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Barbarathermen bis auf Weiteres unzugänglich

Trier. Das Land will die Barbarathermen neu erschließen und ins öffentliche Bewusstsein rücken. Ein Experten-Workshop und die Archäologische Trier-Kommission haben ein Leitbild formuliert: Das Thermen-Areal soll zu einem "Freiraum mit Fenstern" umgewandelt werden. Wie genau, das soll ein Wettbewerb beantworten. Roland Morgen

Trier. Die Tausenden Autofahrer, die täglich die Barbarathermen passieren, rollen über geschichts trächtiges Terrain: In der Südallee durchqueren sie gewissermaßen das Freiluft-Schwimmbecken, in der parallel verlaufenden Kaiserstraße fahren sie über die Gymnastikwiese. Das heute als Barbarathermen bekannte Ruinenfeld verkörpert nur einen Bruchteil des vor rund 1850 Jahren erbauten römischen Wellness-Komplexes, der nördlich der Alpen einzigartig war: 172 mal 240 Meter maß das Areal, das von der heutigen Gerber- bis fast an die Bollwerkstraße reichte; die Bauten darauf waren bis zu 30 Meter hoch. Bemerkenswerterweise entstand die damals nur in Rom übertroffene Thermenanlage mehr als 100 Jahre, bevor Trier Kaiserstadt wurde - darauf konnte sich die gallische Provinzhauptstadt Augusta Treverorum durchaus etwas einbilden.
Vom imperialen Glanz haben Eroberer, Steinräuber und die neuzeitliche Stadtentwicklung nicht viel übrig gelassen. Zudem sind die Barbarathermen seit etwa zehn Jahren für den Publikumsverkehr geschlossen. "Wir haben die Zeit genutzt, um eine Bestandsaufnahme zu machen, Schäden zu ermitteln und die gefährdete Bausubstanz provisorisch zu sichern", sagt Thomas Metz (56), Leiter der Landes-Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE).
Mit der Frage, wie es weitergeht mit der zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Anlage haben sich in den vergangenen Tagen Experten aus ganz Deutschland befasst. Zunächst wurden auf GDKE-Einladung in einem Workshop (fast 50 Teilnehmer) Ideen und Lösungsansätze zur Neuerschließung, Sicherung und künftigen Nutzung entwickelt.
Plädoyer für Workshop


Außerdem befasste sich die Archäologische Trier-Kommission mit den Thermen. Das gemeinsam formulierte Leitbild als Empfehlung an Mainz liegt in der Mitte der extremen Positionen. Vereinfacht gesagt: Die durchaus kursierende Idee, das Ruinenfeld per Zuschüttung vor dem Zahn der Zeit zu retten, ist ebenso vom Tisch wie die große Lösung, auf einem Teil des Areals einen echten Badebetrieb zu bauen und antike Wellnesskultur in authentischem Ambiente wiederauferstehen zu lassen. "Wir plädieren für einen Freiraum mit Fenstern, die Geschichte und Geschichten erzählen", erläutert Heinz Günter Horn (70) von der Trier-Kommission, die besagten "Freiraum" wohlweislich nicht definiert: "Das sollte in einem Wettbewerb geschehen. Wir wollen eine große Auswahl von intelligenten Vorschlägen für einen Erlebnisraum Barbarathermen statt Ruinenromantik und Parklandschaft."
Außerdem werde die Trier-Kommission das Rathaus "ermuntern", die Thermen und die Südallee in ihre städtebaulichen Betrachtungen mit einzubeziehen. GDKE-Direktor Metz bewertet den Workshop als Erfolg. Ob und wann das zuständige Finanzministerium Geld für einen Wettbewerb, der einige Hunderttauend Euro kosten kann, locker macht, vermag er nicht zu sagen. "Aber wir wissen nun, was wir wollen." Was aber auch heißt: Die Barbarathermen bleiben noch einige Jahre geschlossen.Extra

Die "Kommission zur Erforschung der antiken Kaiserstadt Trier", kurz: Archäologische Trier-Kommission, dient der wissenschaftlichen Begleitung großer Grabungs- und Denkmalpflege-Projekte und berät das Mainzer Kulturministerium und die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE). Erstmals einberufen wurde sie 1926 durch das preußische Kultusministerium. Sie kommt zwei Mal jährlich zusammen und besteht aus zwölf Experten. Vorsitzender ist Henner von Hesberg (Deutsches Archäologisches Institut). Die Kommission hat zusätzlich wissenschaftliche Beiräte zu den sechs Trierer Römerbauten eingesetzt, die dem Land gehören. Deren Vorsitzender, der Kölner Archäologe und Bodendenkmalpfleger Heinz Günter Horn, hat den Barbarathermen-Workshop moderiert. rm.