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Verkehr
Fahrer will sich an Blitzer rächen

Ein Mitarbeiter der Stadt Trier misst in der Ostallee das Tempo der Fahrer.
Ein Mitarbeiter der Stadt Trier misst in der Ostallee das Tempo der Fahrer. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Als eine Messanlage der Stadt Trier am Moselufer auslöst, will der Fotografierte das Gerät außer Gefecht setzen. Das schafft er zwar – doch sein Kennzeichen liegt vor. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Zack! Ein greller orangefarbener Blitz treibt den Adrenalinspiegel nach oben. Die klare Botschaft. Du warst zu schnell, jetzt haben wir dich. Wie gut die Laune des betroffenen Fahrers bis eben auch immer gewesen sein mag – jetzt ist sie dahin. An ihre Stelle tritt oft blanke Wut, die Logik und Vernunft einfach wegbläst. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Trier.

Mittwochabend kurz nach 22 Uhr: Ein Wagen kommt aus Richtung Konz und fährt am Moselufer entlang. Offenbar tut er das schneller als erlaubt, denn in Höhe des Barbara-Ufers zwischen der Feuerwehrwache und der Südallee löst die dort lauernde Messanlage der Stadt Trier Blitz und Foto aus.

Was der Fahrer in diesem Moment denkt und empfindet, weiß im Detail natürlich nur er selbst. Die Mitarbeiter des Verkehrsüberwachungsdienstes, die sich in der Nähe ihres Blitzers befinden, sehen nur, was er tut. Und dabei trauen sie ihren Augen kaum.

Der Fahrer wendet sein nach Angaben der Stadt Trier silbernes Fahrzeug und fährt noch einmal an der Kontrollstelle vorbei. Dieses Mal langsamer. Aus einem offenen Fenster fliegen volle Kunststoffflaschen gegen das Messgerät.

Der Blitzer beweist gute Nehmerqualitäten und zeigt sich unbeeindruckt von dem Bombardement. Das motiviert den Fahrer offenbar, seine Racheaktion fortzusetzen. Noch zweimal fährt er an der Messanlage vorbei, aus dem Auto fliegen weitere Flaschen. Als das Gerät schließlich umfällt, fährt das Auto über die Südallee davon.

Aber Messanlagen wie diese haben sozusagen ein fotografisches Gedächtnis. „Die Anlage hat ausgelöst und das Fahrzeug fotografiert“, sagt Uwe Konz, Sprecher des Polizeipräsidiums Trier. „Wir haben das Kennzeichen.“

Damit haben die Beamten jedoch erst den Halter, auf den das Fahrzeug angemeldet ist, aber noch nicht den tatsächlichen Fahrer. „Die Ermittlungen laufen jetzt ganz normal weiter“, sagt Konz.

Doch zusätzlich zum Ticket für zu schnelles Fahren kommt dann wahrscheinlich der Vorwurf der Sachbeschädigung, für den Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren verhängt werden können. Außerdem kommt noch der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr infrage, für den es Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geben kann. Die Stadt Trier kann dem Täter auch die Reparaturkosten vorlegen.

Wie geht es dem Blitzer?  „Die Anlage wurde in die Werkstatt gebracht“, sagt Stadt-Sprecher Michael Schmitz. „Ob sie stärker beschädigt wurde, steht noch nicht fest.“ Da die Kamera aber umgefallen ist, muss sie in jedem Fall neu geeicht werden. „Das wird einige Tage dauern“, sagt Schmitz. Doch alle potenziellen Raser seien gewarnt: Die Stadt bekommt aber für die Übergangszeit voraussichtlich eine Ersatzanlage.

Die Stadt Trier hat im Januar 2016 die Tempokontrollen auf den eigenen Straßen übernommen. Gab es seitdem schon einmal eine Attacke gegen eine Messanlage? Schmitz erzählt:  „Es gab im März 2016 einen Vorfall, bei dem ein Mann gegen einen Blitzer urinierte. Das Gerät war in der Luxemburger Straße aufgebaut.“ Der Täter wurde von den städtischen Mitarbeitern bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten und angezeigt. Im April gab es einen weiteren kuriosen Fall in Bitburg (siehe Info). Dabei spielte ein Baum eine Rolle.

Der ernste Hintergrund eines kuriosen Falls: Die Aggressivität ertappter Temposünder oder Falschparker richtet sich manchmal auch gegen die Kontrolleure selbst. „Das kommt leider immer wieder vor“, bestätigt der Sprecher der Stadt Trier.  „In einigen Fällen musste auch schon die Polizei hinzugezogen werden, wenn Autofahrer ausfällig wurden.“

Ein Baum blockierte den Blitzer. Alle Messungen dieses Tages wurden unbrauchbar.
Ein Baum blockierte den Blitzer. Alle Messungen dieses Tages wurden unbrauchbar. FOTO: tv / Polizei