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Landwirtschaft
Bauern erleichtert: Kein Katastrophenjahr für Apfelernte




Trotz des extremen Wetters haben die Obstbauern in der Region Glück gehabt. Seit einer Woche läuft auf der Plantage von Norbert Briesch in Bekond die Apfelernte.
Trotz des extremen Wetters haben die Obstbauern in der Region Glück gehabt. Seit einer Woche läuft auf der Plantage von Norbert Briesch in Bekond die Apfelernte. FOTO: Friedhelm Knopp
Bekond/Trier. Trotz des heißen Dürresommers blicken die Obstanbauer der Region mit Zuversicht auf die anlaufende Ernteperiode.

Wird 2018 zum Katastrophenjahr für die deutschen Landwirte? Für Getreide- und Milchbauern trifft das in vielen Fällen zu – sogar über eine staatliche Nothilfe wird diskutiert. Anders ist die Lage beim Obstanbau, wo in diesen Tagen die Apfel- und Birnenernte begonnen hat. Die Obstbauern der Region Trier/Luxemburg denken eher mit Schrecken an 2017 zurück, als Spätfröste im April die Blüte absterben ließ und schwere Ernteausfälle verursachte.

An dem finanziellen Ausfall leiden die Erzeuger bis in dieses Jahr hinein, doch die Ernte 2018 lässt hoffen. So sieht es auch Experte Franz-Josef Scheuer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum: „Besonders wer seine Anlage wässern kann, darf mit guten und sehr guten Ergebnissen rechnen. Für den Apfel ist 2018 definitiv kein Katastrophenjahr.“

Bei einem Vorernterundgang mit Obstbauern und Vertretern durch die sechs Hektar (60 000 Quadratmeter) umfassende Anlage von Norbert Briesch in Bekond erläutern Scheuer und Andreas Löbke von der Kooperation Region Obst Luxemburg-Trier (ROLT-EWIV) die aktuelle Situation. Briesch baut die Sorten Gala, Elstar, Jona Gold und Rubinette an. Nach den Ausfällen des Vorjahres hat er als zweites Standbein eine Fläche mit Erdbeeren angelegt, ist aber mit Blick auf die bei ihm gerade begonnene Apfelernte guter Dinge. Durch seine langen Apfelbaumreihen ziehen sich Tropfwasserleitungen, mit denen bei anhaltender Trockenheit das Wurzelwerk versorgt werden kann. Einen Teil der Plantage hat Briesch zudem mit Hagelschutznetzen überspannt, in den anderen Abschnitten stehen schon die Tragpfeiler. Briesch: „Dieser Hagelschutz kostet rund


25 000 Euro pro Hektar, weshalb noch nicht die gesamte Anlage abgedeckt ist.“ In diesem Jahr hätten die Netze zum Glück noch keinem Unwetter trotzen müssen. Doch es gebe noch einen positiven Nebeneffekt: Die Netze sind zwar lichtdurchlässig, schützen aber die Früchte vor Sonnenbrand. Bis 40 Grad könnten sich die Äpfel bei direkter Einstrahlung aufheizen, erklärt Experte Scheuer. Das Ergebnis ist bei ungeschützten Früchten zu sehen: Eine Aufweichung mit bräunlicher Fleckenbildung auf der dann unverkäuflichen Frucht.

Den Rest besorgen die Vögel, wenn sie die weichen Stellen aufpicken. Überhaupt die süßen Vögelchen – die gelten in allen Obstplantagen als ungeliebte Gäste. Sie hacken reihenweise die Äpfel an, picken etwas Fruchtfleisch heraus und dann geht es schon zum nächsten Apfel. An einigen Standorten wie Bekond halte sich der Vogelschaden in diesem Jahr in Grenzen, erklärt Experte Löbke, aber in Luxemburg beliefen sich die Ausfälle stellenweise auf bis zu 20 Prozent.

Die Frage nach der zu erwartenden Gesamternte­menge 2018 und der Preisentwicklung können Scheuer und Löbke nicht beantworten. „Die ROLT-EWIV vertritt nur Selbstvermarkter. Bei denen bestimmen der örtliche Ernteertrag und natürlich die regionale Nachfrage die Preise“, sagt Scheuer. Das sei anders als bei Genossenschaften, wo messbare Mengen quasi durch einen Eingangs-Flaschenhals geschleust würden.