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Der Fingerhut als Vorrecht des Adels: Ausstellung seltener Exemplare in der Stadtbibliothek Trier

Karl Marx auf Meißner Porzellan: Christel Hontheim-Monz hat diese Hommage an ihre Heimatstadt eigens anfertigen lassen. TV-Foto: Rolf Lorig
Karl Marx auf Meißner Porzellan: Christel Hontheim-Monz hat diese Hommage an ihre Heimatstadt eigens anfertigen lassen. TV-Foto: Rolf Lorig
Trier. "Aus dem Nähkästchen der Welt geplaudert - große Kunst auf der Fingerkuppe" lautet der Titel einer Fingerhut-Ausstellung, die in der Stadtbibliothek Palais Walderdorff auf dem Domfreihof Trier eröffnet worden ist. Rolf Lorig

Trier. Wer noch selbst näht, kennt den Vorteil eines Fingerhutes: Die empfindlichen Fingerspitzen werden beim Nachdrücken der Nadel durch den Stoff vor Verletzungen bewahrt. Dass das heutige Handwerkszeug in früheren Jahrhunderten ein dem Adel vorbehaltener Luxusartikel war, ist einer von vielen oft unbekannten Aspekten, die sich dem Besucher der Ausstellung in der Trierer Stadtbibliothek erschließen.
Mit viel Liebe zum Detail hat die frühere Obermeisterin der Schneiderinnung Trier-Saarburg, Christel Hontheim-Monz, die Präsentation entworfen. Dabei konnte sie aus dem Vollen schöpfen, nennt sie doch rund 3000 Fingerhüte aus 42 Ländern ihr Eigen. Die ausgestellten Exponate laden zu einer kleinen Weltreise ein: Uralte Funde aus Turkmenistan zählen ebenso dazu wie kostbare Einzelstücke aus Frankreich, Amerika, Kolumbien, Russland und Asien.
Ihren ersten Fingerhut habe sie von ihrem Vater geschenkt bekommen, sagt Christel Hontheim-Monz bei der Eröffnung der Ausstellung: "Und dann schenkten mir Freunde und Kunden immer neue Exemplare." Sogar die japanische Botschaft war ihr bei der Suche nach einem besonders seltenen Stück behilflich: "Von dort habe ich eines Tages einen freundlichen Brief bekommen mit einem kleinen Päckchen, in dem sich der von mir gesuchte Fingerhut befand."
Oft werde sie gefragt, wie alt die Geschichte des Fingerhutes sei. Bei Ausgrabungen in der Nähe von Moskau habe man Fingerringe aus Knochen gefunden, deren Alter auf rund 30 000 Jahre geschätzt werde.
In den verschiedenen Zeitepochen wurden Fingerhüte aus Knochen, Leder, Glas, Porzellan oder Metall hergestellt. Wie wertvoll solch alte Stücke sein können, machte Hontheim-Monz am Beispiel einer Auktion deutlich: 1978 ersteigerte ein kanadischer Sammler einen 1740 angefertigten Fingerhut aus Meißner Porzellan für 18 000 Dollar. "Solche Fingerhüte repräsentierten damals den hohen gesellschaftlichen Rang der Besitzerin."
Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt noch bis zum 11. April zu sehen. Öffnungszeiten: montags, dienstags und freitags 12 bis 18 Uhr, mittwochs 9 bis 13 Uhr, donnerstags 12 bis 19 Uhr, samstags 10 bis 13 Uhr.