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Infrastruktur
Blaue Lagune oder grüne Oase: Wie geht’s weiter mit der Tankstelle in der Trierer Ostallee?

Die Aral Tankstelle an der Ostallee beschäftigt die Stadt weiter.
Die Aral Tankstelle an der Ostallee beschäftigt die Stadt weiter. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Dass die Aral-Tankstelle in der Ostallee noch mindestens zehn Jahre bleibt, steht fest. Ob das Gelände aufgewertet wird und die Stadt mehr Pacht für das prägnante Objekt mitten im Grüngürtel erhält, ist dagegen immer noch unklar. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Die Tankstelle in der Ostallee darf bleiben, das haben die Trierer per Bürgerentscheid im vergangenen Dezember entschieden. Erledigt ist die Sache damit aber noch nicht: Die Stadt will mehr Pacht, die BP die Verkaufsfläche vergrößern. Seit Anfang des Jahres verhandeln die Vertragspartner – eine einvernehmliche Lösung ist noch nicht in Sicht.

Die UBT will nicht warten, bis das Trierer Rathaus und der Mineralölkonzern ihren Zwist fertig ausgetragen haben. In der Stadtratssitzung am nächsten Dienstag, 19. Juni, will UBT-Chefin Christiane Probst vom Stadtvorstand wissen, „ob der Vertrag bereits unterzeichnet ist“ und  „welche Verbesserungen es für die Stadt Trier gibt“.

Denn im Frühjahr 2017 klang es, als solle aus der Blauen Lagune eine grüne Oase werden. Eine berankte Sichtschutzwand, ein Hochbeet mit Bepflanzung, geschützte Sitzgelegenheiten für Passanten, ein Wasserspiel zu Entspannung inklusive Sonnenschutz: Das alles versprach der BP-Konzern für das Areal der Aral-Tankstelle. Das alte blau-weiße Gebäude würde durch einen modernen Neubau ersetzt. Und einen Radweg entlang der Tankstelle werde man auch bezahlen. Vorausgesetzt freilich, die Stadt würde den Pachtvertrag, der eigentlich Ende 2017 auslaufen sollte, um mindestens zehn, optional 15 Jahre verlängern.

Die geplante Aufwertung des Geländes und die in Aussicht gestellten Investitionen machte der Mineralölkonzern anfangs den Trierer Stadtratsfraktionen von CDU, SPD und UBT schmackhaft. Die UBT biss an.

„Wenn die BP-Deutschland Planungssicherheit erhält, wäre sie bereit, die vorhandene Tankstelle durch eine wesentlich verbesserte, neue Tankstelle zu ersetzen sowie weitere Investitionen zur Verbesserung der Verkehrssituation, der Infrastruktur und zur Realisierung eines Radweges zu tätigen“, formulierte die UBT in einem Antrag für die Stadtratssitzung am 8. März 2017. Die Stadt solle daher mit BP die Verlängerung des Pachtvertrags aushandeln.

Im Stadtrat konnte die UBT die Sache zwar nicht durchsetzen, ihr Antrag brachte den Stein allerdings ins Rollen: Eine Bürgerinitiative startete eine Unterschriftenaktion, aus der der erste Bürgerentscheid Triers resultierte. 14 079 Bürger stimmten für den Erhalt der Tankstelle, 5264 dagegen. Ohne dass Stadt und BP über irgendwelche Vertragsbedingungen und mögliche Umbauten vorab verhandeln mussten, war damit die Pachtverlängerung an sich beschlossene Sache.

Heute, ein halbes Jahr später breiten Stadt und BP immer noch einen Mantel des Schweigens darüber aus, was aus der versprochenen Aufwertung der überalterten Tankstellenanlage mitten im historischen Grünstreifen Alleenring wird und wie hoch die neue Pacht ist.

Es habe zwar „zwischenzeitlich weitere Gespräche“ mit der BP Europa SE gegeben. Die Ergebnisse würden allerdings zurzeit noch von beiden Vertragsseiten geprüft, teilt Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz auf TV-Nachfrage mit. BP-Pressesprecher Detlef Brandenburg bestätigt gegenüber dem TV: „Der Vertrag über die Pachtverlängerung liegt bei uns zur Prüfung vor.“ Noch fehle allerdings die Unterschrift unter dem Vertragswerk, zu Inhalten werde er sich daher noch nicht äußern. Hatten sich die beiden Parteien zum Jahresbeginn auf eine dreimonatige Verhandlungszeit geeinigt, ist diese Frist mittlerweile „bis Jahresmitte“ verlängert worden.

Die Fronten sind verhärtet – aus nachvollziehbaren Gründen: Der Bürgerentscheid ist bindend, das heißt, dass am Verbleib der Tankstelle nicht gerüttelt werden kann. Die Stadt hat daher wenig in der Hand, um ihre angekündigte Forderung durchzusetzen, die jährliche Pacht von 50 000 Euro auf 100 000 Euro zu erhöhen.

Die Tankstelle hatte wiederum ihre Ankündigung, das Gelände insgesamt aufwerten und verschönern zu wollen, an die Bedingung geknüpft, die Verkaufsfläche von 50 Quadratmetern auf 80 oder 100 Quadratmeter vergrößern zu dürfen.

Dem könne „keinesfalls zugestimmt werden“, hatte Triers Baudezernent Andreas Ludwig allerdings schon vor dem Bürgerentscheid postuliert. Grund sei, dass das Tankstellenareal im Bebauungsplan als Grünfläche eingetragen sei. Die alte Tankstelle genieße lediglich noch Bestandschutz. „Eine Vergrößerung der Ladenfläche ist daher ohne eine langwierige Änderung der Bauleitplanung nicht möglich“, betonte Ludwig, der sich im Vorfeld des Bürgerentscheids als klarer Gegner der Pachtverlängerung positioniert hatte.