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Insolvenz
Der Kampf ums Trierer Exhaus wird härter

Das Jugend- und Kulturzentrum Exzellenzhaus im Trierer Norden ist ein seit Jahrzehnten enorm beliebter Veranstaltungsort.
Das Jugend- und Kulturzentrum Exzellenzhaus im Trierer Norden ist ein seit Jahrzehnten enorm beliebter Veranstaltungsort. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. 23 Bands wollen ein Festival zur Rettung des finanziell angeschlagenen Kulturzentrums auf die Beine stellen. Die Mitarbeiter müssen unterdessen Gehaltskürzungen verkraften. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Das Jugend- und Kulturzentrum Exhaus kämpft ums Überleben, und viele Musiker und Fans aus Trier und Umgebung kämpfen an seiner Seite. Musiker aus der Rock- und Metal-Szene der Region wollen am 22. und 23. September ein Festival organisieren – mit 23 Bands, die alle umsonst spielen (siehe Info). „Der gesamte Gewinn fließt in die Renovierung des Exhauses“, sagt Frank Schille, der Sänger der Band Blessed Hellride, die mit von der Partie sein wird und übrigens auch auf dem berühmtesten Metal-Festival der Welt im norddeutschen Wacken auftreten wird (2. bis 4. August). Schille betont: „Wir wissen ja alle, wie es um das Exhaus steht.“

In der Tat, das wissen alle. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. Mai eröffnet. Der Verein Exzellenzhaus, der das Jugend- und Kulturzentrum selbstständig betreibt, musste diesen Schritt gehen, da er die Ausfälle der Einnahmen im Veranstaltungsbereich nicht mehr ausgleichen konnte (der TV berichtete).

Denn schon seit drei Jahren schränkt die Stadt Trier, der das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude gehört, die maximal zulässigen Besucherzahlen stark ein. Der Grund ist simpel: Das Exhaus erfüllt die aktuellen Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen längst nicht mehr.

Wie viele Menschen in der Region Trier an dieser Situation Anteil nehmen, zeigt sich mittlerweile im Stadtbild, auf den Straßen und Plätzen, in Klassenzimmern und Kneipen ebenso wie in sozialen Netzwerken. Das schwarze T-Shirt mit der roten Hand, deren Zeige- und Mittelfinger zur Geste der Verbundenheit gekreuzt sind, ist zum Symbol der Rettung des Exhauses geworden.

Die Träger dieses Shirts stammen aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten, vom 15-jährigen Hardcorefan bis zum Studienrat im Pensionsalter. Das ist kein Wunder. Das  Exhaus ist nicht nur ein zentraler Veranstaltungsort, sondern auch ein Familienzentrum mit Kinderhort und Schülerbetreuung sowie generell ein Schwerpunkt der Jugend- und Sozialarbeit. Alle Infos zum Shirt und generell der Aktion „Rettet das Exhaus“ zeigt die Internetseite www.rettet-das-exhaus.de.

Doch trotz aller Bereitschaft zur Unterstützung ist die Lage sehr ernst, und ein Erfolg ist nicht garantiert. Die Trierer Rechtsanwältin Christine Frosch ist die insolvenzrechtliche Generalbevollmächtigte. Sie stellt sich den Fragen des TV.

„Wir müssen alles auf den Prüfstand stellen“, sagt Frosch. „Wir können das Haus weiterführen, müssen aber die Strukturen anpassen und Kosten senken.“

Das Exhaus funktioniert über eine Mischfinanzierung. Die Hälfte der Betriebskosten trägt die Stadt. Der Verein erwirtschaftet seine Hälfte über Veranstaltungen, Partys und Projekte. Er beschäftigt 50 Mitarbeiter, 60 Prozent davon auf geringfügiger Basis.

Nach TV-Informationen müssen einige Mitarbeiter Gehaltskürzungen hinnehmen. Das räumt die Insolvenzverwalterin ein. „Man hat im Lauf der Jahre im Exhaus Strukturen aufgebaut, die man nicht unbedingt benötigt“, sagt sie. Was bedeutet das konkret? Frosch: „Wir haben ein sozialverträgliches Konzept entwickelt, um Kosten zu senken. In Einzelfällen war die tarifliche Eingruppierung von Mitarbeitern zu hoch. Das haben wir korrigiert.“

Welche konkreten Folgen, in Euro ausgedrückt, hat eine solche Korrektur der Eingruppierung? „Bei den Neugruppierungen handelt es sich um eine Reduzierung im Einzelfall im dreistelligen Bereich, außerdem hat es Arbeitszeitverkürzungen gegeben“, sagt die Rechtsanwältin. „Dafür behält der Mitarbeiter aber seine Stelle. Es geht uns auch um eine gerechte Entlohnung aller Mitarbeiter.“ Von betriebsbedingten Kündigungen sei zurzeit keine Rede.

Welche Rolle die Stadt Trier bei der Rettung des Exhauses spielt, hängt von Entscheidungen auf mehreren Ebenen ab. In diesen Tagen führt die Insolvenzverwalterin ein Gespräch mit Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Elvira Garbes (Bündnis 90/Die Grünen). Und auch der Stadtrat ist am Zug, wenn er am 18. Dezember den neuen Haushalt beschließt und darin auch festlegt, welche Summen in den nächsten Jahren ins Exhaus fließen sollen. „Wir werden viele Gespräche führen“, kündigt Frosch an.

Kommentar: Die Stadt hat es in der Hand

Das Exhaus ist für die Jugendkulturszene der Stadt und Region Trier ebenso wichtig wie das Theater. Wer diese These für zu gewagt hält, sollte sich kurz bewusst machen, dass der Exzellenzhaus mit seinen Projekten eine feste Basis für Kinder, Jugendliche und Familien ist, und zwar seit fast einem halben Jahrhundert.

Die aktuell überall spürbare Solidarität ist eine großartige Geschichte, aber T-Shirts werden das Exhaus leider nicht retten können. Die Stadtverwaltung und vor allem auch die Fraktionen des Stadtrats haben es in der Hand, dieser Institution eine stabile Zukunft über die Insolvenz hinaus zu geben. Das wird Geld kosten. Na und? Hier, genau hier, muss die Stadt investieren.

j.pistorius@volksfreund.de