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Geschichte
Kampf für die Rechte der Frauen

Zum ersten Mal: Laiendarstellerinnen lassen Frauen zu Wort kommen, die als erste wichtige Dinge im Sinne der Gleichstellung erreicht haben – von Marie Juchacz bis Angela Merkel.
Zum ersten Mal: Laiendarstellerinnen lassen Frauen zu Wort kommen, die als erste wichtige Dinge im Sinne der Gleichstellung erreicht haben – von Marie Juchacz bis Angela Merkel. FOTO: Martin Recktenwald
TrieR/Saarburg. Eine Ausstellung erinnert an 100 Jahre Frauenwahlrecht und macht auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam.

Vor 100 Jahren gab die Weimarer Reichsverfassung erstmals Frauen das Wahlrecht. Dieses Jubiläum haben der Arbeitskreis „Frauen in Bewegung“ und der Landkreis Trier-Saarburg als Anlass zum Rückblick auf Errungenschaften und mutige Vorkämpferinnen der Gleichberechtigung genutzt. Begleitet hat die Feier aber auch der kritische Blick auf bestehende Probleme. Eine Wanderausstellung soll die Themen in den kommenden Wochen in die Verbandsgemeinden tragen (siehe Info).

Um etwas in der Gesellschaft zu bewegen, braucht es Menschen, die sich für eine Sache einsetzen – auch gegen Widerstände. Einige solcher Frauen stellt die Ausstellung vor. Und bei der Feier in der Kreisverwaltung liehen ihnen Laiendarstellerinnen die Stimme für Aussagen, die zu ihrer Zeit provokativ wirkten.

So stellte beispielsweise Marie Juchacz am 19. Februar 1919 als erste Frau auf der Rednerliste des frisch gewählten Reichstags gleich klar, dass mit der Einführung des Frauenwahlrechts noch lange nicht der Endpunkt erreicht ist. Keinesfalls seien die Frauen verpflichtet, nun in Dankbarkeit zu schweigen. „Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit. Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist“, rückte die SPD-Abgeordnete damals die Verhältnisse zurecht.

Dass solche Selbstverständlichkeiten sich aber trotzdem nicht automatisch durchsetzen, beweist die lange Kette von historischen Kämpfen um Gleichstellung, die lange nach Einführung des Frauenwahlrechts ausgefochten wurden. Und auch heute sei weiterhin Einsatz gefragt, meinte die amtierende Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD. Ein Blick auf den seit der jüngsten Wahl drastisch gesunkenen Frauenanteil im Deutschen Bundestag habe ihr das noch einmal deutlich vor Augen geführt. „Vom meinem Sitzplatz aus sehe ich nur noch dunkle Anzüge – das ist schon ein beklemmendes Bild“, gewann sie dem Thema eine ironische Seite ab.

Wie ernst aber selbst die harmlose Kleiderfrage sein kann, zeigte der kurze Blick zurück. 1970 löste die Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer nämlich einen Skandal aus, weil sie als erste Frau im beigefarbenen Hosenanzug ans Rednerpult trat. Gleiches Recht, im Grundgesetz seit 1949 verankert, bedeute noch lange keine Gleichstellung, meinte Barley. Ungleiche Bezahlung oder den Mangel an Frauen in Führungspositionen großer Unternehmen führte sie als Belege für die Notwendigkeit weiteren Engagements an. „Traut euch! Auch Scheitern ist in Ordnung“ – mit diesen Worten rief die Ministerin Frauen zu Selbstbewusstsein auf.

Diesem Appell schloss sich Landrat Günther Schartz (CDU) an. Gerne hätte er auch für die Führungsebene der Kreisverwaltung mehr Bewerbungen von Frauen, das betonte Schartz ausdrücklich. Bei den Neueinstellungen machten sie schließlich bereits den Hauptanteil aus. Als „Bereicherung der Gesellschaft“ bezeichnete Schartz alle Schritte zur Gleichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts. „Wir sollten aber nicht vergessen, dass es in bedauerlicherweise vielen Länder noch kein Frauenwahlrecht und keine gleichen Rechte gibt“, mahnte er.

Wie sich die Sache der Frauen mit Musik vortragen lässt, zeigten der Saar-Mosel-Frauenchor und der Frauenchor Polyhymnia. Während Barbara Ullmann und Klaus Michael Nix in ihrer szenischen Lesung „Heraus aus der Finsternis!“ die Geschichte ganz von Anfang an aufrollten und mit humorvollen Seitenhieben die Schwierigkeiten aufzeigten.