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Das Auto der Zukunft qualmt nicht

"Mein Auto verbraucht zu viel" - das sagen sich viele Leute beim Blick auf die Tankrechnung. Autos mit Zukunft müssen daher vor allem eines können: Energie sparen. Studenten der Fachhochschule Trier entwickeln derzeit ein sparsames und trotzdem komfortables Auto. Von unserem Redaktionsmitglied Patrick Wiermer

Trier. "Das Wichtigste ist: Gewicht reduzieren, Luftwiderstand reduzieren, Rollwiderstand reduzieren." Paul Spitz, Student der Fahrzeugtechnik an der Fachhochschule (FH) Trier, zählt die Prinzipien von energiesparenden Autos auf. Spitz arbeitet zusammen mit rund 30 Kollegen im Projekt "proTRon" an der Entwicklung von neuen Fahrzeugen, die sich durch eine besonders effektive Energiebilanz auszeichnen. Statt Benzin treibt dabei Wasserstoff die Autos an (siehe Extra). Kohlefaser ersetzt das Metall der Karosserie und der Felgen.

Alltagstauglichkeit steht im Vordergrund



Mit den Prototypen "proTRon I" und "proTRon II" hat das Team schon an internationalen Wettbewerben teilgenommen. Dabei ging es darum, mit einem Liter Benzin oder einem gleichwertigen Kraftstoff eine möglichst große Distanz zurückzulegen (der TV berichtete mehrfach). Die Trierer kamen im Sommer 2008 mit ihrer Brennstoffzelle auf 2592 Kilometer, die Weltspitze schaffte 500 Kilometer mehr. "ProTRon II" werde deshalb weiterentwickelt, um den damaligen Gewinner der Technischen Hochschule Zürich beim nächsten Aufeinandertreffen vom 7. bis 9. Mai auf dem Eurospeedway in der Lausitz zu schlagen. Die Trierer sehen dafür gute Chancen.

In diesem Jahr steht bei den Studenten aber die Alltagstauglichkeit der Spritsparer im Vordergrund. Die FH nimmt daher in der Lausitz zum ersten Mal am Wettbewerb für alltagstauglichere Fahrzeuge, der "Urban Class", teil. Dafür soll der neue "proTRon aeris" stadttauglich gemacht werden. Rund 35 000 Euro, die von Sponsoren - nicht nur aus der Autoindustrie - gestellt werden, kostet die Neuentwicklung.

Das neue Fahrzeug wird zwei Menschen Platz bieten und besitzt eine Federung. Auch ein Armaturenbrett mit Unterhaltungssystem ist für die Zukunft eingeplant. Für ein schickes Äußeres sorgten Studenten der Fachrichtung Kommunikationsdesign. "Wir wollen zeigen, was geht. In fünf bis zehn Jahren könnte ein solches Fahrzeug Serienreife haben."

Dafür soll der aeris auch noch ein bisschen schneller werden, sagt Paul Spitz. Das 110 Kilogramm leichte Gefährt erreicht momentan maximal 50 Kilometer pro Stunde. Bei Tempo 30 schafft der "aeris" mit der Energie von einem Liter Benzin mehr als 800 Kilometer. Statt Sprit "schluckt" das Fahrzeug Wasserstoff. Spitz: "Wichtig ist uns, dass sich die Leute bewusst sind, weniger Energie zu verbrauchen. Wir werden uns in Zukunft daran gewöhnen müssen, vielleicht insgesamt langsamer als heute zu fahren." Extra Die Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle dient im "proTRon" der Energieerzeugung. In der Brennstoffzelle reagieren Wasserstoff (H{-2}) und Sauerstoff (O{-2}) in einer "kalten Verbrennung" miteinander zu Wasser - wie bei der Knallgasreaktion aus dem Chemieunterricht. Anders als bei diesem Experiment läuft die Reaktion in der Brennstoffzelle jedoch kontrolliert und völlig ohne Risiko ab, denn beide Gase sind durch einen sogenannten Elektrolyten voneinander getrennt und tauschen nur über einen elektrischen Leiter Elektronen aus. Dieser Elektronenfluss macht die Brennstoffzelle zur Stromquelle, die dann einen Elektromotor antreibt. Als Reaktionsprodukt entsteht reines Wasser, was die Brennstoffzelle so umweltfreundlich macht. (Quelle: initiative-brennstoffzelle.de)

Die Studenten Sebastian Knauf, Paul Spitz und Michael Teller (von links) gehören zu dem Tüftler-Team, das sich um die Entwicklung des Auto-Prototyps „proTRon“ und seiner Varianten kümmert. TV-Foto: Patrick Wiermer
Die Studenten Sebastian Knauf, Paul Spitz und Michael Teller (von links) gehören zu dem Tüftler-Team, das sich um die Entwicklung des Auto-Prototyps „proTRon“ und seiner Varianten kümmert. TV-Foto: Patrick Wiermer