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"Alte Züge sind viel schöner"

Qualmend und schnaufend zieht die 52 eine historische Zug-Garnitur durchs Trierer Land. Bei solchen Ereignissen strömen die Eisenbahnfreunde zusammen, werden Erinnerungen wach und Technik-Fans wehmütig. Foto: Ludwig Hoff
Qualmend und schnaufend zieht die 52 eine historische Zug-Garnitur durchs Trierer Land. Bei solchen Ereignissen strömen die Eisenbahnfreunde zusammen, werden Erinnerungen wach und Technik-Fans wehmütig. Foto: Ludwig Hoff
TRIER. Freunde und Liebhaber der "richtigen" Eisenbahn kamen am Samstag und Sonntag voll und ganz auf ihre Kosten. Ein Sonderzug schnaufte rund um Trier bis nach Kordel und Serrig. ARRAY(0xce0a2e0)

"Die Fahrscheine bitte", lautet die freundliche Aufforderung von Ralf Neuendorf. Beruflich hat der junge Mann herzlich wenig mit der Eisenbahn zu tun, hobbymäßig umso mehr. Als Mitglied im Verein "Eifelbahn" Gerolstein betätigt er sich als Zug-Schaffner. Probleme mit den Fahrgästen kennt er nicht: "Schwarzfahrer gibt es bei uns nicht", sagt der Hobby-Eisenbahner auf der Fahrt von Trier nach Kordel schmunzelnd. "Nachlösen" gehe auch noch. Trotz Samstagnachmittag sind die historischen Waggonabteils gut gefüllt mit Eisenbahnfreunden. Man hat sich dieses Wochenende rot im Kalender markiert, um die seltene Möglichkeit, mit einer schnaufenden Dampflok zu fahren, nicht zu verpassen. Sebastian findet den Qualm ganz witzig

Ob Alt oder Jung, ob Klein oder Groß: Die Leute sind begeistert von der einstündigen Ausflugsfahrt. "Mein Papa ist Eisenbahn-Fan", erklärt Simon Mertesdorf (7) aus Waldrach seine Anwesenheit mit Vater Johannes und findet "die alten Züge viel schöner als die neuen". Bruder Sebastian (9) nickt zustimmend. Den Qualm aus der Lok findet er "witzig". Alex Heinz (7) aus Ralingen meint: "Das riecht, als wenn es gerade brennt." Das Erinnern an die eigene Kindheit lockt zumeist die Zuggäste einzusteigen. Erwachsene zahlen zehn Euro, Kinder die Hälfte. Da wurde ein Elfjähriger von den Eltern schon mal als Zehnjähriger gegenüber dem Schaffner deklariert (weil der Fahrpreis günstiger war), erinnert sich einer, der namentlich nicht genannt werden will. Dieter Leyendecker aus Trier weiß noch heute ganz genau, wie er als Kind den vorbeifahrenden Zügen nachwinkte. Liesel Kiemen: "Mit meinem Onkel Peter durfte ich oft im Zug mitfahren." Die Fahrt im "Triebwagen" sei "das Schönste" für sie als Kind gewesen. Man schwelgt in Erinnerungen: Werner Bodschard (Trierer Funkis), ehemals Lokführer, hat 1974 das letzte Mal eine Dampflok gefahren. Das sei früher eine "rußige Angelegenheit" gewesen: "In Koblenz angekommen, waren die Haare schwarz." Romantisch sei die Hochwaldstrecke gewesen, so Bodschard: "Bei Hinzenburg haben wir geglaubt, jeden Moment kämen die Indianer hinter dem Felsen hervor." Ihm gegenüber sitzt Norbert Orth, aktiver Eisenbahner aus Kordel: "Der Mann ist mein Eisenbahn-Lehrer gewesen. Eine echte Kapazität." Die vielen Gäste haben das Glück, dass er Zug von einer Dampflok geschleppt wird. Mit einem Lebensalter von über 60 Jahren hätte das Dampfross der Baureihe 52 (1600 PS) längst in Rente gehen können. Noch eher als aufs Altenteil, wäre sie zum Schrott gefahren worden, hätten nicht die Eisenbahnfreunde aus Düren das gute Stück gekauft, restauriert und ihm ein ein zweites Leben eingehaucht. Die Trierer fiebern darauf, dass der Gerolsteiner Eisenbahnverein seine Fahrten hier zu Lande anbietet. Derweil ist die erste Etappe Kordel erreicht. 20 Minuten Aufenthalt gibt es für die Mitreisenden. Helfer kuppeln die Wagen ab, damit "umgespannt" werden kann. In einer kurzen Leerfahrt geht es an das andere Ende des Zuges, um dort wieder festzumachen. Die weitere Fahrt geht nach Trier-West und Konz-Karthaus zurück zum Ausgangspunkt Trier Hauptbahnhof. "Morgen die Fahrt an die Saar ist landschaftlich noch schöner", vermutet Liesel Kiemen. "Wir wollten auf jeden Fall dabei sein und haben es nicht bereut", sagen Heike und John Brewster aus Ehrang bei der Rückkehr begeistert. Dampflok fahren geht in die Knochen

Bis zur nächsten Fahrt bleibt Zeit, dass der eine oder andere den Führerstand der Lok besichtigen darf, wo Christoph Mayer aus Ehrang seinen Dienst als Lokführer versieht. "Es macht Spaß, hier zu fahren, sonst würde man es nicht machen", sagt er: "Ein ganz anderes Fahrgefühl." Die anderen Loks seien "eigentlich nur Automaten", hier sei noch "richtiges Leben drin". Das Schwierige sei die "Bremserei". Die ganze Wirkung sei viel träger und schwerfälliger: "Da muss man viel vorausschauender reagieren", gibt Mayer Einzelheiten seiner Kunst preis: "Das geht ganz schön in die Knochen." Die Eisenbahnfans sind total begeistert. Heike Brewster bedauert: "Ich musste auf den Hund aufpassen, sonst hätte ich mir das Führerhaus gerne angeschaut."