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Andreas Ludwig wird Triers neuer Baudezernent

Trier. 29 Stimmen für Andreas Ludwig, fünf für Amtsinhaberin Simone Kaes-Torchiani, 20 Enthaltungen: Wie erwartet hat der von CDU und Grünen unterstützte Kandidat die Wahl um die Leitung des Trierer Baudezernats gewonnen. Christiane Wolff

Trier. Schon einmal wähnte sich Andreas Ludwig seiner Sache sicher. Die Wiederwahl zum Oberbürgermeister in Bad Kreuznach im Jahr 2011 schien reine Formsache. Dann machte ihm eine Newcomerin einen Strich durch die Rechnung: Heike Kaster-Meurer, deutlich jünger, erst zwei Jahre für die SPD im Bad Kreuznacher Stadtrat, ein politisches Leichtgewicht also, aber besser vernetzt und eloquent, stahl Ludwig überraschend die Krone.
Wie in Bad Kreuznach deuteten auch in Trier bereits im Vorfeld der Beigeordnetenwahl am Montagabend alle Zeichen auf einen Sieg Ludwigs. Zumindest, als noch drei Kandidaten zur Wahl standen. Die kurzfristige Absage von Claudia Baumgartner - vorgeschlagen von SPD, FWG und FDP - änderte am Samstag allerdings nochmal die Vorzeichen: Außer Ludwig tritt - nominiert von der AfD - nur noch Amtsinhaberin Simone Kaes-Torchiani an. Die ist zwar sechs Jahre älter als Ludwig und auch nicht von der SPD. Zumindest leise Angst vor einem ähnlichen Debakel wie vor vier Jahren in Bad Kreuznach dürfte den 53-Jährigen am Montagabend trotzdem beschleichen."Das ist nicht unser Stil"


Gäben SPD, Freie Wähler und FDP ihre Stimme geschlossen der CDU-Amtsinhaberin, würden schon einige wenige Abweichler aus Ludwigs schwarz-grünem Unterstützerbündnis reichen, um die Wahl verloren geben zu müssen.
Doch schon bevor die Sondersitzung des Stadtrats um 17 Uhr beginnt, sickert durch: SPD, FWG und FDP haben vereinbart, sich der Wahl zu enthalten, statt ihre Stimme Kaes-Torchiani zu geben. "Unsere Kandidatin hat abgesagt. Jetzt umzuschwenken und aus taktischen Gründen den Einzug des CDU-Kandidaten in den Stadtvorstand zu gefährden, wäre ein kräftiger Tritt vors Schienbein des Mehrheitsbündnisses. Das ist nicht unser Stil", argumentiert ein SPD-Mitglied hinter vorgehaltener Hand. Und so verläuft der Wahlabend wenig spannend. Lediglich Kaes-Torchianis kurze Bewerbungsrede rüttelt wach: "Vor acht Jahren hatten CDU und FWG - damals noch UBM - mich aufgestellt und dabei klar zum Ausdruck gebracht, dass ich das Amt überparteilich und im Interesse der Stadt führen soll. Mit dem Wechsel an der CDU-Partei- und Fraktionsspitze änderte sich dann dieser Anspruch meiner Partei an mein Amt", schießt Kaes-Torchiani Pfeile in Richtung Parteichef Bernhard Kaster und Fraktionschef Ulrich Dempfle (siehe Interview).20 Enthaltungen


Ludwigs Rede fällt versöhnlich und erwartbar aus. Sein Amt als Bürgermeister im thüringischen Eisenach - das er für den Wechsel nach Trier aufgibt - habe er zwar erst seit zwei Jahren inne. "Aber in dieser Zeit ist aus einem Gegeneinander der politischen Kräfte ein Miteiander geworden - wozu ich meine, einen wichtigen Beitrag geleistet zu haben", erklärt der zweifache Vater.
54 Ratsmitglieder - Marc-Bernhard Gleißner (Linke) und Anna Gros (SPD) haben sich krank gemeldet - geben in der Wahlkabine einzeln und geheim ihre Stimmen ab.
Die Zählkommission sortiert anschließend Umschläge und Stimmzettel. 20 Enthaltungen gibt es - und damit genau so viele, wie Ratsmitglieder von SPD, FWG und FDP anwesend sind.
29 Ratsmitglieder - rechnerisch exakt Bündnisstärke von CDU und Grünen - wählen Andreas Ludwig. Fünf Stimmen bleiben für Amtsinhaberin Kaes-Torchiani übrig. Das dürfte schmerzen. Als sie aufsteht, um Ludwig als erste zu gratulieren, ist ihr Lachen allerdings echt. Verstellen ist Kaes-Torchianis Sache ohnehin nicht.

Andreas Ludwig im TV-Interview: "Ich stehe zu Schwarz-Grün"