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Bernhard Kaster kandidiert 2017 nicht mehr für den Bundestag (Update)

Bundestagsmitglied Bernhard Kaster
Bundestagsmitglied Bernhard Kaster FOTO: Christian Kremer
Trier/Berlin. Nach Rückzugsankündigung: Trierer Bundestagsabgeordneter Bernhard Kaster schließt anderes politisches Amt und Wechsel in die Wirtschaft aus Marcus Stölb

58 Jahre alt ist Bernhard Kaster am vergangenen Sonntag geworden, am Mittwochabend feierte er mit seinen Mitarbeitern in der Hauptstadt. In einem historischen Gewölbekeller in Berlin-Mitte ließ Kaster mediterrane Gerichte auftischen. Doch was der Chef bei dieser Gelegenheit mitteilte, dürfte den wenigsten am Tisch geschmeckt haben: Er werde 2017 nicht wieder für den Bundestag kandidieren, verriet er seinem Team.

Auf diese Ankündigung war in und außerhalb der Hauptstadt kaum jemand vorbereitet. Schließlich ist Kasters Stellung im Wahlkreis unangefochten, Anzeichen von Amtsmüdigkeit zeigte der Unionsmann nicht. Zwar hatte er im März den Trierer CDU-Vorsitz an Udo Köhler abgegeben, doch dass er sich nach der nächsten Wahl aus dem Bundestag zurückziehen könnte, ahnte in der Partei niemand. Offenbar trug sich Kaster aber schon länger mit dem Gedanken aufzuhören, wie er am Donnerstag im Gespräch mit dem TV berichtete.

Nach reiflicher Überlegung sei er zu dem Schluss gekommen, dass 15 Jahre im Bundestag genug seien und er 2017 mit dann 60 Jahren eher eine neue Aufgabe angehen könne, als mit Mitte 64. Dieses Alter hätte er, würde er noch eine Wahlperiode dranhängen. Eines sei für ihn nie infrage gekommen: sich erneut in den Bundestag wählen zu lassen, um dann nur mit angezogener Handbremse, sprich halbem Einsatz, sein Mandat auszuüben. Ob Verkehrsinfrastruktur, Wertstoffgesetz oder die Sanierung von Denkmälern in der Region - er wolle noch einiges bewegen und erledigen, verspricht Kaster.

Mit seiner Ankündigung stellt der Christdemokrat zugleich klar, dass er nicht zum Personalreservoir seiner Partei für die Zeit nach der Landtagswahl zählt. Sollte Julia Klöckner im Frühjahr 2016 in die Mainzer Staatskanzlei einziehen, hätten sich manche den Bundestagsabgeordneten auch in einer Regierung vorstellen können. Zwar gilt Landrat und CDU-Landesvize Günther Schartz als wahrscheinlicherer Anwärter für einen Platz in Klöckners Schattenkabinett, doch nach einem Machtwechsel wären nicht nur Ministersessel und Staatssekretärsposten zu vergeben. Für Kaster ist all das kein Thema mehr, wie er im Gespräch mehrfach versichert. Er strebe eine neue Tätigkeit an, allerdings nur jenseits der Politik. Einen Wechsel in die Wirtschaft schließt er ebenfalls aus. Vor allem wolle er wieder mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, sagt er. Schließlich hat die bei einem Berufspolitikerdasein oft das Nachsehen. Auch in Berlin dürfte seine Ankündigung etliche überraschen.

Als Parlamentarischer Geschäftsführer (PGF) zählt Kaster seit zehn Jahren zum engeren Führungszirkel der Unionsfraktion. Zwar steht er damit nicht in der ersten Reihe der Bundespolitik, doch sitzt er in Fraktionssitzungen nur drei Plätze neben der Kanzlerin. Mit Volker Kauder verbinde ihn ein "außerordentliches Vertrauensverhältnis", sagt er. Auf den Fraktionschef, den er für eine "Idealbesetzung in diesem Amt" hält, könne er sich immer verlassen, schwärmt Kaster. Nun wird sich Kauder, so er denn auch nach der nächsten Wahl den Fraktionsvorsitz innehaben sollte, einen neuen PGF suchen müssen.

Das dürfte indes ein kleineres Problem darstellen als die Suche nach einem Parteimitglied aus Stadt oder Landkreis, das für die CDU im Wahlkreis Trier das Direktmandat erringen kann. Mit dem Aufstieg der Schweicher Bundestagsabgeordneten Katarina Barley (SPD) in Berlin zur SPD-Generalsekretärin und dem Verzicht Bernhard Kasters auf eine neuerliche Kandidatur hat sich die Ausgangslage für 2017 binnen weniger Tage deutlich verändert.Extra

Bernhard Kaster ist seit 1976 Mitglied der CDU. 1989 wurde er in den Trierer Stadtrat gewählt. Nach Stationen in verschiedenen Landesbehörden, amtierte der diplomierte Verwaltungswirt von 1997 bis 2002 als hauptamtlicher Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land. 2002 trat Kaster erstmals bei einer Bundestagswahl an und gelangte über die Landesliste seiner Partei ins Berliner Parlament. Bei den vergangenen drei Bundestagswahlen errang der 58-Jährige jeweils das Direktmandat im Wahlkreis Trier, 2013 holte er fast 49 Prozent der Erststimmen. Seit 2005 ist er einer von fünf Parlamentarischen Geschäftsführern der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Kaster wohnt auf dem Petrisberg, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. mstMeinung

Wie auch immer man zu Bernhard Kaster stehen mag - für seinen selbstbestimmten Rückzug aus der Politik gebührt ihm Respekt. Wer ihn kennt, weiß, dass er sein Mandat nur ganz oder gar nicht ausüben könnte; und man nimmt ihm ab, dass er seine Arbeit als Abgeordneter bis zum Ende der Wahlperiode voll ausfüllen wird. Offenbar wollte Kaster nicht dem fragwürdigen Beispiel eines Heinz Riesenhuber folgen: Der wird im Dezember 80 Jahre alt und gehört seit fast vier Jahrzehnten dem Bundestag an; Wolfgang Schäuble bringt es zwar schon auf 43 Jahre, doch der ist als Finanzminister ein anderes Kaliber als sein früherer Kabinettskollege aus der Ära Kohl. Respekt gebührt Kaster auch dafür, dass er seine Partei frühzeitig wissen lässt, dass diese sich über Ersatz Gedanken machen muss. Der Abgeordnete stellt in einem Moment die Weichen, in dem ihm innerhalb der CDU noch niemand eine neuerliche Kandidatur streitig gemacht hätte. Dass er verzichtet, zeugt von Souveränität und der Einsicht, dass es auch ein Leben neben und nach der Politik gibt. Für die Union in Stadt und Kreis ist das keine gute Nachricht. Bei einem Blick auf das aktuelle Personaltableau beider Kreisverbände drängen sich Erfolg versprechende Bewerber für eine Bundestagskandidatur noch nicht auf.

Marcus Stölb

trier@volksfreund.de