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Das Herz von Trier-West soll wieder schlagen

Insgesamt ist das Gelände des Ex-Eisenbahnausbesserungswerks (blau) und des stillgelegten Bobinet-Eybl-Areals (rot) gut 140 000 Quadratmeter groß. Um ihre jeweiligen Areale besser entwickeln zu können, haben die EGP und Bauunternehmer Knaf kleinere Flächen ausgetauscht (grün und gelb). TV-Foto: portaflug/Bearbeitung: Birgit Keiser
Insgesamt ist das Gelände des Ex-Eisenbahnausbesserungswerks (blau) und des stillgelegten Bobinet-Eybl-Areals (rot) gut 140 000 Quadratmeter groß. Um ihre jeweiligen Areale besser entwickeln zu können, haben die EGP und Bauunternehmer Knaf kleinere Flächen ausgetauscht (grün und gelb). TV-Foto: portaflug/Bearbeitung: Birgit Keiser
Trier. Die Trierer Entwicklungsgesellschaft EGP und der Eifeler Bauunternehmer Erland Knaf haben eine Kooperationsgesellschaft gegründet. Sie wollen die beiden Industriebrachen Eisenbahnausbesserungswerk und Eybl-Bobinet in Trier-West gemeinsam entwickeln. Christiane Wolff

Trier. Von Friede, Freude, Eierkuchen zu schwärmen, wäre wohl übertrieben. Aber ihren jahrelangen, teils erbitterten Streit haben Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und der Eifeler Bauunternehmer Erland Knaf augenscheinlich beigelegt. Der große Stein des Anstoßes: 2003 hatte Knaf das brachliegende Gelände des Eisenbahnausbesserungswerks in Trier-West gekauft. Aber alle seine Ideen und Investoren für das mehr als 100 000 Quadratmeter große Gelände schmetterte Baudezernentin Kaes-Torchiani ab. Das Gelände sei zu zentral und wichtig für die weitere Entwicklung des Problemstadtteils Trier-West, als dass großflächiger Einzelhandel mit einer Parkplatzwüste drum herum das Richtige wäre. 13 Klagen strengte Knaf gegen die Stadt an. Diese schrieb ihrerseits im Masterplan Trier-West ihre städtebaulichen Vorstellungen für das Areal fest.

Erst ein neuer Nachbar sorgte im vorigen Herbst dafür, dass die beiden Kontrahenten wieder miteinander redeten und Knaf seine Klagen zurückstellte: Die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg - die heute wegen der Ausweitung ihrer Tätigkeit auf andere Areale als den Petrisberg nur noch unter dem Kürzel EGP firmiert - kaufte das angrenzende, ebenfalls stillliegende Bobinet-Eybl-Firmengelände. Die EGP plant moderne Loft-Wohnungen in den gut erhaltenen Industriehallen, neue Wohnhäuser und innovatives Kleingewerbe für das fast 42 000 Quadratmeter große Areal. Würde Knaf allerdings seine alten, denkmalgeschützten Werkshallen weiterhin mehr und mehr verkommen lassen und weiter eine laute Schredderanlage für Bauschutt dort betreiben, wäre es schwierig für die EGP, Investoren für die ambitionierten Pläne auf dem Nachbargrundstück zu finden. Knaf wiederum ist für die im Masterplan vorgesehene Erschließung seines Grundstücks von der Straße Im Speyer her ebenfalls auf gute Zusammenarbeit mit der EGP angewiesen.

