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Archäologie: Graben nach Gräbern
Leben und Sterben im römischen Trier

Unterschiedliche Bestattungsarten auf einen Blick: Körpergrab mit dem Skelett eines bäuchlings beigesetzten Römers, daneben legt  Peter Bühning vom Landesmuseums-Grabungsteam eine Urne mit Leichenbrand frei. Sie ist abgedeckt mit dem Hals einer Amphore.
Unterschiedliche Bestattungsarten auf einen Blick: Körpergrab mit dem Skelett eines bäuchlings beigesetzten Römers, daneben legt Peter Bühning vom Landesmuseums-Grabungsteam eine Urne mit Leichenbrand frei. Sie ist abgedeckt mit dem Hals einer Amphore. FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund
Trier-Nord. In der ersten Hälfte ihrer Grabung in der Trierer Paulinstraße haben Archäologen des Landesmuseums 140 Gräber aus den Jahren 40 bis 250 nach Christus endeckt. Viele der Bestattungen fallen aus dem Rahmen. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Die Porta Nigra kennt in Trier jedes Kind. Wahrzeichen, Stadttor, uralt, erbaut von den Römern. Aber dass ausgerechnet viele Trierer Römer „ihre“ Porta nicht kannten, leuchtet zunächst nicht so recht ein. Ist aber einfach zu erklären. Der Bau der römischen Stadtmauer und ihrer vier Torburgen (von denen die Porta Nigra als einzige heute noch steht) begann im Jahr 170 n. Chr.  Zu diesem Zeitpunkt war die um 17. v. Chr. gegründete Stadt Augusta Treverorum fast 200 Jahre alt – und  ihre ersten Bewohner-Generationen hatten längst das Zeitliche gesegnet. Dutzenden von jenen Römern aus der mauerlosen Frühzeit der Stadt begegnen Archäologen des Rheinischen Landesmuseums derzeit auf dem rückwärtigen Teil der Grundstücke Paulinstraße 10 und 12.

Dort, rund 100 Meter nördlich der Porta Nigra,  will die Immobilienfirma IFA (Schillingen) zwei Häuser mit 40 Wohnungen errichten. Doch bevor die Bauleute anrücken, untersuchen Wissenschaftler das geschichtsträchtige  Terrain, das in der Römerzeit Teil eines viele Hektar großen Friedhofs war.

Die Ausbeute nach rund vier Monaten Grabung: „Wir haben bislang rund 140 Bestattungen gefunden“, berichtet Chefarchäologe Joachim Hupe (52). Der Anteil der Körpergräber (in denen der Leichnam beigesetzt wurde) und der Brandgräber (Urnen mit der Asche des verbrannten Toten) halte sich die Waage. Die Beisetzungen sind, so nimmt Hupe an, in der Zeit von 40 bis 250 n. Chr. erfolgt. Und sie werfen viele Fragen auf. Etwa die, warum der Anteil der Brandbestattungen, die damals Usus waren, nur etwa die Hälfte ausmacht. Zudem gibt es bei den Körpergräbern einen erstaunlich hohen Anteil an Beisetzungen in Bauchlage. Hupe: „Dabei handelt es sich unseren ersten Einschätzungen nach überwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene, die maximal 25 Jahre alt geworden sind.“

Genauere Aufschlüsse und die Antwort auf die Frage „Wer ist wann und in welchem Alter woran gestorben?“ könnten Spezialuntersuchungen etwa mittels Radiocarbonmethode bringen, über die allerdings noch nicht entschieden ist. „Das wäre ein lohnendes Thema“, findet Hupe, „denn von den Toten können wir erfahren, wie die Trierer Römer gelebt und gearbeitet und wie sie sich ernährt haben.“

Das großflächige Graben nach Gräbern, wie es die Landesmuseums-Archäologen 2016 bereits auf einem Nachbargrundstück in der Paulinstraße (dem ehemaligen Friedrich-Gelände) praktiziert und dabei 330 Bestattungen gefunden haben, bringt aber auch handfeste Belege. So entpuppt sich eine kreisrunde, nicht mehr vollständig erhaltene Mauerstruktur mit einem Außendurchmesser von drei Metern als Überrest eines etwa vier Meter hohen Grabdenkmals. „Wir kennen solche Monumente aus dem Rheinland und aus Luxemburg. In Tier hat es sie ganz sicher auch gegeben, was wir aber hier erstmals nachweisen können. Um das einstmals zylindrische Bauwerk herum gruppiert sich ein gutes Dutzend Gräber vermutlich eines Familienclans.

Die Grabung auf dem Grundstück Paulinstraße 10/12 geht nach dem Abriss der Häuser an der Straße nun in ihre zweite Hälte. Noch bis Ende April hat das Landesmuseums-Team unter Leitung von Albert Hill Zeit, mehr Informationen über das Leben und Sterben im römischen Trier ans neuzeitliche Tageslicht zu bringen.

Bei dem nur noch unvollständig erhaltenden kreisrunden Mauerwerk in der Bildmitte handelt es sich um den Unterbau eines einstmals vier Meter hohen zylindrischen Grabmonuments aus der Zeit um 100 n. Chr. Um den Grabbau herum wurden bislang ein Dutzend Brand- und Körpergräber gefunden.
Bei dem nur noch unvollständig erhaltenden kreisrunden Mauerwerk in der Bildmitte handelt es sich um den Unterbau eines einstmals vier Meter hohen zylindrischen Grabmonuments aus der Zeit um 100 n. Chr. Um den Grabbau herum wurden bislang ein Dutzend Brand- und Körpergräber gefunden. FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund