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Asbest: Trierer Schule bekommt neuen Dachstuhl - Eine Million Euro Mehrkosten

Der Altbau des Auguste-Victoria-Gymnasiums ist derzeit mit Bauplanen verhüllt. Das Dachgeschoss wird für zusätzliche Klassenräume ausgebaut. Wegen der Asbestbelastung wird das Projekt teurer als geplant. TV-Foto: Friedemann Vetter
Der Altbau des Auguste-Victoria-Gymnasiums ist derzeit mit Bauplanen verhüllt. Das Dachgeschoss wird für zusätzliche Klassenräume ausgebaut. Wegen der Asbestbelastung wird das Projekt teurer als geplant. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Zusatzkosten bei Bauprojekten machen der Stadt Trier immer wieder zu schaffen. Nach dem jüngsten Fall von Asbestbelastung im Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG) fordern Ratsfraktionen eine bessere Planung. Marcus Hormes

Trier. 3,87 Millionen Euro sollte die Runderneuerung des ehemaligen Welschnonnen-Klostergebäudes zwischen Flander- und Sichelstraße im dritten Bauabschnitt kosten. Dort entstehen unter anderem neue Räume für den Hochbegabtenzweig des AVG Trier. Für die zeitweise Auslagerung von 21 Klassen in Mietcontainern auf dem Parkplatz wurden zusätzlich 950 000 Euro veranschlagt. So beschloss es der Stadtrat im Dezember 2010 (der TV berichtete).
Doch eine böse Überraschung machte den Planern einen dicken Strich durch die Rechnung: Rohrisolierungen auf dem Dachboden sind asbest belastet. Die Gipsummantelung ist beschädigt, so dass der ganze Dachraum mit dem Schadstoff kontaminiert ist.
Erhöhtes Krebsrisiko


Gelangen Asbestfasern beim Einatmen in die Lunge, können sie dort Krankheiten auslösen. Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, erhöht sich.
Aufwand und Kosten für eine reine Sanierung des AVG wären zu hoch, so dass ein komplett neuer Dachstuhl gebaut werden muss. Die Containermiete verlängert sich dadurch um acht Monate (77 000 Euro). Unter dem Strich bedeutet das Mehrkosten von fast einer Million Euro.
"Wir können solche Kostenfortschreibungen nicht weiter dulden", wetterte Christiane Probst (FWG) im Stadtrat. "Das kann man nicht ewig mit sich machen lassen", pflichtete Sven Teuber (SPD) bei. "Aber wir haben keine Wahl, denn wir brauchen diese Schule." Einsparbemühungen etwa durch Zuschusskürzungen an freie Träger seien mit einem Schlag zunichtegemacht. Teubers Forderung: "Wir müssen für ein besseres Controlling bei den Projekten sorgen."
Neu-Ratsmitglied Joachim Gilles (FDP), den Oberbürgermeister Klaus Jensen als Nachrücker für Monika Indig verpflichtete, kritisierte: "Die Verwaltung hätte im Vorfeld eine mögliche Asbest belastung untersuchen sollen." Allein die aktuelle Kostensteigerung umfasse mehr als das Doppelte vom Jahresbudget aller 19 Ortsbeiräte (400 000 Euro).
"Jede Kostensteigerung ärgert mich und meine Mitarbeiter", stellte Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) fest. Genauere Voruntersuchungen würden Personal binden. "Warum werden solche Aufträge nicht extern vergeben?", fragte Gerd Dahm (Grüne). "Dazu bräuchten wir Geld, und unsere Mitarbeiter müssten diese externen Untersuchungen auch steuern", gab Kaes-Torchiani zu bedenken.
Der Rat beschloss einstimmig bei Enthaltungen aus FWG, FDP und Grünen, die Mehrkosten für die AVG-Sanierung zu finanzieren. Die ausgelagerten Klassen lernen weiter in Containern. Nicht betroffen vom Asbestproblem ist das zweite AVG-Gebäude in der Dominikanerstraße.
Der Um- und Ausbau der Integrierten Gesamtschule Trier wird fortgesetzt. Dafür bewilligte der Rat 503 000 Euro.
Für die Generalsanierung des Schulgebäudes Thyrsusstraße in Trier-Nord bewilligte der Rat zusätzliche 630 000 Euro. Der größte Teil (437 000 Euro) geht darauf zurück, dass die Ausschreibungen der Arbeiten wesentlich höhere Ergebnisse brachten als veranschlagt.