"Seit Herbst haben wir daher intensive Gespräche geführt", sagt EGP-Geschäftsführer Jan Eitel. Baudezernentin Kaes-Torchiani, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende der EGP, die zu 35 Prozent der Stadt gehört, übernahm die Moderation. Das Ergebnis: EGP und Knaf haben die Grundstücksgesellschaft Trier-West (GGTW) gegründet. Die Inhalte des Kooperationsvertrags klingen gut:

Knaf legt seine Pläne vom großflächigen Einzelhandel ad acta. Die beiden denkmalgeschützten alten Eisenbahnhallen sollen bestehen, saniert und neu genutzt werden.EGP und Knaf entwickeln das Gelände gemeinsam in enger Absprache, um sich so gegenseitig Vorteile zu verschaffen.Der Bebauungsplan, der von der GGTW inklusive aller Gutachten finanziert wird, entsteht in enger Abstimmung mit der Stadt. In den nächsten Wochen beginnen die Gespräche in den politischen Gremien. Im Frühjahr könnte Baurecht bestehen. Um sein Gelände aufzuwerten und Investoren für die neuen Pläne zu finden, will Knaf in den nächsten Monaten einen siebenstelligen Betrag in Planung, Geländeräumung und die Sicherung und Säuberung der alten Hallen investieren. "Ich habe in der EGP einen guten und kompetenten Partner gefunden und bin sehr zuversichtlich, dass wir das gesamte Gelände gut entwickeln", sagt Knaf. Für das Gelände zwischen dem Aldi-Discounter, der großen Eisenbahnhalle und dem Torbogen-Doppelhaus an der Eurener Straße ist Wohnbebauung geplant. Ebenso für das Bobinet-Gelände entlang der Eisenbahn am gegenüberliegenden Rand des Areals. Damit Knaf sein Gelände erschließen kann und die EGP eine breitere Fläche für das Wohnquartier zur Luxemburger Straße hin hat, haben die beiden kleine Teilflächen getauscht (siehe Foto)."Ich bin sehr froh, dass sich da zwei Partner mit gemeinsamem Ziel gefunden haben. Die Entwicklung des Areals ist sehr wichtig für das Vorankommen des Stadtteils. Jetzt haben wir eine Lösung gefunden, die auch im Sinne der Stadt ist", sagte Baudezernentin Kaes-Torchiani.Meinung

Im Westen was Neues?
Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Die einst erbitterten Kontrahenten Knaf und Kaes-Torchiani loben sich gegenseitig für ihre Gesprächsbereitschaft. Und Jan Eitel verspricht blühende Landschaften. Allerdings: Das Ende der Industriebrache in Trier-West ist in den letzten 25 Jahren schon öfters mit viel Verve angekündigt worden. So richtig dran glauben kann man daher wohl erst, wenn in den nächsten Wochen und Monaten tatsächlich die Trümmerfelder rund um die Eisenbahnhallen aufgeräumt werden und deren Bausubstanz gesichert wird. Wie stabil der Friede ist, den Knaf, Kaes-Torchiani und Eitel geschlossen haben, zeigt die Klausel des Kooperationsvertrags, mit der Knaf sich dazu verpflichtet, künftig in dieser Angelegenheit nicht mehr gegen die Stadt zu klagen. Trotzdem: Stadt und Eigentümer sind sichtlich willens, die Mammutaufgabe nicht nur anzugehen, sondern zügig zu erledigen. Schön, wenn es im Frühling tatsächlich nach jahrzehntelangen Negativ-Meldungen heißen würde: im Westen was Neues! c.wolff@volksfreund.de

Chronik:
In den 1950er Jahren arbeiten rund 1500 Menschen im Eisenbahn-Ausbesserungswerk in Trier-West. 1986 schließt die Bahn das Werk, mehrere Gesellschaften und Investoren beißen sich in den folgenden Jahren die Zähne an der riesigen Industriebrache aus. 2003 kauft der Eifeler Bauunternehmer Erland Knaf das Areal. Per Gericht setzt Knaf 2007 den Bau eines Aldi-Discounters gegen die Stadt durch. Im Februar 2010 legt die Stadt einen Masterplan mit verbindlichen städtebaulichen Vorgaben für Trier-West vor. Im September 2010 kauft die EGP das stillliegende Eybl-Bobinet-Gelände. Im Sommer 2010 gründen Knaf und EGP die gemeinsame Grundstücksgesellschaft Trier-West (GGTW) mit dem Ziel, das Gesamtareal in den nächsten sechs bis acht Jahren zu entwickeln. woc