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Selbsthilfe
Aufmerksamkeit für das Tabuthema Suizid

Suizid ist ein Tabuthema. Dabei benötigen auch die Angehörigen udn Hinterbliebenen Unterstützung.
Suizid ist ein Tabuthema. Dabei benötigen auch die Angehörigen udn Hinterbliebenen Unterstützung. FOTO: Petra Poetschke
Trier. Die Mitglieder des Netzwerks Trauer haben mit ihrer Ausstellung ein Tabu aufgebrochen und den Dialog ermöglicht.

Mitten in der Trierer Innenstadt neben dem Priesterseminar liegt die Jesuitenkirche. Unaufdringlich säumt sie die Straße und beherbergt den Leichnam von Friedrich Spee. Beim Näherkommen fällt der Blick des Besuchers auf ein großes, grünes Plakat mit einer weißen Linie und einem Fragezeichen. Darunter der Schriftzug: „Suizid – (k)ein Tabu?!“ Dem ersten Impuls folgend, auf dem Absatz kehrt zu machen, um diesem aufreibenden Thema auszuweichen, ist der Besucher nicht nachgegangen. Der eigenen Neugier folgend, was sich im Inneren der Kirche befindet, öffnet er die Kirchentür und tritt ein.

Das Netzwerk Trauer in Trier hat in der Jesuitenkirche die Wanderausstellung „Suizid – keine Trauer wie jede andere. Gegen die Mauer des Schweigens“ vom Verein AGUS – Angehörige um Suizid gezeigt.

Heute, am 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, soll Bilanz der Ausstellung gezogen werden. Ziel war es, das Tabuthema Suizid und die Trauer der Hinterbliebenen in die Öffentlichkeit zu bringen und mit einem vielfältigen Begleitprogramm zum Gespräch anzuregen. Und das wurde nach Ansicht der Initiatoren mit großem Erfolg erreicht. Einige 100 Menschen besuchten die Jesuitenkirche mitsamt der Ausstellung und den Begleitveranstaltungen.

Psychologin Jenna Golda verrät: „Wir waren alle sehr aufgeregt und hofften, dass überhaupt jemand zu der Ausstellung kommen würde. Dieses Thema macht Angst, und es gehört Mut dazu, sich diesen Inhalten auszusetzen, wenn man selbst nicht davon betroffen ist.“

Über ein Jahr lang haben die Mitglieder des Netzwerkes die Ausstellung vorbereitet, darunter die katholische Familienbildungsstätte, das Bistum, die Telefon-Seelsorge Trier, der Kinderschutzbund Trier, das Hospiz Trier, die Johanniter, „Papillon“ Trier – für Kinder krebskranker Eltern, das Zentrum für Sozialpädiatrie und Frühförderung Trier (SPZ), die Malteser, die evangelische Kirchengemeinde Trier, der Verein „Leben ohne Dich“ Saarburg und die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz Trier.

Es gibt laut Veranstalter zwei große Gruppen, die durch Selbsttötung ums Leben kommen: Das sind zum einen Jugendliche und zum anderen ältere Menschen. Demzufolge war es den Netzwerkpartnern wichtig, explizit auf das Fortbildungsangebot für Schulkassen ab Jahrgangsstufe neun aufmerksam zu machen. Sechs Klassen besuchten die Ausstellung. Ergriffen waren die Schüler von der Zahl der Suizid-Toten: Mehr als 10 000 Menschen sterben jährlich durch Selbsttötung.

Betroffene von Suizid finden Hilfen unter: www.agus-selbsthilfe.de.  Unter www.trauer-in-trier.de können  Eindrücke, Fotos und Besucherstimmen zu der Ausstellung nachgelesen werden.