| 17:49 Uhr

Fest
Clownessen für eine bessere Zukunft

Die Clownin Mirzel zieht Kinder in ihren Bann: Der Kornmarkt steht ganz im Zeichen der Frauen- und Kinderrechte.
Die Clownin Mirzel zieht Kinder in ihren Bann: Der Kornmarkt steht ganz im Zeichen der Frauen- und Kinderrechte. FOTO: Clemens Sarholz
Trier. Das Frauenhaus Trier und der Kinderschutzbund feiern unter dem Motto „Der Kornmarkt mal anders: Frauen und Kinder vor“. Zwei Clownessen erklären, was Rechte sind. Von Clemens Sarholz

Ein kleiner Junge in Höschenwindeln hüpft durch die Wasserpfützen um den Brunnen am Kornmarkt. Kinder laufen mit Luftballons herum. Ein Straßenmusikant spielt „Sitting on the dock of the bay“. Eltern sitzen mit ihren Kindern bastelnd und malend in Pavillons, helfen, wo sie können. Sie kaufen Lose für ein Glücksrad. Die Jüngsten treiben sich auf dem Kornmarkt herum, Eltern rufen ihnen nach, sie sollen aufpassen. Die meisten hören es nicht.

Die gemütliche Atmosphäre auf dem Kornmarkt ist dem Frauenhaus Trier und dem Kinderschutzbund zu verdanken. „Vor allem den über 30 ehrenamtlichen Helfern“, sagen Rita Woods vom Frauenhaus und Eva Rassau vom Kinderschutzbund. Mit zwei anderen Frauen halten sie die Zügel bei der Organisation in der Hand. „Wir haben das Fest veranstaltet, um die Öffentlichkeit über unsere Arbeit zu informieren. Jeder soll wissen, dass es uns gibt und was wir tun.“

Denn so unbeschwert wie das Familienfest auf dem Kornmarkt ist die Situation von Frauen und Kindern in der Realität leider nicht immer. Häusliche Gewalt gegen Frauen ist ein großes Problem. Laut Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes ist in Deutschland jede vierte Frau Opfer von Gewalt in den eigenen vier Wänden.

Dann sind häufig Kinder betroffen. Aber nicht nur körperliche Gewalt spielt eine Rolle, auch psychische. Veraltete Ansichten und Vorurteile sorgen dafür, dass Frauen manchmal noch immer ausschließlich als Hausfrau und Mutter gesehen werden.

Das Frauenhaus und der Kinderschutzbund stehen an der Front, wenn es darum geht, die Rechte von Frauen und Kindern zu schützen als Lobbyisten für das Gute. Sie bieten Betroffenen Schutz und Anlaufstellen. Um Kindern spielerisch beizubringen, was ihre Rechte sind, haben sie zwei Clownessen engagiert.

Für Elke Reiter war es keine leichte Aufgabe mit ihrer Figur Frauenrechte zu erklären. „Ein Clown darf eh alles, das macht die Nummer nicht einfach.“ Sie hat es aber geschafft. Mit Zynismus, den Kinder noch nicht verstehen können, hat sie ihrer Show die nötige Würze verliehen, um es für Erwachsene eindrücklich zu machen: Sie putzt als weiblicher Clown, bis ihr Chef, die Socke, ihr in den Hintern zwickt. Weil sie das nicht mit sich machen lässt, hat sie ihren Chef mal eben an die Wäscheleine gehängt.

Clownin Mirzel zieht Kinder in ihren Bann: „Meine Gefühle sind richtig und wichtig, deine Gefühle sind richtig und wichtig.“ Die Kinder hören gespannt zu und wiederholen im Chor. Marie Marschall spielt Mirzel. Ihr ist das Thema persönlich wichtig: „Kinder und Frauen haben Rechte und alle Menschen haben die Aufgabe, sie zu verwirklichen. Nur wenn sich möglichst viele Menschen dafür einsetzen, haben wir Aussicht auf eine bessere Zukunft.“

Um ihre Arbeit zu sichern, sind die Vereine auf Spenden angewiesen.

Wer sie unterstützen möchte oder Unterstützung sucht, kann sich wenden per E-Mail an kontakt@frauen-haus-halt.de (Frauenhaus Trier) oder info@kinderschutzbund-trier.de (Kinderschutzbund Trier), per Telefon 0651/74444 (Frauenhaus) oder Telefon 0651/999366200 (Kinderschutzbund Trier).