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Bauprojekt in Trier
Aus Post wird endlich Polizei

Prominente Nachbarschaft: Das neue Polizeigebäude entsteht gegenüber der ehemaligen Abteikirche St. Maximin (links) und St. Paulin.
Prominente Nachbarschaft: Das neue Polizeigebäude entsteht gegenüber der ehemaligen Abteikirche St. Maximin (links) und St. Paulin. FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Nach langem Hin und Her und baulichen Verzögerungen nimmt  die neue Großdienststelle beim Hauptbahnhof Trier Gestalt an. Anfang 2020 soll das 24-Millionen-Euro-Projekt fertig sein. Von Roland Morgen
Roland Morgen

2010, 2013, 2017 – es gab schon jede Menge Prognosen, wann die neue zentrale Polizeidienststelle am Trierer Hauptbahnhof endlich in Betrieb gehen könne. In Erfüllung gegangen sind sie allesamt nicht. Nun nennt der für die Realisierung zuständige Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) einen neuen Fertigstellungstermin: „Bei reibungslosem Verlauf“ könne der Komplex „Ende 2019/Anfang 2020“ fertig gestellt werden, kündigt LBB-Sprecherin Claudia Renner auf TV-Anfrage an.  Das erscheint durchaus realistisch, denn immerhin wird jetzt tatsächlich gebaut.

Seit Februar 2017 läuft der Um- und Ausbau auf dem ehemaligen Postareal zwischen der Kürenzer Straße und der Parallelstraße In der Reichsabtei. Und im Gegensatz zu seinen Vorgängern Manfred Bitter (ab 2009 Geschäftsführer der Handwerkskammer) und Lothar Schömann (seit 2017 in Ruhestand) kann Polizeipräsident Rudolf Berg (62) davon ausgehen, die Inbetriebnahme noch im Amt zu erleben. Was dann auch gleichzeitig ein Karriere-Highlight für ihn werden dürfte: „Wir Polizisten warten doch schon sehr lange darauf, endlich wieder über ein zentralen Standort verfügen zu können.“

Den gab es 2005, als das Innenministerium das mutmaßlich mit Schadstoffen belastete Präsidium in der Südallee aufgab. Folge: Die mehr als 400 in Trier arbeitenden Polizeibeamten waren auf bis zu neun Standorte übers gesamte Stadtgebiet verstreut.

Das Provisorium geriet zum Dauerzustand, weil sich alle Pläne für einen Präsidiumsneubau zerschlugen. Obwohl das Land seit 2006 über ein scheinbar geeignetes Grundstück verfügt: das Ex-Postareal in Bahnhofsnähe. Der Haken daran: Gleich gegenüber steht die ehemalige Abteikirche St. Maximin, und unter der Erdoberfläche lauern Hinterlassenschaften aus der Römerzeit und dem Mittelalter.

Als Denkmalschützer  auf die Barrikaden gingen, ließ Mainz 2008 das Neubau-Vorhaben in der Schublade verschwinden und setzte stattdessen auf die Unterbringung der Polizei im bereits auf dem Postareal stehenden Gebäude. So zog 2011 die Kriminaldirektion mit dem Großteil ihrer Kommissariate ins aufwendig umgebaute ehemalige Post-Hochhaus ein. Nun endlich läuft Bauabschnitt zwei. Kernpunkt: die 70 mal 27 Meter messende frühere Pakethalle. Das obere der beiden jeweils fast fünf Meter hohen Geschosse wurde zurückgebaut, stattdessen entstehen zwei Stockwerke mit normaler Raumhöhe. Parallel dazu läuft der Umbau des zweigeschossigen Verbindungstrakts zum Kripo-Hochhaus.

Doch wieder gibt es zeitliche Verzögerungen. Gegenüber den Prognosen von 2017 hinkt der mit rund 24 Millionen Euro veranschlagte Bauabschnitt zwei um neun Monate hinterher, was LBB-Sprecherin Renner mit „der  derzeit generell hohen Auslastung von Planungsbüros und Bauunternehmen“ begründet.

Polizeipräsident Rudolf Berg blickt derweil nach vorn. Er geht davon aus, dass der neue Komplex Anfang 2020  bezogen werden kann und sich damit die Zahl der Polizeistandorte auf zwei reduzieren wird. 

Neben der Kürenzer Straße 3, so die offizielle Adresse, werde es dann nur noch die Salvianstraße 9 (mit der Innenstadtwache) geben, die weiterhin das eigentliche Hautquartier bleibt. Denn Berg und große Teile der Führungsebene bleiben dort. Insofern kann sich der 62-Jährige mit der vom Land verwendeten Bezeichnung Polizeipräsidium für den künftigen Großstandort nicht anfreunden: „Präsidium ist da, wo der Präsident arbeitet.“

Für seine Kolleginnen und Kollegen, die künftig in der Kürenzer Straße arbeiten, sieht der Chef ausschließlich Vorteile: „Ein adäquates Gebäude mit optimalen Voraussetzungen – ganz im Gegensatz zu den meisten der provisorischen Zwischenlösungen.“ Zudem vereinfache und beschleunige die Konzentration von Dienststellen Arbeits- und Entscheidungsprozesse: „Man kann  von einem strategischen Idealzustand sprechen.“

Es werde  endlich auch einen eigenen Raum für Veranstaltungen geben. „Wenn es etwa um die Begrüßung neuer Kollegen oder um Beförderungen geht, müssen wir immer ausweichen, zum Beispiel in den Sitzungssaal der Kreisverwaltung.“ Und wie gehabt könne die Kantine im neuen Polizei-Großgebäude von jedermann genutzt werden. Berg: „Ich freue mich schon auf den Tag der offenen Tür, zu dem wir die Bürgerinnen und Bürger einladen werden.“

Wenig Neues gibt es derweil vom alten Polizeipräsidium. Auf dessen Gelände will die Stadt ihre neue Feuerwache bauen. Aktueller Stand laut LBB: „Die Vertragsunterlagen für den Kauf der Liegenschaft durch die Stadt sind in Vorbereitung. Die erforderlichen Abstimmungen im Detail werden noch einige Zeit beanspruchen.“

Der neue Polizei-Hauptstandort am Trierer Hauptbahnhof nimmt Gestalt an. Die Hauptzufahrt wird wie schon zu Post-Zeiten an der Kürenzer Straße sein.
Der neue Polizei-Hauptstandort am Trierer Hauptbahnhof nimmt Gestalt an. Die Hauptzufahrt wird wie schon zu Post-Zeiten an der Kürenzer Straße sein. FOTO: TV / Roland Morgen
Polizeipräsident Rudolf Berg.
Polizeipräsident Rudolf Berg. FOTO: TV / Roland Morgen