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betreute wohngemeinschaft trier
So lebt es sich in Triers integrativer WG

Alba und Lukas weihen ihre WG mit Eltern, Betreuern und Unterstützern ein. Seit Dezember haben sie sich schon gut im Schammatdorf eingelebt und sind bereits in der Dorfgemeinschaft integriert.
Alba und Lukas weihen ihre WG mit Eltern, Betreuern und Unterstützern ein. Seit Dezember haben sie sich schon gut im Schammatdorf eingelebt und sind bereits in der Dorfgemeinschaft integriert. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Alba, Lukas und Malte – drei junge Menschen mit Down-Syndrom gründen eine Wohngemeinschaft und beginnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Pauline Leis

Ein kleines Dorf in der Mitte Triers. Im Schammatdorf kommen Studenten, Rentner, Familien, Paare, Alleinerziehende, junge, alte, arme, reiche, hilfebdürftige, selbstständig lebende Menschen und Personen mit und ohne Handicap zusammen. Es ist multikulturell, offen, tolerant und sozial. Hier wird gerade ein integratives Wohnprojekt verwirklicht. Die 144 Wohnungen sind aufgeteilt in elf Höfe, deren Innenhöfe zu einem Zusammenkommen mit der Nachbarschaft einladen.

Das Besondere: Seit Dezember leben Alba, Malte und Lukas im Hof 25 des Schammatdorfes. Sie haben das Down-Sydrom und sind von zu Hause ausgezogen, um gemeinsam eine WG zu gründen. Nun weihten sie offizell ihre WG ein und präsentierten stolz ihre eigenen vier Wände. Sie zeigen, wie gut das Zusammenleben von Behinderten mit Hilfe von Betreuern in einem sozialen und toleranten Umfeld funktionieren kann. Anja Loch ist die beratende Kontaktperson für die Bewohner des Dorfes und wird als „Kleine Bürgermeisterin“ bezeichnet. Sie sagt:„Wir hatten zwar schon WGs, aber keine wie diese. Es ist ein besonderes Experiment.“

Alba, Lukas und Malte werden täglich morgens und abends von Betreuern in ihrem Alltag begleitet. Betreuer der Johanniter sorgen für die ambulante Unterstützung in der WG. Bis zehn Uhr abends verbringen sie Zeit mit ihnen. Nachts sind die drei Anfang 20-Jährigen alleine. Jeweils ein Betreuer des fünfköpfigen Teams kocht mit ihnen zusammen, geht mit ihnen einkaufen, unternimmt Freizeitaktivitäten und sorgt mit ihnen zusammen für Ordnung und Sauberkeit in der Wohnung. Anja Loch sagt:„Hier wird ihnen geholfen, selbstbestimmt leben zu können.“

Bei der Gestaltung des Alltags sind Alba, Lukas und Malte ziemlich frei. Sie können entscheiden, was sie unternehmen möchten oder ob sie lieber zu Hause bleiben. Den WG-Bewohnern wird eine neue Freiheit geboten, während die Selbstständigkeit gefördert wird. Es wird nur eingegriffen, wenn Hilfe benötigt wird.

Vor jeder Tür der Wohnung hängen die zehn WG-Regeln, die sie zusammen mit den Betreuern aufgestellt haben. Auch an den Putzplan und Küchendienst müssen sie sich halten. Roger Flentje ist ein Betreuer der WG und begleitet die WG vor allem abends: „Natürlich gibt es mal Streit, aber das ist ganz normal. Oft sind die Gründe banal und lassen sich leicht lösen.“ Die drei sprechen Probleme offen an und schließen sich schnell wieder in die Arme. Sie haben sich gut eingelebt, und das Zusammenleben funktioniert soweit problemlos, bis auf wenige Probleme, die es in jeder Wohngemeinschaft gibt. Das Projekt wurde von den Eltern der drei ins Leben gerufen. Sie hatten die Idee, ein gemischtes Zusammenleben behinderter und nicht-behinderter Menschen in einer WG zu ermöglichen.

Das Problem war, eine geeignete Wohnung zu finden. Zahlreiche Gespräche führten sie letztlich dazu, Alba, Lukas und Malte auf die Warteliste für eine Wohnung im Schammatdorf zu setzen und vorerst eine WG nur mit behinderten Menschen zu gründen. Sie hatten Glück, und im Dezember konnten sie einziehen. „Der Auszug war schon geplant, aber plötzlich“, sagt Manuel Seeger, der Vater von Alba. Auch für die Eltern sei es ein großer Schritt gewesen.

Ihre Aufgabe sei es nun, loszulassen und sich etwas zurückzuziehen. Ihnen sei es wichtig, dass ihre Kinder ein gemeinschaftliches und selbstständiges Leben kennenlernen. Die Eltern stehen regelmäßig mit den Betreuern in Verbindung und tauschen sich über das WG- Leben aus. Die Johanniter Trier haben den Eltern geholfen, ihr Vorhaben umzusetzen. Weiterhin sind sie bemüht, mehr solcher WGs zu verwirklichen wie auch Wohngemeinschaften mit nichtbehinderten und behinderten Menschen zu schaffen.

Das Schammatdorf schafft die besten Voraussetzungen für das Integrieren der WG in ein selbstständiges Leben. Die Bewohner des Hofs 25 stehen hinter der WG und haben vorher zugestimmt, dieses Projekt zu unterstützen. Die Dorfgemeinschaft veranstaltet regelmäßig Hoffeste und Hofaktionen, beispielsweise Grillabende. Die Bewohner eines Hofes leben getrennt, haben jedoch die Möglichkeit, gemeinsam das Hofleben zu gestalten. Sie schätzen sich einander wert und unterstützen sich gegenseitig, sei es bei der Gartenarbeit oder anderen Schwierigkeiten, die im Alltag auftreten. Das Schammatdorfzentrum dient als Treffpunkt für die Dorfbewohner. Gemeinsame Mittagessen, Kindertreffs, eine Kneipe, Kaffeenachmittage und dort stattfindende Konzerte bieten der WG ein abwechslungsreiches Programm. Das aktive Dorfleben und die wechselnden Freizeitangebote bieten der WG zahlreiche Möglichkeiten, sich in die offene und tolerante Gemeinschaft zu integrieren.