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Das Phantom der Ehranger Kanzel

Polizei Schweich und Berufsfeuerwehr Trier koordinieren gemeinsam den Einsatz auf der Ehranger Kanzel. TV-Foto: Agentur Siko
Polizei Schweich und Berufsfeuerwehr Trier koordinieren gemeinsam den Einsatz auf der Ehranger Kanzel. TV-Foto: Agentur Siko
Trier-Ehrang. Mehr als 70 Polizisten und Feuerwehrleute hat ein unbekannter Gleitschirmflieger auf Trab gehalten, nachdem er am Donnerstagabend über der Ehranger Kanzel vermeintlich abgestürzt war. Am Freitagmittag wurde die Suche ergebnislos eingestellt. Von dem Unbekannten fehlt jede Spur. Roland Morgen

Trier-Ehrang. Die Kanzel ist bekannt und geschätzt für ihre gute Aussicht auf den 140 Meter tiefer gelegenen historischen Ortskern von Ehrang und das Moselvorland. Doch am Donnerstagabend war es mit der Idylle schlagartig vorüber, und auch am Freitagvormittag tummelten sich statt Wanderern und Spaziergängern Dutzende von Polizeibeamten und Feuerwehrleuten in dem Waldstück auf der Anhöhe zwischen Kyll und B 52.
Ihre Mission: die Suche nach einem verunglückten Gleitschirmflieger. Mehrere Ehranger, die - unabhängig voneinander - den Piloten samt weiß-blauem Schirm im Sinkflug über den Baumwipfeln oder schon daran hängen gesehen hatten, hatten gegen 21 Uhr die Polizeiinspektion Schweich alarmiert. Die startete sofort eine große Rettungsaktion. Neben Polizeibeamten waren die Berufsfeuerwehr Trier, die Löschzüge Pfalzel und Ehrang sowie zwei Hundestaffeln daran beteiligt, eine davon eigens angefordert aus Hennweiler (Kreis Bad Kreuznach). Die Verpflegung übernahm das DRK Ehrang. Bis zu 70 Einsatzkräfte durchkämmten das vermeintliche Absturzgebiet sechs Stunden lang. Ergebnis: negativ.
Zwei Hundestaffeln im Einsatz


Bei Tageslicht wurde die Suche erneut aufgenommen, mit weniger Personalaufwand, aber unterstützt von einem Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera. Auch diesmal ohne Resultat.
Gegen 12 Uhr brach die gemeinsame Einsatzleitung von Polizei Schweich und Berufsfeuerwehr Trier die Suche ab. Man gehe davon aus, "dass sich der Gleitschirmpilot - hoffentlich unverletzt - nach der Landung aus dem Waldstück entfernt hat", also bereits am Donnerstagabend.
Möglicherweise hat der Unbekannte auch gar nichts mitbekommen von dem Rummel, den er ausgelöst hat. Und wenn doch, dann ist fraglich, ob er sich freiwillig gemeldet hätte in Anbetracht von Einsatzkosten im geschätzten fünfstelligen Euro-Bereich, an denen er möglicherweise beteiligt werden könnte.
Über die Identität des Gesuchten herrscht weiterhin Rätselraten. Erste Vermutungen, es könnte sich um einen Teilnehmer des derzeit laufenden internationalen Wettbewerbs MoselOpen in Zeltingen-Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) handeln, widersprach der Veranstalter Gleitschirmsegelclub Moselfalken. Keiner der 90 Starter sei vermisst worden.
Bei der Ermittlung des Phantoms hofft die Polizei Schweich nun auf Hinweise von Zeugen.
Sie werden gebeten, sich unter Telefon 06502/9157-0 zu melden.

Stark im Kommen: Gleitschirmfliegen wie hier bei den noch bis Sonntag laufenden MoselOpen in Zeltingen-Rachtig. Das „Kanzel-Phantom“ gehörte aber nicht zu den Teilnehmern dieses Wettbewerbs. TV-Foto: Winfried Simon
Stark im Kommen: Gleitschirmfliegen wie hier bei den noch bis Sonntag laufenden MoselOpen in Zeltingen-Rachtig. Das „Kanzel-Phantom“ gehörte aber nicht zu den Teilnehmern dieses Wettbewerbs. TV-Foto: Winfried Simon