| 21:07 Uhr

Als wär's ein klingender Traum

Sie bewegen sich in ihrem Konzert in der Herz-Jesu-Kirche ganz nah am Ursprung von Musik und Musizieren: Johanna Seitz, Harfe, und Matthias Schlubeck, Panflöte.Foto: Martin Möller
Sie bewegen sich in ihrem Konzert in der Herz-Jesu-Kirche ganz nah am Ursprung von Musik und Musizieren: Johanna Seitz, Harfe, und Matthias Schlubeck, Panflöte.Foto: Martin Möller
TRIER. Der Orgelbauverein Herz Jesu will die Orgel der ehemaligen Pfarrkirche restaurieren und sammelt dafür. Jetzt musizierten ein Panflötist und eine Harfenistin für den guten Zweck. Und das exzellent. ARRAY(0xceab2820)

Der Anblick erschreckt zunächst. Da tritt Matthias Schlubeck vor den Altar der Kirche Herz Jesu und nimmt die Panflöte - nein, nicht in die Hände, die hat er nicht, sondern in die Stummel, die dem Contergan-Geschädigten übrig blieben. Und dann schlägt der Schrecken um, erst in Hochachtung und schließlich in helle Begeisterung. Denn Matthias Schlubeck, der erste Panflötist in Deutschland mit Hochschulexamen, spielt dieses archaische Instrument so brillant, so flexibel, so virtuos und so hoch musikalisch, dass am Ende nur noch Staunen bleibt. Dazu beschwört Johanna Seitz weich und flexibel die zerbrechliche Klangwelt von zwei historischen Harfen. Vorne und neben jeder Bankreihe flackern Kerzen. Eine Stimmung, still, versunken, als wäre das Konzert ein klingender Traum. Panflöte und Harfe sind uralt. Das Blasinstrument, eine Reihe von Flötenrohren wie bei einem Orgelregister, taucht schon in der griechischen Mythologie auf, und die Harfe ist im Alten Testament zu Hause. Der Waldgott Pan und König David - welche eine Verbindung! Dieses Uralte, dieses zugleich Primitive und Königliche klingt mit, obwohl die Musik, die Schlubeck und Seitz spielen, deutlich jünger ist - ein Bogen vom Renaissance-Komponisten John Dowland und dessen berühmter "Tränen"-Pavane bis hin zu einem Stück für Harfe solo von 1998 und modernen Improvisationen. Aber es bleibt eine ganz charakteristische, archaische Stimmung. Man spürt: Die Interpreten sind ganz nah an ihren Tönen, ohne den Umweg von Orgel- oder Klaviermechanik, auch ohne die Routine eines Geigenvirtuosen oder eines erfolgsverwöhnten Sängerstars. Ganz nah am Ursprung von Musik und Musizieren. So behalten die Interpretationen etwas Spontanes, Echtes, Naturwüchsiges und doch Nobles. Und bei allen Qualitäten der Harfenistin, im Zentrum steht doch Matthias Schlubeck. Er musiziert auf Alt-, Tenor und Kontrabass-Panflöte mal brillant zupackend, dann wieder mit eigentümlich hauchigem Ton, mal träumerisch ausschwingend und mal hell, deutlich und präsent. Es gibt so viele Nuancen auf diesem einfachen Instrument. Wer hätte das wohl gedacht? Die Kirche Herz Jesu war voll besetzt, und in den Kollektenkörben stapelten sich die Geldscheine. Der Orgelbauverein ist seinem Ziel, der Orgel-Restaurierung in Herz Jesu, wieder ein Stück näher gerückt.