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Armut als Zugnummer

2010 ist das besucherstärkste Jahr für das Stadtmuseum Simeonstift gewesen. 2011 könnte einen neuen Rekord bringen: Das Interesse an der "Armut"-Ausstellung (10. April bis 31. Juli) ist schon im Vorfeld enorm. Von unserem Redakteur Roland Morgen

Trier. Konstantin sei Dank. Die 2007er-Ausstellung über den Römerkaiser, der seine Herrscherkarriere in Trier startete, hat einen Mehrwerteffekt hinterlassen, von dem die Verantwortlichen des Stadtmuseums noch vor fünf Jahren nur träumen konnten. Damals lief der vor allem vom Land bezahlte Um- und Ausbau des Simeonstifts zu einem der drei Standorte der Großausstellung. Was blieb, war ein runderneuertes Museum, das einen modernen Anbau erhalten hatte und im Gegensatz zu der Zeit bis zur baubedingten Schließung (Ende 2004) endlich auch internationale museale Standards erfüllt. Seit der Wiedereröffnung als Stadtmuseum (2008) geht es mit dem Simeonstift stetig bergauf. 2010 wurden fast 43 000 Besucher gezählt - Rekord. Die Chancen auf weitere Bestmarken stehen gut. Die Ausstellung "Armut - Perspektiven in Kunst und Gesellschaft" (10. April bis 31. Juli) ist laut Museumsleiterin Elisabeth Dühr (53) "unser absolutes Highlight 2011 und stößt schon im Vorfeld auf enormes internationales Interesse".

Das Gemeinschaftsprojekt insbesondere mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Uni Trier (Sonderforschungsbereich 600) widmet sich als erste Kunstausstellung überhaupt der Armut von der Antike bis zur Gegenwart. Zu sehen sind im Stadtmuseum 130 Exponate vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert. Ergänzend zeigt das Rheinische Landesmuseum 70 Kunstwerke aus der Antike. Die Ausstellungsstücke sind großteils Leihgaben von 40 europäischen Museen. Vermittelt wird laut Elisabeth Dühr "ein beeindruckendes, mitunter auch bedrückendes Panorama der Rolle der Schwachen in europäischen Gesellschaften". Die von zahlreichen Förderern unterstützte Schau kostet 1,2 Millionen Euro. 700 000 Euro zahlt die DFG.

Auch das 2013 im Mittelpunkt stehende Ausstellungsprojekt "Ikone Karl Marx" könnte sich kräftiger Unterstützung erfreuen. "Wir haben einen Förderantrag bei der Bundeskulturstiftung eingereicht und sind guter Dinge", sagt die Museumschefin. Um Karl Marx (1818 - 1883) geht es im Stadtmuseum - wenn auch eher indirekt - bereits in wenigen Wochen. Ein Vortrag mit Beatrix Bouvier am 6. März, 11.30 Uhr, und eine Führung mit Christine Stolpe am 8. März, 20 Uhr, behandeln Jenny von Westphalen, die Frau des berühmtesten Sohn Triers.

Nicht nur bei den Besucherzahlen meldet das Stadtmuseum Zuwachsraten: "Auch unsere Führungsangebote durch stadtgeschichtliche Dauer- und Sonderausstellungen sowie die Museumspädagogik boomen." Letzteres in besonderem Ausmaß: "Kindergeburtstage bei uns sind der große Renner. An manchen Sonntagen haben wir gleich vier davon im Haus."

Die Verwaltung des Stadtmuseums hat zu Wochenbeginn neue Räume im Gebäude Simeonstiftplatz 1 bezogen (vorher Simeonstraße 60). Telefonisch ist sie wie gehabt unter 0651/7181459 zu erreichen.