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Chefwechsel bei der Trierer CDU

Trier. Nach zwei Jahren gibt Udo Köhler den Parteivorsitz ab. Maximilian Monzel wirft seinen Hut in den Ring – stellt aber Bedingungen. Christiane Wolff

Er wolle "mehr Transparenz und mehr Basisdemokratie" in die CDU bringen, erklärte Udo Köhler, als er 2015 Chef des CDU-Kreisverbands Trier-Stadt wurde. In den Ohren vieler Trierer Christdemokraten dürfte das angenehm geklungen haben. Schließlich hatte Köhlers Vorgänger Bernhard Kaster die Partei acht Jahre lang mit strenger Hand und rigider Durchsetzungskraft geführt. "Die Familie CDU muss wieder zusammenwachsen", betonte Köhler denn auch bei seiner Kandidatur für den Chefposten. Gut zweieinhalb Jahre später steht fest: Köhler ist gescheitert.Für eine Wiederwahl als Kreisvorsitzender beim Parteitag am Freitag, 17. November, steht er nicht mehr zur Verfügung: "Ich werde nicht mehr antreten zur Wahl des Parteivorsitzenden", bestätigte der 54-Jährige am Freitagabend dem TV. Der Grund: "Die zeitliche Belastung ist einfach zu groß."
Tatsächlich waren sämtliche Vorsitzende der Trierer CDU gleichzeitig Berufspolitiker (siehe Extra) - mit Zeit und Muße fürs Ehrenamt als Kreisparteichef. Köhler hatte bei der Landtagswahl 2016 dagegen den Einzug ins Mainzer Parlament nicht geschafft und verdient weiter seine Brötchen als freier Architekt. Zusätzlich muss er seinen Job als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat stemmen. "Die Doppelbelastung in Partei und Fraktion ist zusätzlich zu meiner normalen Arbeit nicht zu schaffen", sagt Köhler.
Aber mangelnde Zeit ist nicht die einzige Ursache für seine missglückte Amtszeit - die mit gut zwei Jahren so kurz ist wie noch keine zuvor in der jüngeren Trierer CDU-Geschichte. Die ausgleichende, kumpelhafte Art Köhlers hat dazu geführt, dass die CDU ihm - vielleicht auch aus einem gewissen Befreiungsgefühl von den engen Fesseln, die Kaster der Partei angelegt hatte -, man muss es so sagen, auf der Nase herumgetanzt ist:
Nach Bernhard Kasters Ankündigung, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren, erklärten der CDU-Stadtverband und der CDU-Kreisverband Trier-Saarburg, gemeinsam einen geeigneten Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2017 zu nominieren. Letztlich befand es die Kreis-CDU allerdings nicht für nötig, die Zustimmung der von Köhler geführten Stadt-CDU einzuholen, als sie die Kandidatur ihres Kreismitglieds Andreas Steier verkündete.
Bei der Wahl des neuen Trierer Kulturdezernenten im vergangenen Frühjahr wurde Köhler gleich zweimal links liegen gelassen: Kaster fädelte höchstselbst die Kandidatur des heutigen Amtsinhabers Thomas Schmitt ein. CDU-Stadtrat Thomas Albrecht bewarb sich parallel dazu aus eigenen Stücken um die gleiche Stelle - und ohne die Sache mit Fraktionschef Köhler groß besprochen zu haben. Köhler ließ die Fraktion abstimmen, welcher der beiden CDU-Bewerber denn nun als Kandidat antreten solle - und erntete ein Patt. Erst nach viel gutem Zureden schaffte Köhler es, eine knappe Fraktionsmehrheit für den von ihm bevorzugten Kandidaten Schmitt zu organisieren.
Nur wenig später die nächste heikle Situation: Markus Römer, Vorsitzender des wichtigen CDU-Ortsverbands Trier-Mitte, zettelte quasi im Alleingang das Bürgerbegehren für den Erhalt der Tankstelle in der Trierer Ostallee an. Und brachte damit nicht nur den CDU-Baudezernenten Andreas Ludwig, erklärter Gegner der Tanke, in Bedrängnis. Auch in der Fraktion krachte es erneut. Obwohl klar war, dass die Abstimmung im Stadtrat über die Zukunft der Tankstelle äußerst knapp ausfallen wird, schaffte Köhler es nicht, alle Fraktionsmitglieder auf Linie zu bringen.
