| 21:12 Uhr

Bewohner der Gärtnerstraße in Sorge

Die Gärtnerstraße mit ihren Reihenhäusern soll in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt werden. Manch einem Anwohner graut's bei dem Gedanken. TV-Foto: Ludwig Hoff
Die Gärtnerstraße mit ihren Reihenhäusern soll in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt werden. Manch einem Anwohner graut's bei dem Gedanken. TV-Foto: Ludwig Hoff
Trier-Nord. Das städtische Tiefbauamt hat den verkehrsberuhigten Ausbau der Gärtnerstraße fest im Plan. Nicht jeder Anwohner dieser Nebenstraße in der Nord-Stadt ist darüber begeistert, wie sich bei der Info-Veranstaltung mit der Verwaltung herausstellte. Ludwig Hoff

Trier-Nord. Einen leichten Stand hatte Sandra Klein, Abteilungsleiterin Verkehrsplanung im städtischen Tiefbauamt, am Mittwochabend ganz bestimmt nicht. Ihre Aufgabe bestand darin, das Projekt "Ausbau der Gärtnerstraße" den betroffenen Anwohnern zu erläutern. 30 Interessierte waren dazu in den Balkensaal des Bürgerhauses in Trier-Nord gekommen. Um die 100 Trierer dürften dort wohnen. Das Thema gärt bei dem einen oder anderen Betroffenen schon länger, wie bei der Diskussionsrunde zweifelsfrei herauszuhören war. Eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, sagte gegenüber dem TV, sie werde überhaupt nicht hingehen zu der Veranstaltung: "Die Stadt nimmt uns doch überhaupt nicht ernst." Längst sei die Maßnahme "beschlossene Sache", die Veranstaltung reine Makulatur, um nach außen den guten Willen zu zeigen. Zwei Sorgen bewegen die Anwohner offensichtlich, wie sich während der ersten Wortmeldungen herauskristallisierte.
Sorge eins: Auf die Anlieger kommen Gebührenbescheide zu, weil 70 Prozent der Baukosten umgelegt werden müssen laut einer gesetzlichen Vorgabe.
Sorge zwei: Viele sehen liebgewonnene Parkflächen auf öffentlichem Grund unmittelbar vor ihren Reihenhäusern mit dem Straßenausbau dahinschwinden. Denn: Die Verwaltung plant den Ausbau als sogenannter verkehrsberuhigter Bereich, bei dem laut Sandra Klein hochgerechnet 26 ausgewiesene Einstellplätze zu erwarten sein dürfen. Das heißt: Es darf nur noch auf speziell markierten Flächen das Auto abgestellt werden. Mehr sei aufgrund der vorhandenen Gegebenheiten nicht drin, räumte Sandra Klein ein. Einen positiven Effekt für die Anlieger beschrieb Sandra Kleins Kollegin Anke Schmitz, Sachgebietsleiterin bei der städtischen Beitragsabteilung. Durch die große Fläche im städtischen Eigentum (nämlich des Grünflächenamtes) reduziere sich der private Anteil an Anliegerbeiträgen deutlich. Ohne sich auf konkrete Zahlen festnageln zu lassen: "Ich rechne mit deutlich weniger als 2000 Euro pro Standardgrundstück bei den Reihenhäusern." Gesetzlich vorgeschrieben sei ein Anwohneranteil an den Kosten von 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent seien durch die Stadt aufzubringen. Rechnungsgröße seien derzeit Gesamtkosten von 560 000 Euro. Laut Sandra Klein könne mit dem Beginn der Ausschreibung im Mai dieses Jahres gerechnet werden, wenn das Projekt rechtzeitig vom Stadtrat per Baubeschluss in Gang gesetzt wird. Sandra Klein versuchte in der zweistündigen Veranstaltung mehrfach, den Anwohnern deren Sorgen und Ängste durch die zukünftige Gestaltung als verkehrsberuhigter Bereich zu nehmen. Bisher habe sie noch nie negative Rückmeldungen nach Abschluss einer solchen Maßnahme bekommen. Der neuen Fläche fallen die bisherigen beidseitigen Gehwege zum Opfer. Die Straße in einer Breite von 5,50 Meter wird eine Regenrinne in etwa der Straßenmitte teilen. Der niveaugleiche Ausbau erlaube die gemeinsame, gleichberechtigte Nutzung von Radfahrern, Fußgängern und motorisiertem Verkehr. Letzterem wird lediglich Schrittgeschwindigkeit durch die Straßenverkehrsordnung zugebilligt. Kinderspiel auf der Straße sei möglich. Dem Vorwurf, die Verwaltung habe alles schon fix und fertig in der Schublade liegen, trat Sandra Klein mit dem Hinweis entgegen, dass nach Vorschlägen aus der Bürgerschaft der Straßenausbau mittels Pflastersteinen von der Verwaltung schon verworfen worden sei und stattdessen eine Asphaltfläche vorgesehen werde. Dem Vorschlag aus der Runde, eine Einbahnstraße auszuweisen, konnte die städtische Mitarbeiterin keine positiven Aspekte abgewinnen. Einbahnstraßen brächten mehr Verkehr mit sich und es werde dort schneller gefahren. Er wohne seit 50 Jahren hier und könne nicht verstehen, dass ein bestens eingespieltes System nunmehr ohne sichtlichen Grund über Bord geworfen werde, sagte ein Bewohner. Ein anderer ergänzte: "Sie greifen ohne ersichtlichen Grund in eine funktionierende Ordnung ein."
Dieses obrigkeitliche Handeln sei nicht zu verstehen. Anliegen der Bürger würden durch die Verwaltung mit Füßen getreten. Mit Sorgen gesehen wird letztlich auch die Entwicklung, dass wohl auch Ortsfremde (aus der Paulinstraße), die weniger werdenden Parkflächen belegen könnten und dass die Vorortkontrollen wegen Anwohnerparken durch das Ordnungsamt dieser Entwicklung nicht genügend Einhalt gebieten würden.