extra

HJ-Heim Ehrang: Auf TV-Leser ist Verlass. Jörg Busch ist auf der Suche nach Fakten zum HJ-Heim Ehrang. Nach einem Aufruf im TV haben sich Hinweisgeber gemeldet. Was fehlt, sind noch Bilder, die an echo@volksfreund.de gesendet werden können. Hans J. Hauprich berichtet, dass das Gebäude ab Kriegsbeginn 1939 bis Ende 1940 als Feldpostamt der Wehrmacht gedient hat. In der Nachkriegszeit sei dort eine Schrotthandlung gewesen. Neben dem Gelände haben sich ab Anfang 1960 bis zum Bau der Autobahn das Vereinshaus und der Spielplatz des Tennisclubs befunden. har

Das Suchbild der vergangenen Woche zeigt den Schrotthandel Wintrich.
Das Suchbild der vergangenen Woche zeigt den Schrotthandel Wintrich. FOTO: (h_st )