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"Danke, lieber Harald"

Eine Patchworkdecke soll Harald Schmitt an die Trierer Kinder- und Jugendkantorei am Dom erinnern.Foto: Gerhard W. Kluth
Eine Patchworkdecke soll Harald Schmitt an die Trierer Kinder- und Jugendkantorei am Dom erinnern.Foto: Gerhard W. Kluth FOTO: unknown
TRIER. (gkl) Sehr persönlich und emotional war der Abschied von Domkantor Harald Schmitt. Bei einem feierlichen Hochamt im Dom und einer anschließenden Matinee zeigte sich, was Schmitt für die Dommusik geleistet hat.

"Ihre Stimme wird dem Dom fehlen." Mit diesen Worten und mit einem herzlichen "Gott befohlen!" entließ Domprobst Werner Rössel den scheidenden Domkantor von der Trierer Mutterkirche in dessen neue Aufgabe als Domkapellmeister der Hedwigskathedrale in Berlin. Schmitt hatte seinen Dienst vor dreieinhalb Jahren am Trierer Dom angetreten. Seiner Berufung zum ersten Kirchenmusiker der Hauptstadt-Diözese allerdings konnte er nicht widerstehen. So scheide er mit zwiespältigen Gefühlen: "Mit einem großen tränenden Auge blicke ich auf Trier", sagte Schmitt, "aber mit einem erwartungsfrohen auf meine neuen Aufgaben nach Berlin." Was Schmitt in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens in Trier erreichte, zeigte sich im Hochamt, dessen musikalische Gestaltung durch die Kinder- und Jugendkantorei er zum letzten Mal verantwortete, und in der anschließenden Matinee in der Promotionsaula des Priesterseminars. Schon die "Peace Mass" von Bob Chilcott, die während des Gottesdienstes erklang, zeigte, dass der von Schmitt gegründete Kinder- und Jugendchor den Vergleich mit ähnlichen Einrichtungen anderer Domkirchen nicht scheuen muss. Auch in dem anschließenden Konzert in der Promotionsaula glänzten die jungen Sänger mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Josef Rheinberger. Sehr persönlich gestalteten sich die Abschiedsreden von Rössel und Domkapellmeister Stephan Rommelspacher. "Was Du hier geleistet hast", sagte Rommelspacher an seinen Kollegen gerichtet, "kann man getrost eine Erfolgsstory nennen." Die Kantorei zählt heute mehr als 90 Kinder und Jugendliche, die, das wurde bei ihren musikalischen Beiträgen deutlich, mit Feuereifer bei der Sache sind. Wie innig das Verhältnis zwischen Schmitt und seiner Kantorei ist, zeigte sich, als "die Girls der ersten Stunde" (Rommelspacher) sich von ihrem Kantor verabschiedeten. Sie taten dies, wie es sich für einen Chor gehört, mit einem selbst gedichteten Song auf eine bekannte Abba-Melodie mit dem Titel "Danke, lieber Harald". Darin sparten sie und der gesamte Chor nicht mit Vorwürfen, weil Schmitt sie verlasse, äußerten die utopische Bitte, er solle doch bleiben, und schlossen mit den besten Wünschen und der Versicherung, man werde ihn nicht vergessen. Anschließend sah man so manche Träne fließen, die mehr oder weniger verstohlen weggewischt wurde. Damit Schmitt an seiner neuen Wirkungsstätte Trier nicht vergisst, wurden ihm zahlreiche Präsente überreicht. Sein Chor schenkte ihm eine liebevoll gestaltete Patchworkdecke, in der sich jedes Mitglied verewigt hatte. Auch dort fanden die Empfindungen der Jugendlichen ihren Ausdruck. Es war zu lesen: "Du treulose Tomate. Trotzdem alles Gute."