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Kommunalpolitik
ANgelika Birk: Kein Blick zurück im Zorn

Gut gelaunt und locker verabschiedet sich Angelika Birk von ihrer Partei, den Grünen.
Gut gelaunt und locker verabschiedet sich Angelika Birk von ihrer Partei, den Grünen. FOTO: Jörg Pistorius / TV
Trier. Auf einem Parteitag des Stadtverbands verabschieden sich 30 Mitglieder der Trierer Grünen am Montagabend von Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Angelika Birk (62), die ihre Ämter im Februar an Elvira Garbes übergeben wird.
Jörg Pistorius

Eine Laudatio ist nicht genug, haben sich die Trierer Grünen bei der Vorbereitung der Feierstunde im Foyer des Trierer Theaters offenbar gedacht. Deshalb gab es nicht nur eine einzelne Lobrede auf die Amtszeit von Angelika Birk. Diesen Job teilen sich am Montagabend Christiane Wendler, Ole Seidel  und Michael Lichter aus dem Vorstand des Stadtverbands mit Wolf Buchmann von der Stadtratsfraktion.

Nicht mit dabei ist die grüne Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer, die sich wegen dringender Termine in Berlin entschuldigen lässt. Und auch Birks grüne Nachfolgerin Elvira Garbes, Anfang November mit großer Mehrheit vom Stadtrat gewählt (der TV berichtete mehrmals), ist nicht erschienen. Eine Begründung wird nicht genannt.

Wer einen Blick zurück im Zorn erwartet haben sollte, muss sich schnell umorientieren. Denn obwohl Angelika Birks Wiederwahl zur Dezernentin von ihrer eigenen Partei, den Grünen, nicht unterstützt worden ist, herrscht in allen Redebeiträgen nur Sonnenschein. Nach Michael Lichter, der relativ trocken Birks Vita im Schnelldurchlauf präsentiert (siehe Info), holt Christiane Wendler weit aus.

„In deinem Büro war im Rathaus immer am längsten Licht“, sagt Wendler. „Da du eine echte Grüne bist, kannst du auch nicht vergessen haben, es auszuschalten.“ Birks langjährige Stadtvorstandskollegen – OB Klaus Jensen (SPD)  und die Dezernenten Thomas Egger (SPD) und Simone Kaes-Torchiani (CDU) – sind heute nicht mehr in ihren Ämtern und am Montagabend auch nicht vor Ort, um diesen Satz zu bestätigen oder zu widerlegen. „Das zeigt, dass du anpackst und immer engagiert dabei bist.“

Wolf Buchmann übernimmt. „Liebe Angelika, du kannst dich in jeder Fachdiskussion behaupten“, sagt er. „Du beherrschst sowohl das große politische Bild als auch die fachlichen Details.“ Auch wenn Birks Amtszeit jetzt ende, gebe es viel, das bleibt. Buchmann hebt einzelne Felder der Stadtentwicklung in den letzten Jahren hervor. „Du hast das Verscherbeln des Tafelsilbers gestoppt und es damit überhaupt ermöglicht, dass Oberbürgermeister Wolfram Leibe heute noch städtische Wohnungen hat, die er in einer neuen Gesellschaft entwickeln kann.“ Ein Verweis auf die aktuellen Pläne des OB, eine Wohnungsentwicklungsgesellschaft zusammen mit einem privaten Investor zu gründen.

Außerdem habe Angelika Birk das Schulentwicklungssystem auf die Beine gestellt. „Was andere Dezernenten über Jahre nicht hinbekommen haben, hast du geschafft.“ Auch die gelungene Aufnahme der Flüchtlinge in Trier gehe zu großen Teilen auf Birks Konto. „Du warst dafür verantwortlich, dass diese Phase in Trier hervorragend funktioniert hat. Du stehst für eine liberale, weltoffene Gesellschaft.“

Nachdem Ole Seidel das Geschenk des Stadtverbands, zwei Tagestouren zur Auswahl, präsentiert hat, tritt Birk selbst ans Mikrofon. „Ich danke euch für diesen schönen Abend, er ist ein Vorglühen für meinen offiziellen Abschied am 2. Februar“, sagte sie. „Ich habe Trier sehr lieb gewonnen und gehe mit schwerem Herzen.“ Elvira Garbes sei eine großartige und qualifizierte Nachfolgerin, die jede Unterstützung der Partei verdiene. „Und auch ich hatte euch immer im Rücken bei den schweren Entscheidungen.“