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Sicherheit
Es brennt bei der Berufsfeuerwehr Trier

FOTO: Frank Göbel / TV
Trier. Die Berufsfeuerwehr Trier hatte 2017 mehr als 22 000 Überstunden. 71 neue Stellen sollten die Personalnot bekämpfen — doch die Kommunalaufsicht sagt nein. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Retten, löschen, bergen, schützen – die Einsätze von Feuerwehrmännern richten sich nicht nach Schichtende und Feierabend. Auf eine Anfrage des TV legt die Stadtverwaltung aktuelle Zahlen vor: Die Berufsfeuerwehr hat im vergangenen Jahr wieder mehr als 22 000 Überstunden gesammelt. Grob gerechnet sind das zwölf volle Stellen. Ein leichter Rückgang im Vergleich mit 2016.

„Wir konnten einen weiteren Anstieg verhindern“, sagt Stadt-Sprecher Michael Schmitz. 452 Überstunden seien abgebaut worden. „Es lag an frühzeitigen Pensionierungen oder Kündigungen, dass die Überstundenzahl nicht noch weiter reduziert werden konnte.“ Seit Januar seien auch diese offenen Stellen alle mit fertig ausgebildeten Beamten besetzt.

Schmitz blickt voraus: „Da die Feuerwehrausbildung zwei Jahre dauert, können nun 16 Kollegen, die 2016 ihre Ausbildung begonnen haben, ab April 2018 bei erfolgreich abgeschlossener Laufbahnprüfung im Einsatzdienst eingesetzt werden. Wir gehen davon aus, dass sich die Lage ab April dann weiter verbessern wird.“

Schon 2015 meldete die Berufsfeuerwehr 7500 Überstunden. Der damalige Feuerwehrdezernent Thomas Egger legte ein 115 Seiten starkes Papier vor. Dessen Kern: Im Lauf der Jahre 2017 und 2018 soll die Zahl der Mitarbeiter im Amt für Brand-, Zivilschutz und Rettungsdienst – das ist die amtliche Bezeichnung der Berufsfeuerwehr – von 150 auf 221 steigen.

71 neue Stellen, die ab 2018 insgesamt 3,7 Millionen Euro pro Jahr kosten – das war die Rechnung im Jahr 2016. Eine Rechnung, die Trier selbst zahlen muss, auch wenn der Gesetzgeber Rahmenbedingungen wie die Einsatzstärke vorgibt. Doch die Lage wurde zuerst einmal nicht besser, sondern schlechter.

Die Zahl der Überstunden bei der Berufsfeuerwehr stieg 2016 von 7500 auf fast 23 000. Die im Landesgesetz über den Brandschutz festgelegten Einsatzstärken für die Stadt Trier wurden in den meisten Fällen nicht erreicht, in vielen Schichten fehlten zwei, vier oder sogar mehr Brandbekämpfer. Das Thema landete auf der Tagesordnung des Stadtrats.

Pressesprecher Schmitz fasst zusammen, wie der Rat mit dem  Plan von 2016 und dem Wunsch nach 71 neuen Stellen umging: „Der Stadtrat hat beschlossen, dass zunächst 35 neue Stellen geschaffen werden. Außerdem wurde Wert darauf gelegt, dass weitere Stellenzuwächse nur dann erfolgen, insoweit sie mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in ihrer Rolle als Feuerwehraufsicht und Kommunalaufsicht abgestimmt sind und von dieser Seite der Bedarf anerkannt wird.“

Nur 35 Stellen – das ist knapp die Hälfte des Bedarfs, den Ex-Dezernent Egger ein Jahr vorher in einem Papier festgestellt hatte. Doch diese intern geforderten 71 Stellen erkenne die ADD nicht an. der Sprecher der Stadt Trier teilt mit: „Nach zwischenzeitlichen Gesprächen mit der Feuerwehraufsicht und Kommunalaufsicht innerhalb der ADD hält die Landesbehörde 71 zusätzliche Stellen nicht für erforderlich und genehmigungsfähig, sondern erkennt nur einen geringeren Zuwachsbedarf an.“

Thomas Schmitt (CDU) ist mittlerweile Feuerwehr- und Ordnungsdezernent, nachdem der Stadtrat seinen Vorgänger Thomas Egger aus dem Amt gewählt hat. „Wir haben intensive Gespräche mit der ADD über die Frage geführt, wie viele Stellen erforderlich  sind“, sagt Schmitt im Gespräch mit dem TV.  Aktuell liege der Ball wieder beim Stadtvorstand und beim Stadtrat. Die zukünftige Stellenzahl der Berufsfeuerwehr Trier muss bei den Haushaltsplanungen für die Jahre 2019 und 2020 abgestimmt und vom Stadtrat entschieden werden. Das ist noch nicht geschehen.

Sind die Schichten in der Hauptwache am Barbaraufer und im Brand- und Katastrophenschutzzentrum Ehrang weiterhin unterbesetzt? Pressesprecher Schmitt leitet die Antwort des Dezernenten weiter: „Zurzeit stehen uns ausreichende Einsatzbeamte zur Verfügung, um die Funktionsstellen im Einsatzdienst für den Brandschutz und den Rettungsdienst zu besetzen.“

Und die Feuerwehrleute selbst? „Wir sind Kummer gewohnt“, sagt einer von ihnen. Er will keinen Ärger mit seinem Arbeitgeber riskieren und deshalb seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. „Die Masse an Überstunden ist zwar ein Problem, aber natürlich denkt keiner von uns an Stunden, wenn ein Einsatz ansteht.“ Plötzliche Zusatzschichten, die immer wieder notwendig werden, seien dennoch eine enorme Belastung. „Bestimmte Einsatzstärken müssen einfach erreicht werden, auch wenn viele Kollegen krank oder im Urlaub sind.“

Parallel zur Personaldebatte nimmt der Neubau einer Hauptwache für die Berufsfeuerwehr am Standort des alten Polizeigebäudes in der Südallee Gestalt an. Dezernent Schmitt nennt konkrete Zahlen: „Der Abriss des alten Polizeigebäudes wird 2019 beginnen.“ Danach müssen die Altlasten raus aus dem Boden, und auch das Rheinische Landesmuseum muss überprüfen, ob sich römisches Erbe unter der Erde verbirgt. Die neue Wache werde frühestens 2024 in der Südallee stehen. Schmitt betont: „Dieser Zeitplan ist sehr ambitioniert. Es gibt keine Garantien.“

Der Kommentar: Die Lage ist brandgefährlich

Von Jörg Pistorius

Mehr als 22 000 Überstunden sind klare Beweise einer deutlichen personellen Überlastung der Berufsfeuerwehr Trier. Damit stehen die Brandbekämpfer mit absoluter Sicherheit nicht allein, in der aktuellen Arbeitswelt sind Massen an Überstunden in allen Branchen bedauerlicherweise alltäglich. Aber wenn es darum geht, Leben zu retten und in Extremsituationen innerhalb von Sekundenbruchteilen die richtigen Entscheidungen treffen zu müssen, ist eine derartige Überlastung eine konkrete Gefahr – sowohl für die Feuerwehrleute selbst als auch für die Menschen, denen sie zu Hilfe kommen.

Die Stadt Trier und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion als Landesbehörde müssen deshalb schnell einen gemeinsamen Nenner finden, um diese ständige Überlastung zu beenden. Die ADD muss selbstverständlich jede Trierer Initiative unterstützen, den Berg der Überstunden abzubauen. Bürokratisches Erbsenzählen darf keine Rolle spielen, wenn es um die allgemeine Sicherheit geht.

j.pistorius@volksfreund.de