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Stadtentwicklung
Aufbruch am Ortsrand von Trier-Olewig (Video)

In Olewig tut sich etwas. Am Ortseingang zum Tiergartental ist das neue Bachbett bereits angelegt.
In Olewig tut sich etwas. Am Ortseingang zum Tiergartental ist das neue Bachbett bereits angelegt. FOTO: Rainer Neubert
Trier-Olewig. Der Eingang zum Tiergartental bekommt derzeit ein neues Gesicht. Wenige Meter entfernt plant ein Investor Großes. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Heinz Kirchner wohnt in der ersten Reihe. Wenn der Lärm der Bagger nicht so laut wäre, hätte der 73-Jährige Olewiger derzeit noch mehr Spaß an dem, was vor seiner Haustür passiert. „Mir gefällt sehr gut, was da passiert. Für uns Anlieger bringt das ein ganz neues Raumgefühl.“

Kirchners Haus steht am Eingang des bei Spaziergängern und Weinliebhabern beliebten Tiergartentals. Auf dem Platz davor, wo einst die Schuppen eines Getränkehändlers standen und danach jahrelang von der Stadt Schutt und Baustoffe gelagert wurden, tut sich in diesen Tagen viel. Für 610 000 Euro entsteht dort ein kleiner Park (siehe Grafik). Der bislang unter einer 42 Meter langen Betondecke versteckte Bach bekommt ein neues, naturnahes Bett. Dessen weiter Bogen war am Donnerstag bereits gut zu erkennen. Langsam wird der Bach dort fließen und über breite Stufen mit Sitzsteinen zugänglich sein. Kinder werden zum Spielen am und im Wasser eingeladen. Radfahrer werden aus Richtung Kleingärten Trier-Ost/Innenstadt in Zukunft geradeaus durch den Park geführt. Sie überqueren dann den Bach auf einer neuen Brücke. und stoßen im Tiergarten auf einen neuen, drei Meter breiten Weg neben der Straße. „Dass einige Bäume wegen der Baustelle weg mussten, habe ich bedauert“, sagt Anwohner Heinz Kirchner. „Aber es kommen ja neue hin.“

Ursprünglich sollte mit der Neugestaltung dieses Bereichs bereits im Herbst 2017 begonnen werden. Aber wegen des schlechten Wetters und des hohen Wasserstandes hatte sich der Beginn bis ins Frühjahr verzögert. Dafür geht es jetzt umso schneller. „Der erste Abschnitt in Richtung Tiergartental ist innerhalb von 2,5 Wochen bearbeitet worden“, sagt Michael Schmitz, Sprecher der Stadtverwaltung. „In den kommenden zwei bis drei Wochen sollen dort die verbleibenden Zaun- und Pflanzarbeiten abgeschlossen werden.“ Probleme mit Anwohnern oder Kleingärtnern habe es aufgrund der guten Zusammenarbeit und Absprachen nicht gegeben. „Wir haben keine negativen Rückmeldungen erhalten.“

Auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds nennt die Verwaltung auch Details für das weitere Vorgehen. Demnach soll die neue Brücke Kandelbach – die alte ist baufällig und wird abgerissen – ebenso Ende Juli angeliefert und eingebaut werden wie die Radfahrerbrücke. „Davor müssen noch Kabel- und Wasserleitungen an der Einmündung Am Kandelbach verlegt werden. Der erste Renaturierungsabschnitt dürfte im Herbst geschafft sein.“

Wie schnell es dann mit im Rahmen der Aktion Blau Plus zu 90 Prozent vom Land geförderten Renaturierung des Bachs im gesamten Tal weitergehen wird, hängt auch mit dem Abschluss der Verhandlungen über das dort laufende Flurbereinigungsverfahren zusammen. Läuft alles gut, könnte Anfang 2019 mit dem 1500 Meter langen zweiten Bauabschnitt begonnen werden. Etwa 885 000 Euro sind dafür veranschlagt.

Das durch den Weinbau geprägte Naherholungsgebiet Tiergarten wird zusätzlich an Attraktivität gewinnen, davon sind die Anlieger überzeugt. „Ich lebe seit 75 Jahren hier und bin froh, dass ich das erleben darf“, sagt auch Rudi Haas. Vor allem die Platzgestaltung sei lange überfällig gewesen. „Das war eine echte Mülldeponie.“

Doch der Stadtteil verändert sich nicht nur Im Tiergarten. 200 Meter entfernt sind die Vorarbeiten für ein weiteres Großprojekt abgeschlossen: Die Halle auf dem Gelände am Ortseingang, wo einst ein Edeka-Markt und zuletzt ein KFZ-Ersatzteilhändler residierten, ist abgerissen worden. Die Wirtz-Gruppe, die auch für die Wohnanlage Residenz an den Kaiserthermen verantwortlich ist, plant dort den Bau von zwei Wohn- und Geschäftshäusern mit insgesamt 42 Studentenappartements, neun größeren Wohnungen und fünf Gewerbeeinheiten. Weitere Details zu diesem Projekt sind nicht bekannt. Auf eine entsprechende Anfrage beim Investor erhielt unsere Redaktion keine Rück­meldung.

Heinz Kirchner verfolgt derweil aus der ersten Reihe, wie die Baggerfahrer das Gelände neben seinem Haus formen. „Das wird schön“, ist er überzeugt.

FOTO: TV / Wilbert, Bianca
Auf dem ehemaligen Edeka-Gelände ist die Halle verschwunden. Hier sollen zwei große Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.
Auf dem ehemaligen Edeka-Gelände ist die Halle verschwunden. Hier sollen zwei große Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. FOTO: Rainer Neubert