Mit einer Schlappe endete auch der Versuch Köhlers, das Trierer Bürgermeisteramt auf den CDU-Beigeordneten Ludwig zu übertragen. Nach wochenlangem Hin und Her stellte Köhler kurzfristig einen entsprechenden Antrag im Stadtrat - ohne allerdings im Vorfeld eine sichere Mehrheit für dieses Unterfangen organisiert zu haben. Das Ergebnis war eine peinliche Niederlage für den bis dato unbeschädigten und parteiübergreifend angesehenen Ludwig.
Dass die genannten Beispiele weniger für eine Schwäche Köhlers stehen als für einen Wandel der CDU hin zu Meinungsvielfalt und mehr innerparteilicher Demokratie, sieht noch nicht einmal die Partei selbst so. Bernhard Kaster erklärte im August auf Nachfrage, wie es um die CDU in Trier stehe, dass es zwar richtig sei, "dass in einer Volkspartei vielfältig diskutiert wird. Wichtig ist aber auch, dass man am Ende die Reihen schließt." Und Jutta Albrecht, Beisitzerin im Kreisvorstand, erklärte im Oktober unverblümt: "Ich wünsche mir einen Kreisvorstand, in dem es keinen Stillstand mehr gibt, sondern der die Partei nach vorne bringt mit neuen Ideen. Wir müssen endlich raus aus unserer Lähmung."
Mit seinem Nein zu einer neuerlichen Kandidatur um den Parteivorsitz zieht Köhler nun einen Schlussstrich. Dass er seine Entscheidung erst eine Woche vor der Vorstandswahl am nächsten Freitag öffentlich macht, hängt auch mit seinem wahrscheinlichen Nachfolger Maximilian Monzel zusammen. Denn der Hoffnungsträger, den viele CDUler gerne anstatt Hiltrud Zock als Kandidaten in die letztlich verlorene Oberbürgermeisterwahl 2014 geschickt hätten, knüpft an seine Kandidatur Bedingungen, die er auch bei der erweiterten Vorstandssitzung am Freitagabend noch mal deutlich machen wollte. "Grundsätzlich stehe ich als Bewerber um den Kreisvorsitz zur Verfügung", bestätigte der mächtige Chef des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) zuvor gegenüber dem TV. "Aber bevor ich tatsächlich nächste Woche meinen Hut in den Ring werfe, müssen noch ein paar Dinge geklärt werden." Konkret will der 45-Jährige nicht werden. "Aber beim Umgang in der CDU untereinander und beim Umgang zwischen Partei und Fraktion läuft einiges nicht so, wie ich mir das als Vorsitzender wünschen würde."
Der bisherige Schatzmeister der CDU gilt als durchsetzungsfähig, ihm wird Verhandlungsgeschick nachgesagt, aber auch ein gewisses Maß an Eitelkeit. Dass er sich von CDU-Mitgliedern am Nasenring durch die Manege führen lässt, ist eher unwahrscheinlich. "Ich bin absolut dafür, dass diskutiert wird. Aber in die Trierer CDU hat sich ein falsches Verständnis des Begriffs innerparteiliche Demokratie eingeschlichen", sagt Monzel. Ob die Partei sich nach den zweieinhalb diskussionsreichen, aber wenig effektiven Jahren unter Udo Köhler - der sich für einen anderen Posten im Parteivorstand zur Verfügung stellen will - wieder den Ansagen eines eher harten Parteichefs unterordnet, wird der Kreisparteitag am kommenden Freitag, 19 Uhr, in der City Hall des IAT-Towers am Verteilerkreis Nord zeigen. Extra: Der CDU-Kreisverband Trier-Stadt

Vorsitzende1962 bis 1989: Horst Langes (Landtagsabgeordneter von 1967 bis 1974 und Europaabgeordneter von 1979 bis 1994).1989 bis 2000: Christoph Böhr (Landtagsabgeordneter von 1987 bis 2009)2000 bis 2007: Ulrich Holkenbrink (Kulturdezernent in Trier von 2002 bis 2010).2007 bis 2015: Bernhard Kaster (Bundestagsabgeordneter von 2002 bis 2017)2015 bis 2017: Udo Köhler. Mitgliederentwicklung1997 hatte die CDU Trier rund 1700 Mitglieder. Bis Oktober 2015 schrumpfte diese Zahl auf 926. Aktuell, Stand 1. Oktober 2017, hat die Trierer CDU noch 874 Mitglieder, darunter 641 Männer und 233 Frauen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 60 Jahren.